Er wirkt nachdenklich: Der Eddersheimer Trainer Tobias Fischer macht sich Sorgen um seinen Sport in der Pandemie. foto: marcel lorenz
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Er wirkt nachdenklich: Der Eddersheimer Trainer Tobias Fischer macht sich Sorgen um seinen Sport in der Pandemie.

Handball, main-Taunus-Kreis

Ein Trainer macht sich Gedanken

  • Volker Hofbur
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Tobias Fischer plädiert für einen frühen Saisonstart für alle Mannschaften

Eddersheim -Der Handball ruht bis auf die Spiele in den oberen Ligen, die Drittliga-Handballerinnen der TSG Eddersheim hatten ganze drei Spiele, alle anderen heimischen Aktiven-Teams auf Landesebene griffen gar nicht ins Spielgeschehen ein. Nun beginnen alle Mannschaften, unter den herrschenden Voraussetzungen eine Saison zu planen - mit vielen Unbekannten.

Nach dieser Saison

neue Wege gehen

Tobias Fischer, dem Trainer der Drittliga-Handballerinnen der TSG Eddersheim, geht es nicht anders. Durch die Festlegung des Deutschen Olympischen Sportbundes, die Dritte Liga als Profisport einzustufen, hatten er und seine Mannschaft die Möglichkeit, regelmäßig zu trainieren. In der ungewissen Pandemie-Situation hat er sich seine Gedanken gemacht. "Vielleicht hätte man ja jetzt mal sagen können, dass wir einen anderen Weg suchen, um eine komplette Saison zu spielen", leitet der Eddersheimer Trainer seine Überlegungen ein, "das bisherige Konzept hat unter den herrschenden Voraussetzungen nicht funktioniert". Die Frage sei, wie die Vereine mal wieder eine komplette Saison spielen könnten - nach zwei Jahren.

Rückblick auf das

vergangene Jahr

Fischer blickt auf die vergangene Saison zurück, als seine Mannschaft im Mai in die Halle kam und im Juli die ersten Spiele absolvierte. Ab August bestritten die Eddersheimerinnen 16 Freundschaftsspiele, ab Oktober noch drei Partien um Punkte. "Wenn man wieder in diese Situation kommen würde, könnte man ab April laufen gehen, ab Mai in die Halle und Mitte Juli mit der Runde beginnen", schlägt der Eddersheimer Trainer vor, "du hättest Puffer und könntest reagieren, denn es wird Corona-bedingt Unterbrechungen geben. Denn selbst in der Ersten und Zweiten Bundesliga wissen sie in der laufenden Spielzeit noch nicht, ob die Saison bis zum 30. Juni beendet werden kann". So müssen die Mannschaften dort wegen zwischenzeitlicher Quarantäne noch bis zu zehn Spiele absolvieren.

"Corona ist nicht weg, gerade ab dem Herbst wird es wieder positive Fälle geben", macht Fischer deutlich, "mit dem früheren Start hätten wir einen größeren Spielraum, um eine komplette Hinrunde zu spielen". Er verweist auf die Vereine, die seit März des vergangenen Jahres kein einziges Pflichtspiel mehr bestritten haben. "Das ist für mich eine besondere Situation, in der wir uns während der Pandemie befinden. Aber wir machen so weiter - und die positiven Fälle wird es weiterhin geben. Da frage ich mich: Und was ist dann? Wie soll es mit unserem Sport weitergehen?", stellt Fischer in den Raum.

Der Trainer weiß, dass viele Kollegen, Spieler und Verbandsmitarbeiter seine Ideen nicht gut oder logisch finden. So wird sicher das Argument kommen, dass im Sommer Urlaubszeit ist. "Da muss ich sagen, dass wir den kleineren Tod sterben und auf einige Spielerinnen und Spieler verzichten sollten. Aber wir befinden uns in besonderen Umständen, und die erfordern besondere Maßnahmen", erklärt Fischer, "wenn du Ende Mai oder Anfang Juni in die Halle darfst und deine Spieler vorher ihre körperliche Fitness im individuellen Training erreicht hätten, würde es funktionieren". Darauf hätte man hinwirken können, dann hätten die Mannschaften auch ein Ziel. "Seit Januar sind die Spieler am Laufen, was sie unter den herrschenden Bedingungen im Winter demotiviert hat. Mit einem früheren Saisonstart kannst du sie holen. Dann wären Verband und Vereine entspannt, wenn es zu Corona-Pausen kommen würde", verdeutlicht Fischer.

Wird es keinen

Lockdown geben?

Wenn alles optimal laufen würde und die Saison durchgezogen werden könnte, wären die Mannschaften im Februar mit ihrer Runde fertig. "Wenn alles reibungslos laufen würde, könnte man die neue Runde einen Monat später beginnen. Vieles mag gegen diese Ideen sprechen, aber man könnte mal darüber diskutieren. Es besteht die Möglichkeit, einen Anreiz für die Vereine und Mannschaften zu schaffen. Die Frage ist, ob wir hoffen können, dass kein Lockdown mehr kommt. Wenn wir im September starten - und auch das ist ja noch nicht sicher - haben die meisten Handballer im Hessen seit eineinhalb Jahren kein Punktspiel mehr bestritten." Fischer wählt einen drastischen Vergleich: "Selbst eine Schwangerschaft dauert nicht so lange, und dieser Ausfall während einer Pandemie trifft ein komplettes Kollektiv." Außerdem: Niemand weiß zu sagen, wie lange der Impfschutz vorhält und wie gut er gegen neue Mutationen ist. Man könnte die Gedanken von Tobias Fischer als Schwarzmalerei abtun. Aber niemand weiß, wie sich das Infektionsgeschehen entwickeln wird.

Die Vereine müssen sich Gedanken machen, ihre Spieler und Trainer nach der langen Pause zu motivieren. Für Fischer ist sicher: Spiele werden auch in der Zukunft wegen eines positiven Corona-Tests ausfallen. Aber für ihn steht fest, dass es so nicht weitergehen kann. "Wir haben der Stadt einen Hallenbelegungsplan für die Vorbereitung geschickt - für alle Mannschaften. Nun haben wir die Antwort. Für unsere Drittliga-Damen war der Vorbereitungsplan okay, der Rest darf nicht in die Halle. Das ist für sie frustrierend", erklärt Fischer, "wir brauchen Lösungsansätze. Mit einem Start im Sommer bei geringen Inzidenzen könntest du erreichen, dass mehr Mannschaften spielen könnten. Noch so eine Saison kann sich der Handball nicht leisten. Du verlierst Spieler und kannst keine Neuzugänge holen." Fischers Gedanken werden kritisch beäugt werden. Doch im gleichen Schema weiterzumachen, wird nicht funktionieren, wenn man sich die Gegebenheiten im normalen Alltag in den Sporthallen ins Gedächtnis führt. Da werden Änderungen kommen müssen. Volker Hofbur

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