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Ein Handball-Trainer, der Kirschkernspucken übt

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Von: Frank Weiner

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Bereit zum Wurf: Peter Lange in seinem Abschiedstrikot mit seinen Nachfolgern Nele und Till Naujoks (rechts) sowie Amelie, Fabian und Florian von den Minis. FOTO: wein
Bereit zum Wurf: Peter Lange in seinem Abschiedstrikot mit seinen Nachfolgern Nele und Till Naujoks (rechts) sowie Amelie, Fabian und Florian von den Minis. FOTO: wein © wein

Für ihn zählen Spaß und Kameradschaft: Peter Lange hat fast 50 Jahre Mannschaften in vier Vereinen betreut

Bremthal -"Es ist schön zu sehen, wie sie sich da reinknien." Peter Lange sitzt auf der Turnbank in der Comenius-Halle und schaut den Minis der HSG Eppstein/Langenhain (Epp/La) beim Handball-Training zu. Die Betreuer Nele Naujoks und ihr Bruder Till begeistern den 72-Jährigen. Er ist in diesem Fall "nur" noch Zuschauer. Nach genau 48 Jahren als Trainer von Handballmannschaften hat Lange den Ball an die Jugend weitergegeben. Und ist doch noch beim Zuschauen in seinem Element. Als das Duo das bekannte "Feuer, Wasser, Sturm" spielt, erinnert sich Lange: Er habe den Kindern dann immer noch gezeigt, in welche Richtung sie laufen müssen. Denn beim Handballspielen, müssten sie ja auch auf die Zeichen des Schiedsrichters achten.

Es gibt wohl nur wenige Trainer des rasanten Hallensports im Bezirk, die eine solche Erfahrung bei der Jugendbetreuung mitbringen. Fast ein halbes Jahrhundert so lange war Lange dabei - da staunt auch die langjährige Bremthaler Handballerin Christiane Gottron, die zuvor die F-Jugend trainiert hat. "Der Verein hat ihm viel zu verdanken", sagt sie. Vor allem seine Hartnäckigkeit, Spieler für den Sport zu motivieren und begeistern, habe sie beeindruckt. Langes Nachfolgerin Nele hat auch unter ihm trainiert. "Ich bin immer noch beim Handballspielen, das sagt alles", erklärt die 17-Jährige. Das Trainer-Gen habe auf jeden Fall abgefärbt, ergänzt ihr Bruder (19).

Und genau so war es bei Lange vor fast 50 Jahren. Geboren in Höchst und aufgewachsen in Sindlingen, eiferte er seinem Vater Karl-Heinz nach, der lange Trainer bei der SG und später dem SC Höchst war. "Einen Trainerlehrgang habe ich nie gemacht. Ich hatte ja ein Vorbild mit meinem Vater", sagt der Bremthaler, der schon 16 Jahre für die SPD im Ortsbeirat sitzt. Unter ihm trainierte Lange bis zu den Aktiven, ging dann nach Hattersheim. Dort feierte er 1971 mit dem Gewinn der Hessenmeisterschaft auf dem Großfeld seinen schönsten Erfolg. Und besann sich kurz später auf seine Wurzeln. In Höchst übernahm Lange 1974 mit den D-Schülern seine erste Mannschaft und betreute sie zehn Jahre in Folge bis zu den Aktiven.

Mit Hilferuf fing

es in Bremthal an

Zum Ende dieser Phase wohnte der gelernte Technische Zeichner und studierte Feinwerk-Techniker, der lange als Ingenieur bei Braun in der Entwicklung arbeitete, bereits in Bremthal. "Dann kam ein Hilferuf", erinnert er sich. Die weibliche B-Jugend der SG-Handballer drohte auseinanderzufallen - dass ein langjähriger Trainer im Ort wohnte, wussten sie längst. Lange übernahm und kam doch zunächst an Grenzen. "Ich glaube, ich war relativ streng", sagt er über seine Zeit mit den Jungs in Höchst. Bei den Mädchen "konnte ich nicht mehr so ein harter Hund sein". Doch das Umdenken fruchtete: Mit der späteren A-Jugend wurde er mal Zweiter im Bezirk, mit einer weiblichen C-Jugend Kreismeister. Erfolge seien schön, doch nicht die zentrale Sache, findet Lange. Bei den Älteren habe er Wert auf "Kameradschaft" gelegt, füreinander da zu sein und Andere einzusetzen. Bei den Kleinen seien Spaß und Torewerfen zudem wichtig. Und: "Fangen, fangen, fangen." Wenn mal ein Kind zu stark war, wechselte Lange es ins Tor - "um Andere ins Spiel zu bringen".

Mit dieser Philosophie ist er stets gut gefahren, hat vier verschiedene Handball-Vereine erlebt und seit 2006 dann "nur" noch die Minis trainiert: nach Höchst und der SG Bremthal den Wechsel zur TSG Eppstein und zuletzt die Spielgemeinschaft mit Langenhain zur HSG Epp/La.

Diese Kombination findet er gut und zukunftsfähig. Lange selbst wird das nun mehr aus der Distanz betrachten, mal bei den Spielfesten oder im Training reinschauen. Und seine beiden Spezialaktionen anbieten: Mit der Mini-Mannschaft um seine Nachfolgerin Nele hat er in Bremthal einen Kirschbaum gepflanzt und danach regelmäßig den Wettbewerb im Kirschkern-Weitspucken veranstaltet. Das will er ebenso weiter anbieten wie die Wanderung auf dem Bremthaler Waldlehrpfad, den Lange ehrenamtlich betreut und pflegt. Sportlich will er sich selbst verstärkt dem Boule widmen.

Was sich in fast 50 Jahren geändert hat? Natürlich sei der Sport schneller geworden. Gut findet er, dass ab der F-Jugend Drei gegen Drei in der jeweiligen Hälfte gespielt wird und die Tore mit der Anzahl der Schützen beim Endergebnis multipliziert werden. Auch sei das Engagement der Eltern heute deutlich größer als in seinen Anfangszeiten. Einmal habe er die ganze Mannschaft, acht Spieler, in seinen R 4 gepackt, weil keine anderen Fahrer zum Auswärtsspiel da waren. Er hat für die Kinder auch Wanderungen, Nacht-Touren, Zeltlager organisiert. Und in Bremthal ein Tabu gebrochen: Dort gab es immer nur Mädchen-Handball. Doch der Tausendsassa machte auch Werbung bei den Jungs, die Handballer hatten daraufhin so zeitweise bis zu 100 Kinder - mit dem Jugend- und späteren Damen-Wart Lange.

Der Abschied nun sei Peter Lange schon "schwer gefallen, es war eine schöne Zeit". Allerdings habe er keinen Sprungwurf mehr vormachen, nicht mehr so mit den Kindern rennen können - deshalb jetzt der Rückzug und nicht mit genau 50 Trainer-Jahren. Christiane Gottron bringt es mit einem Satz auf den Punkt, was Lange ebenfalls gerne bestätigt: "Wenn man einmal beim Handball dabei war, gibt es keine Alternative, die dich erfüllt."

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