Eine große Leidenschaft

  • vonAlexander Wolf
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Im vierten Anlauf gelang der 52-Jährigen bei den hessischen Hallenmeisterschaften der Senioren der große Wurf.

Schon seit Jahren spielt die Bad Sodenerin auf höchster Ebene Tennis. Bei den Damen 30 in der Hessenliga sammelte die vierfache Mutter mit spanischen Wurzeln seit dem Aufstieg 2010 mit dem TC BW Bad Soden wertvolle Erfahrungen, mit den Damen 40 stieg sie vergangenen Sommer ebenfalls in die höchste Spielklasse des Landes auf. Nun reichte es für die topgesetzte Bad Sodenerin in der Damen-50-Konkurrenz in der Halle auf der Offenbacher Rosenhöhe endlich auch zum Hessenmeistertitel. „Ich habe bei den Damen 30 und 40 schon öfter mitgespielt und stand schon dreimal im Finale. Die Konkurrenz war aber immer zu stark“, verrät die Spanierin.

Lockerer Auftakt

Gleich drei Spielerinnen vom SC 80 Frankfurt schaltete Solano de Schulze nun auf dem Weg ins Endspiel aus. Heike Buhrke hatte im Achtelfinale beim 1:6, 2:6 keine Chance. Noch schlimmer erwischte es Nicole Saalabian. Sie kassierte mit 0:6, 0:6 die Höchststrafe. Gegen die lauffreudige und geduldige Spielweise der Bad Sodenerin schien im Halbfinale auch Andrea Dustmann zunächst nicht anzukommen. „Das war das schwerste Spiel auf dem Weg zur Meisterschaft“, sagt die spätere Siegerin. Nach einem 6:3 im ersten Satz deutete alles auf einen erneuten Zweisatz-Sieg hin. „Dann war ich aber unkonzentriert und die Gegnerin wurde besser“, analysiert Solano de Schulze die 6:7-Niederlage im zweiten Durchgang. Als die Bad Sonderin ihre Präzision und Geduld wiedergefunden hatte, bekam Gegnerin Dustmann keine Chance mehr. Das 6:3, 6:7 und 6:1 bedeutete den Finaleinzug.

Im Endspiel bekam es Solano de Schulze mit Beatrix Wilken zu tun. Die Nummer zwei der Setzliste aus Bad Vilbel konnte der neuen Hessenmeisterin aber nicht das Wasser reichen, die sich deutlich mit 6:0, 6:2 krönte.

Schönes Gefühl

„Das ist ein schönes Gefühl, dass das so geklappt hat“, freut sich die Spanierin über ihren Titel. „Ich war gut drauf, obwohl ich nicht viel Zeit zum Training in der Wintersaison hatte“. Bei einem Job als Modeberaterin in Wiesbaden und angesichts der Mitarbeit in der familieneigenen Marketing-Firma mutete es wie ein Wunder an, dass die alleinerziehende, vierfache Mutter – Solanos Mann verstarb vor knapp zwei Jahren – überhaupt noch Zeit für ihre große Leidenschaft findet. „Ich habe in Bilbao mit fünf Jahren mit dem Tennisspielen begonnen, über ein Stipendium lange Zeit in den USA gespielt und möchte noch so lange spielen, wie es geht“, erklärt die Hessenmeisterin.

Neben der anstehenden Medenrunde, die Solano de Schulze für Bad Sodens Damen 40- und Damen 30-Team in der Hessenliga bestreiten möchte, hat sich die Doppelspezialistin die Teilnahme am internationalen Senior-Circuit mit weltweiten Turnieren zum Ziel gesetzt. Auch wenn ihre vier Kinder – Sohn Adrian (15) spielt in der Fußball-Jugend des FSV Frankfurt, Tochter Bibiane (16) tritt für die U17 der FFC-Damen gegen den Ball, Nikola (18) ist ebenfalls Fußballer und Natalia (19) geht zum Ballett – regelmäßig zum Training gebracht werden müssen, kündigt Solano de Schulze an: „Wenn die Freiluft-Saison mit sieben oder acht Medenspielen startet, möchte ich zweimal in der Woche trainieren.“

Mit dieser Einstellung stehen Mara Solano de Schulze sowohl als Einzelspielerin als auch als Teammitglied in Bad Soden alle Türen zu weiteren Erfolgen offen. Auch weil die ausdauernde Spanierin in ihrer Laufbahn von Verletzungen weitgehend verschont blieb, kann sie dem Alter meistens ein Schnippchen schlagen und auch gegen jüngere Gegnerinnen mithalten. „Meine Mutter Bibine Belaustegnigoitia, durch die ich zum Tennisspielen kam, ist heute 85 Jahr alt und spielt immer noch“, berichtet die stolze Tochter. Es liegt also auch an den guten Genen. Mit 52 Jahren und dem Titel der Hessenmeisterin bei den Damen 50 im Rücken, ist Mara Solano de Schulze auch in Zukunft noch einiges zuzutrauen.

Ein Duo im Halbfinale

Wie schwer es ist, die Senioren-Hessenmeisterschaft zu gewinnen, zeigt auch ein Blick auf die übrigen Spieler aus dem Main-Taunus-Kreis. Bis auf Solano de Schulzes Vereinskameradin Kirsten Böttger, die in der Damen-40-Konkurrenz immerhin das Halbfinale erreichte, und Günther Kießling von Tennis 65 Eschborn, dem bei den Herren 60 das gleiche gelang, schieden alle Main/Taunus-Vertreter früh aus.

(awo)

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