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Eine "Exotin" aus Eschborn

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Von: Harald Joisten

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Hat meist beide Hände am Schläger: Fabienne Gettwart, aktuell Nummer 931 in der Damen-Weltrangliste und Nummer 46 in Deutschland, tritt am Wochenende wieder mit ihrem Team Tennis 65 Eschborn in der Regionalliga an. FOTO: Lorenz
Hat meist beide Hände am Schläger: Fabienne Gettwart, aktuell Nummer 931 in der Damen-Weltrangliste und Nummer 46 in Deutschland, tritt am Wochenende wieder mit ihrem Team Tennis 65 Eschborn in der Regionalliga an. © imago images/Marcel Lorenz

Profi Fabienne Gettwart spielt Vor- und Rückhand beidhändig

Eschborn -Fabienne Gettwart kann durchaus als Ausnahmeerscheinung im Profi-Tennis bezeichnet werden, als eine Art Exotin. Es gibt schließlich nicht viele Spielerinnen, die Vor- und Rückhand beidhändig schlagen. Die 26-Jährige vom Verein Tennis 65 Eschborn tut das, und hat sich mit dieser seltenen Spielweise bis auf den aktuellen Weltranglisten-Platz 931 hochgearbeitet. In der deutschen Damen-Rangliste steht sie auf Position 46. "Es gibt zwei Spielerinnen auf der Tour, die ich kenne, die ebenfalls eine beidhändige Vorhand spielen", meint Fabienne Gettwart.

Bei den Männer hatte es einst Fabrice Santoro geschafft, auf diese Weise in die erweiterte Weltspitze vorzustoßen. Der inzwischen 49 Jahre alte Franzose hatte seine Karriere im Januar 2010 beendet. Etwa zu dieser Zeit begann auch Fabienne Gettwart, sich an diesen Spielstil zu gewöhnen. Anfangs habe sie "normal" gespielt, sprich die Vorhand einhändig. Als die Rechtshänderin dann "zehn oder elf Jahre alt war", begann der Umwandlungsprozess. Ihr damaliger Coach Mike Schiller trainierte zu dieser Zeit auch Korina Perkovic, einst Weltranglisten-339. Und Perkovic spielte Vor- und Rückhand beidhändig. "Dann hat mich Mike Schiller von der einhändigen Vorhand auf die beidhändige umgestellt", erinnert sich Fabienne Gettwart.

Sonntag letztes Heimspiel in Eschborn

Es war anfangs ein zäher Weg. Schließlich hatte sie zuvor rund fünf Jahre lang einhändig gespielt. "Mit der neuen Technik habe ich erstmal alle Spiele verloren." Fast anderthalb Jahre habe es gedauert, "bis ich mich darauf eingestellt hatte". Dann ging es steil bergauf. In Hessen zählt die 26-Jährige aus Dreieich längst zur absoluten Spitze, im vergangenen Winter gewann sie wieder die den Landestitel in der Halle.

Nach ihrem Abitur 2014 war Fabienne Gettwart zunächst auf die Sam Houston State University gewechselt, einem Division I College in Texas, USA. Dort machte sie nicht nur ihren Bachelor in Marketing und Wirtschaftslehre, sondern auch große Fortschritte im Tennis. 2016 schloss sie sich parallel der Mannschaft von Tennis 65 Eschborn an, flog im Sommer für die Medenspiele nach Deutschland. Und seit Juni 2018, als sie endgültig aus den USA zurück in ihre Heimat zog, gehört sie obendrein der Junaided-Academy im Offenbacher TC an. Dort wird sie von Ex-Profi Rameez Junaid trainiert. Um die Fitness kümmert sich Thomas Sax.

In diesen Wochen liegt ihr Fokus auf den Mannschaftsspielen mit Tennis 65 Eschborn. In den ersten drei Spieltagen der Regionalliga Südwest konnten Gettwart und Co. bereits zwei Siege einfahren. Am morgigen Samstag tritt das Team nun beim TV Reutlingen an, tags darauf folgt gegen TC Boehringer Ingelheim bereits das letzte Saison-Heimspiel (jeweils ab 11 Uhr). "Die Liga sollten wir definitiv halten können", meint Gettwart. Sie tritt für Eschborn an Position zwei hinter der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Sarah Gronert an.

Bis Jahresende unter besten 600 in der Welt?

Bereits am 29. Mai, sprich am Sonntag kommender Woche, endet die Saison in der dritthöchsten deutschen Damen-Liga. Danach beginnt für Fabienne Gettwart und ihre Teamkolleginnen wieder die Einzelgänger-Phase. Bei internationalen ITF-Turnieren versucht sie, in der Weltrangliste noch weiter nach oben zu klettern. "Bis Ende des Jahres kann ich mir schon vorstellen, unter die Top 600 zu kommen. In der Vergangenheit ist es ja ganz gut gelaufen", meint die Eschbornerin. Gelegentlich spielt sie die Vorhand sogar auch einhändig. "Ich trainiere das ab und zu." Ob sie ihren Spielstil irgendwann wieder umstellt? "Das ist nicht ausgeschlossen. Die einhändige Vorhand ist für mich nicht begraben." Hauptsache, es geht weiter bergauf. Harald Joisten

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