+
Kämpft zukünftig für das "Golden Boxing Gym" Wiesbaden: die 15 Jahre alte Mei-Li Folk aus Elz.

Serie: Supertalente aus dem NNP-Land

Die eiserne Disziplin der Mei-Li Folk

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie "Supertalente aus dem NNP-Land" blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit Boxerin Mei-Li Folk aus Elz.

27 Kämpfe und immer noch ist sie ungeschlagen: Mei-Li Folk hat in ihren jungen Jahren schon zahlreiche Erfolge gefeiert. Ihren ersten großen Titel sicherte sich die gerade 15-Jährige 2018 in Rostock. Bei den Kadetten der U15 hatte sie in der Papier-Gewichtsklasse bis 42 Kilogramm den Titel der Deutschen Meisterin gewonnen, den sie im Mai des vergangenen Jahres im brandenburgischen Lindow sogar verteidigte. Einen Monat später krönte sie sich außerdem zur Hessenmeisterin in der Klasse bis 48 Kilogramm.

Vereinswechsel als nächster Schritt

Dass die Elzerin nun kürzlich vom Boxring Condor Limburg nach Wiesbaden ins "Golden Boxing Gym" wechselte, sei die Konsequenz aus dem großen Erfolg und der nächste Schritt in der Entwicklung des Boxtalents, um das Training auf die nächsthöhere Stufe zu hieven. Im Normalfall und sobald es die Situation rund um das Coronavirus wieder zulässt, trainiert Folk daher viermal in der Woche je zwei bis zweieinhalb Stunden in Wiesbaden bei Erfolgscoach Rachid El Bakri. "Da machen wir viel Sparring, einmal in der Woche auch boxspezifisches Krafttraining", so Mei-Li Folk. "Das heißt, wir arbeiten viel mit Medizinbällen, machen Hoch- und Weitsprungtraining, um die Kraft aus den Beinen heraus zu verbessern." 

Hinzu kommt eine Einheit bei Giuseppe Petronio im Boxring Condor Limburg, am Wochenende absolviert sie obendrein mit ihrem Vater Dr. Christian Folk, der ebenfalls auf eine Kampfsport-Laufbahn zurückblickt und als weiterer Trainer fungiert, noch einige zusätzliche Einheiten. "Samstags gehen wir laufen und sonntags machen wir Techniktraining. Sparring ist zu Hause ja nicht möglich", berichtet die Schülerin der Limburger Tilemannschule. In die Quere kommen sich die drei Coaches dabei nicht. "Sie arbeiten und betreuen zusammen, tauschen sich aus und ergänzen sich gut", erklärt Mutter Vanessa Folk die Trainingshandhabe.

Petronio: "Im Ring eine andere Mei-Li"

Bereits seit fünf Jahren boxt die Elzerin nun. "Ich habe immer mal bei meinem Vater mittrainiert und kam so zu dem Sport", sagt sie. Richtig angefangen hat sie dann bei Giuseppe Petronio im Boxring Condor. "Mei-Li ist ein echtes Ausnahmetalent. Gerade in Sachen Beweglichkeit und Koordination war sie schon von klein auf sehr stark", sagt der 1. Vorsitzende des Limburger Clubs, der ihr noch einiges zutraut. "Ich bin sicher, sie könnte in ihrer Gewichts- und Altersklasse auch bei den Jungs deutsche Meisterin werden. Sie ist so fokussiert, wenn sie in den Ring steigt, ist sie eine andere Mei-Li", erinnert sich der 46-Jährige an ihren ersten Auftritt mit dem deutschen Nationalteam beim Länderkampf gegen Irland im thüringischen Saalfeld Anfang Oktober 2019. "Sie hat die besten irischen Boxerinnen beherrscht und wie Anfängerinnen aussehen lassen."

Eine der größten Herausforderungen der Teenagerin ist dabei die Ernährung und damit verbunden die Disziplin. "Wenn ich nicht jeden Tag trainiere, ist es schwer das Gewicht zu halten", sagt sie selbst. Gerade in den Wochen vor Wettkämpfen gehe es darum, das Körpergewicht zu reduzieren, natürlich ohne Muskelmasse abzubauen, um in ihrer Gewichtsklasse startberechtigt zu sein. Dafür stehen vor allem hochwertige Kohlenhydrate und Proteine auf dem Speiseplan, der aus drei Hauptmahlzeiten besteht. "Zwischendrin gibt es aber auch mal einen Joghurt mit Früchten", so Mei-Li Folk. "Ja, Mei-Li isst gerne", sagt Mama Vanessa mit einem Lächeln. "Früher musste sie vor Wettkämpfen eher etwas draufpacken, heute wird vorher abgespeckt." Für die Einhaltung des Ernährungsplans sorgt Papa Dr. Christian Folk.

Der Facharzt für Allgemeinmedizin, der in Limburg-Blumenrod praktiziert, begleitet Mei-Li immer zu ihren Kämpfen. "Gerade bei Wettkämpfen die weiter weg sind und bei denen auswärts übernachtet wird ist mein Mann mit dabei", sagt die Mutter, die trotz jahrelanger Erfahrung, bei den Kämpfen ihrer Tochter noch immer kaum zusehen kann. "Natürlich macht man sich auch Sorgen, das hört nie auf. Als Mama fiebert man da ganz schön mit", berichtet sie von ihren Erlebnissen. "Oft saß ich schon zitternd am Ring. Der Papa ist da gelassener." 

Noch schwerer sei es für sie aber, wenn sie selbst nicht vor Ort sein kann. "Bei den großen Veranstaltungen wie Deutschen Meisterschaften werden die Kämpfe aber oft live im Internet übertragen." Dann fiebert sie gemeinsam mit Mei-Lis jüngeren Geschwistern Damien (9) und Shari (12), die beide schon gelegentlich mittrainieren, vor dem Computer mit. Wenn es die Austragungsorte der Wettkämpfe zulassen, befindet sich auch gerne mal die ganze Familie unter den Zuschauern und feuert Mei-Li an. "Ansonsten genießen wir die Ruhe zu Hause, wenn die große Schwester und der Papa unterwegs sind", witzelt die Mutter.

Das Ziel: Die EM in Georgien

Für Mei-Li Folk war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2018 in Rostock der bisherige Höhepunkt ihrer Box-Laufbahn. "Das war mein tollstes Erlebnis." Ein Erfolg, den sie in diesem Jahr gerne wiederholen möchte. Es wäre bereits ihr dritter DM-Titel. Ob sie die Chance dazu bekommt und ob die Meisterschaften überhaupt ausgetragen werden, ist angesichts der Lage um die Corona-Pandemie aktuell noch unklar. Vorerst hat auch der deutsche Boxsport-Verband alle Großveranstaltungen auf Eis gelegt. Selbiges gilt auch für ein weiteres Ziel in diesem Jahr, die Teilnahme an den Europameisterschaften in Georgien.

Die Tatsache, dass sie in dieser Saison erstmals bei den Juniorinnen der U17 an den Start geht, bereitet ihr dabei aber keine Sorgen. "Die Gegner sind natürlich älter und haben mehr Erfahrung, aber dadurch, dass es auch auf das Gewicht ankommt, ist der Unterschied nicht so groß", zeigt sich Mei-Li Folk selbstbewusst. "Man kennt sich ja untereinander und kämpft oft gegen die gleichen Gegner." YANNICK WENIG

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare