+
Augen zu und durch, heißt es für die Eisbachtaler um Marvin Kleinmann (links) in den restlichen Spielen der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, um die Herkules-Aufgabe Klassenerhalt doch noch bewerkstelligen zu können.

Winterpause im NNP-Fußball-Land

"Eisbären" auf der Achterbahnfahrt der Emotionen

FUSSBALL-OBERLIGA RHEINLAND-PFALZ/SAAR Tabellenschlusslicht Eisbachtal hat sich längst nicht aufgegebenim NNP-Land

Winterpause im NNP-Fußball-Land. Das ist die Gelegenheit, die Spielklassen von der Oberliga abwärts bis zu den Kreisligen C Limburg-Weilburg etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Heute blicken wir hinter die Kulissen der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar.

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle - so lässt sich die Rückkehr der Eisbachtaler Sportfreunde in der Oberliga bisher wohl am besten beschreiben. Mit Vollgas und Euphorie gestartet, ging es für die Westerwälder mit acht Niederlagen in Serie ganz schnell steil bergab ans Tabellenende, ehe zuletzt wieder eine wenigstens leicht ansteigende Form auf dem Feld zu erkennen war. Dass die Eisbachtaler nach acht Jahren Oberliga-Abstinenz als aktuelles Schlusslicht prompt wieder um den Abstieg mitspielen, hat vielfältige Gründe. "Wir haben vor der Saison viel Qualität auf dem Platz verloren", nennt Trainer Marco Reifenscheidt einen Grund für die prekäre Situation des Traditionsvereins. Mit den Abgängen von Maximilian Hannappel (berufsbedingt in die Bayernliga zum TSV Schwabmünchen, derzeit Kreuzbandriss) und Jannik Ernet (Auszeit) fehlt es am Mittelfeld, das maßgeblich mit zum Aufstieg beigetragen hat. Zudem ist bei Kapitän Max Olbrich nach einem Anfang Mai erlittenen schweren Knorpelschaden im Sprunggelenk auf ungewisse Zeit nicht an eine Rückkehr auf den Platz zu denken. Alle drei Spieler vermochten die Verantwortlichen durch unterklassige Neuzugänge oder Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen nicht adäquat zu ersetzen. So fehlten der in der Aufstiegssaison in der Rheinlandliga so überragenden Offensive um Steffen Meuer, Lukas Reitz und Robin Stahlhofen häufig die Vorlagengeber, oder die Stürmer agierten zu glücklos.

Aber vor allem die Defensive ist das Sorgenkind: 46 Gegentore in 19 Spielen sind unrühmlicher Liga-Spitzenwert. Vor allem über die Außenbahnen haben die Sportfreunde viele vermeidbare Gegentreffer kassiert. Ein weiteres Problem: die ehemalige "Festung Eisbachtalstadion" ist zum Selbstbedienungsladen für die Gegner geworden. "Wir haben definitiv zu wenig zu Hause geholt", weiß auch Marco Reifenscheidt, dass ein Sieg gegen Engers und ein Remis gegen Worms bei gleichzeitig acht Heimniederlagen einfach zu wenig ist, um die Liga zu halten und neue Zuschauer ins Eisbachtalstadion zu locken. Die Auswärtsbilanz sieht zumindest ein stückweit besser aus mit Siegen in Mechtersheim, Bingen und Worms.

Zudem haben die Westerwälder immer wieder personelle Rückschläge zu verkraften: Neben der Verletzung von Mittelfeldstratege Max Olbrich fallen auch die beiden Neuzugänge Lukas Tuchscherer und Deyan Manchev sowie der immer emsige Eito Nakai seit Wochen verletzt aus. Zudem stand Defensivmann Masaya Omotezako mehr als zwei Monate wegen eines Innenbandrisses im Knöchel nicht zur Verfügung.

Die Leistungen vor der Winterpause geben den Verantwortlichen und Fans der Eisbachtaler allerdings Hoffnung, dass vielleicht doch noch die Kehrtwende gelingt und der Klassenerhalt realisiert werden kann. "Wir werden nicht alles auf einen Neustart ausrichten. Wir haben auch vieles gut gemacht in der Hinrunde", sagt der Trainer, dessen Mannschaft zuletzt gefestigter wirkte. Hoffnung für die ausstehenden Spiele gibt beispielsweise David Quandel. Der vom Bezirksligisten SG Hoher Westerwald nach Nentershausen gewechselte Torjäger kam zu Beginn der Runde überhaupt nicht mit dem Sprung in die zwei Klassen höhere Oberliga zurecht. Mittlerweile hat er sich reingekämpft und bereits wichtige Tore für die "Eisbären" erzielt. Hoffnung verbreiteten auch zwei kurzfristige Neuzugänge: Der groß gewachsene Altin Vrella stabilisierte die Innenverteidigung, während Rückkehrer Julius Duchscherer in der Offensive Akzente setzte.

Winter-Neuzugänge nicht ausgeschlossen

Weitere Neuzugänge in der Winterpause sind nicht ausgeschlossen. "Wir halten natürlich die Augen offen. Wenn man hinten drinsteht, ist klar, dass man nicht alles richtig gemacht hat. Wenn man im Winter eine Verstärkung bekommen kann, muss man auch zugreifen. Wir werden aber keine Panikkäufe machen", sagt Reifenscheidt, der auf den Verbleib von Torjäger Steffen Meuer hofft, der zuletzt ein Probetraining bei der Bundesliga-Reserve des 1. FC Köln absolvierte. Der 20-jährige Großholbacher ist derzeit mit sieben Treffern bester Torschütze der Sportfreunde und wäre für den Klassenerhalt von immenser Bedeutung. Um sicher in der Oberliga bleiben zu können, bräuchte es für den aktuellen Achtzehnten am Ende Platz 13, der derzeit neun Punkte entfernt ist. Doch Marco Reifenscheidt hat dieses Ziel noch nicht aus den Augen verloren und gibt sich kampfeslustig: "Wer uns jetzt schon abschreibt, der wird sein blaues Wunder erleben."

Auch im Rheinlandpokal-Wettbewerbe wollen die Eisbachtaler im dritten Anlauf endlich den Sprung ins Finale und vielleicht sogar in den DFB-Pokal schaffen: Am 18. März steht das Halbfinale und Kreisderby bei Liga-Konkurrent FV Engers an. 

Die Torjäger der Liga:

1. Jan Dahlke (VfR Wormatia Worms) Julian Scharfenberger (Dudenhofen) 17

3. Enrico Köppen (FC BW Karbach) 14

4. Ruddy Mpassi (FC Hertha Wiesbach) Janek Ripplinger (TSV Schott Mainz) 13

6. Sebastian Kaster (TSG Pfeddersheim) 12

7. Mohamed Morabet (1. FC Kaiserslaut.) 11

8. Marvin Wollbold (SV Elversberg 2) Halil Ibrahim Yilmaz (SV Gonsenheim) 10

10. Dennis Merten (SV Gonsenheim) Kevin Saks (SV Röchl. Völklingen)

Edis Sinanovic (SV Eintracht Trier) Nico Zimmermann (SV Röchl. Völklingen) 9

14. Raphael Assibey-Mensah (Schott Mainz) Adrian Knop (TuS Koblenz) Fabian Poß (FV Diefflen) Paul Stock (FV Dudenhofen) 8

18. Amodou Abdullei (TuS Koblenz) Kai Merk (SV Elversberg 2) Steffen Meuer (SF Eisbachtal) Jonas Singer (1. FC Kaiserslautern U21) 7

22. Luigi Canizzo (SV Gonsenheim) Giorgio Del Vecchio (TSV Schott Mainz) Filimon Gerezgiher (Wormatia Worms) Shuntaro Kawabe (TSG Pfeddersheim) 6

26. Khaled Abou Daya (SV Gonsenheim) Tobias Bräuner (TSG Pfeddersheim) Gibriel Darkaoui (SV Elversberg 2)

Michael Fritsch (FV Diefflen) Marcel Jung (FC Hertha Wiesbach) Jonathan Kap (FV Engers) Christopher Ludwig (TSG Pfeddersheim) Lukas Reitz (SF Eisbachtal) Fabian Scheffer (SV Röchl. Völklingen) Michael Stahl (TuS Koblenz) Nico Wiltz (FC Hertha Wiesbach) 5

Oberliga Rheinl.-Pfalz/Saar

1. (1) Schott Mainz 19 11 5 3 45:18 38

2. (2) 1. FC Kaisersl. 2 19 11 4 4 43:21 37

3. (3) SV Eintr. Trier 19 11 3 5 32:19 36

4. (4) SV Elversberg 2 19 10 4 5 42:35 34

5. (5) Worm. Worms 19 10 3 6 40:30 33

6. (6) TuS Koblenz 19 10 3 6 29:21 33

7. (7) SV Gonsenheim 19 8 7 4 43:33 31

8. (8) FV Dudenhofen 19 9 4 6 39:30 31

9. (9) FV Diefflen 19 8 4 7 35:28 28

10. (10) Pfeddersheim 19 9 0 10 43:41 27

11. (11) SV Völklingen 19 8 1 10 36:42 25

12. (12) FC Wiesbach 19 7 3 9 34:44 24

13. (13) FV Engers 07 18 6 4 8 25:29 22

14. (14) FC Ludwigshafen 19 6 3 10 18:32 21

15. (15) FC Karbach 19 6 2 11 28:45 20

16. (16) Hassia Bingen 19 4 3 12 20:45 15

17. (17) Mechtersheim 18 4 2 12 18:33 14

18. (18) SF Eisbachtal 19 4 1 14 22:46 13

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare