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Eine Eppenhainerin rast zum WM-Titel

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Von: Harald Joisten

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Mit WM-Goldmedaille: Maureen Zimmer.
Mit WM-Goldmedaille: Maureen Zimmer. © privat

Die 25-jährige Maureen Zimmer wird "Junioren"-Weltmeisterin - Olympia 2026 als Ziel

Eppenhain -Maureen Zimmer kann nun gut erahnen, wie sich Olympia anfühlen muss. Zumindest der Weg dorthin. Hautnah hat sie in den vergangenen Monaten miterlebt, wie sich zwei Teamkollegen ihres Heimatvereins Eintracht Wiesbaden auf die Winterspiele in Peking vorbereitet hatten. Gemeinsam trainierte sie mit den Bobfahrer-Kollegen Christoph Hafer und Breeana Walker, die inzwischen längst ins ferne China aufgebrochen sind und sich dort auf ihren großen Start im Zeichen der Ringe vorbereiten.

"Mein Ziel ist es, bei Olympia 2026 in Cortina d'Ampezzo dabei zu sein", sagt Maureen Zimmer mit klarer Stimme. Unrealistisch ist das nicht. Die 25-Jährige, die in Kelkheim-Eppenhain wohnt, gehört zu den großen deutschen Talenten. In diesem Winter zeigte sie ihr Potenzial. Bei den Juniorinnen, wo im Bobfahren Athleten bis 26 Jahre antreten dürfen, wurde sie zunächst Europameisterin im Zweier-Bob und kürzlich sogar Weltmeisterin im Mono-Bob sowie WM-Zweite im Zweier-Bob. "Der Winter lief bisher schon schön. Ich wollte bei der WM eine Medaille. Dass es jetzt so ausgeht, hätte ich nicht gedacht", strahlt die Eppenhainerin, die bei Meisterschaften für den BRC Thüringen (Oberhof) startet.

An diesem Freitag kann sie nachlegen. Dann startet sie bei den Deutschen Meisterschaften in Altenberg im Zweierbob. Alles ist möglich. Die Topfahrer fehlen wegen Olympia.

Maureen Zimmer kommt ursprünglich von der Leichtathletik - kein ungewöhnlicher Werdegang. Als Sprinterin eignete sie sich einst jene Schnellkraft an, die ihr nun beim Anschieben des Bobs am Start zugute kommt. Sie wuchs in Frankfurt-Zeilsheim auf, startete zunächst für den TV Okriftel, danach für Eintracht Frankfurt und zuletzt für den Königsteiner LV, für den sie einst Altersklassen-Hessenmeisterin über 100 Meter wurde (persönliche Bestzeit 12,17 Sekunden). Der Königsteiner LV, dem sie noch als Vereinsmitglied angehört, gratulierte ihr jüngst auf der Homepage zum WM-Titel.

Schon immer liebte Maureen Zimmer auch die Geschwindigkeit. Wenn sie nun von ihrem hoch gelegenen Wohnort im Taunus mit dem Auto die Kurven herunterfährt, steigt die Vorfreude auf noch schnellere Bobfahrten im Eiskanal.

Mit bis zu 150 km/h durch die Eisbahn

Im Mono-Bob erreicht sie in der Spitze 120 bis 130 km/h, im Zweier-Bob sind es sogar 140 bis 150 km/h - je nach Bauart der Eisbahn.

Am Start ist Maximal-Kraft gefragt. Der Zweier-Bob wiegt rund 170 Kilo, der Mono-Bob mindestens 160 Kilo. "Und den muss man in fünf Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit bringen", so die ehemalige Leichtathletin. "Da braucht man Power in den Beinen."

Im Lenkverhalten gibt es dann Unterschiede. Der Zweier-Bob würde sich etwas einfacher lenken, weil die hinter ihr sitzende Person das Kufengerät stabilisiert. "Beim Mono-Bob fehlt das Gewicht hinten. Ihn muss man mehr führen, da rutscht man leichter aus den Kurven raus. Er ist dann recht schwer unter Kontrolle zu kriegen."

Umso beeindruckender, wie schnell Maureen Zimmer mit diesem Mono-Bob zurecht kam. Bei den Junioren-WM vor drei Wochen im österreichischen Igls war sie erstmals überhaupt im Einer gestartet - und gewann prompt Gold. "Kurz vor der J-WM war ich gefragt worden, ob ich auch Mono fahren kann. Ich habe ja gesagt und habe dann zwei Trainingsfahrten gemacht. Der Wettkampf war dann meine dritte und vierte Fahrt."

Doch freilich ist sie bereits eine recht erfahrene Pilotin. Sie bestreitet ihre siebte Bob-Saison, ist seit drei Jahren Pilotin. Zuvor war sie vier Jahre lang Anschieberin gewesen. Auch Bundestrainer René Spies dürfte sie inzwischen im Blick haben, auch wenn er derzeit freilich bei Olympia im Einsatz ist. Maureen Zimmer schaut freilich ebenso gespannt auf die bevorstehenden Bob-Wettbewerbe in Peking, drückt den deutschen Kollegen die Daumen. "Die Bobbahn dort ist ein Kunstwerk. Sie soll sehr anspruchsvoll sein", hat sie gehört. Ihre olympische Zeit soll in vier Jahren kommen. Dafür trainiert sie hart. An der Athletik arbeitet sie in Wiesbaden, das Fahren im Eiskanal übt sie in Oberhof - oder an anderen Orten. Eine Woche nach der DM bestreitet sie Trainingsfahrten in St. Moritz in der Schweiz. Der Weg soll aber nach Italien führen. Cortina 2026. Das ist das Ziel. Harald Joisten

Im Zweier-Bob holte Maureen Zimmer (vorne rechts) vor drei Wochen WM-Silber bei den Juniorinnen, bei denen im Bobsport bis zu 26 Jahre alte Athleten starten dürfen. FOTOs: BSD
Im Zweier-Bob holte Maureen Zimmer (vorne rechts) vor drei Wochen WM-Silber bei den Juniorinnen, bei denen im Bobsport bis zu 26 Jahre alte Athleten starten dürfen. © privat

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