Fußball

„Es ist eine Selbstverständlichkeit“

Luis Engelhardt ist Mitgründer des Frankfurter Fußballvereins FC Gudesding, in dem er mittlerweile als Ansprechpartner in vielfältigen Funktionen aktiv ist. Der Sport ist ihm wichtig, in gleichem Maße aber auch der Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus, was sich in zahlreichen Aktionen manifestiert.

Für Luis Engelhardt war zuallererst wichtig, dass der FC Gudesding als richtiger Fußballverein akzeptiert wird und in einer Liga mitmischen kann. Dieser Ansicht ist auch Jeron Grünewald, der mit der neugegründeten A-Jugend-Mannschaft ebenfalls in die nächste Saison am geregelten Spielbetrieb teilnimmt. Der sportliche Erfolg steht für beide selbstverständlich im Vordergrund, jedoch bedeutet dieser nicht alles. Die Spieler sollen sich im Verein zu Hause fühlen, aber wichtig ist den beiden wie auch den anderen Vereinsmitgliedern besonders das Engagement neben dem Platz.

Und da gibt vielfältige Aktivitäten und Aktionen. So hat der Verein sieben Flüchtlingen geholfen und sie im Verein integriert. Einigen wurden in Notlagen eine Unterkunft gewährt, anderen Deutsch-Unterricht gegeben, aber vor allem wurde allen das Gefühl vermittelt, dass jemand für sie da ist. Luis Engelhardt: „Es ist eine Selbstverständlichkeit den Menschen in allen Situationen beizustehen.“ Auch außerhalb des Sportbetriebs im Verein, schildert der Lehrer in der jüdischen Lichtigfeld-Schule in Frankfurt, wurde beispielsweise für minderjährige Geflüchtete in Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Roten Kreuz Fußballtraining angeboten.

Ebenso selbstverständlich wie das „Kümmern“ um Menschen ist für den Clubverantwortlichen auch, dass der Verein antisemitisches, rassistisches und fremdenfeindliches Verhalten nicht duldet. Als Reaktion auf die antisemitischen Schmierereien auf dem Sportgelände im Ostpark im Jahr 2016 inszenierte der FC Gudesding einen „Spieltag gegen Rechtsextremismus“ und erfuhr dabei eine große Unterstützung durch die Frankfurter Vereine.

Im Rahmen der Initiative „Kein Raum für Missbrauch“ des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung tragen die Spieler im übrigen als erster Fußballverein Deutschlands das Symbol der Initiative, ein weißes X, auf ihren Trikots, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Aufgrund seiner Haltung gegen Judenfeindlichkeit steht der Verein FC Gudesding auch in guter Beziehung mit dem Frankfurter jüdischen Club TuS Makkabi. Luis Engelhardt spielte dort in seiner Jugend zehn Jahre und musste einige schlechte Erfahrungen machen. Auch Jeron Grünewald hat indirekt Erfahrungen mit antisemitischen Anfeindungen sammeln müssen. Ein guter Freund wurde sogar vom Trainer ausgeschlossen. Da stellt sich schon die Frage, inwieweit antisemitisches Verhalten auf und um den Sportplatz herum und auch im allgemeinen in Frankfurt in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Aufgrund seiner Erfahrungen findet Luis Engelhardt, dass sich im Bereich Fußball im Laufe der Jahre nicht viel verändert habe. „Sondern es ist ein bestehendes Problem, welches immer mal wieder aufkommt.“

Eine wachsende Radikalisierung, aber auch Sensibilisierung der Menschen im Raum Frankfurt vermag er zu erkennen, doch sieht er das Problem darin, dass viele heutzutage häufiger eine Plattform für ihre judenfeindlichen Parolen bekämen. „Alleine trauen sie sich weniger, sich antisemitisch zu äußern, als in einer Mehrzahl.“

Der 27-Jährige will das Ganze nicht an irgendwelchen politischen Ereignissen festmachen, findet aber, dass rechtspopulistische Plattformen wachsen und die Menschen für rechtspopulistische Ideen empfänglicher werden.

Sowohl Luis Engelhardt wie auch Jeron Grünewald fordern allgemein mehr Engagement von der Gesellschaft zu diesem Thema und sehen ihren Verein als eine Möglichkeit, sich entsprechend einzubringen.

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