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Emma Bernhard: Mindestens mutig

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Von: Thorsten Remsperger

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Keine Wand ist ihr zu steil: Emma Bernhard beim Klettern in der Fränkischen Schweiz.
Keine Wand ist ihr zu steil: Emma Bernhard beim Klettern in der Fränkischen Schweiz. © privat

Emma Bernhard zählt zu den größten Klettertalenten der Republik. Gerne probiert sie sich auch an Felsen in der Natur. Erfolge peilt die Oberstedtenerin nun wieder in der Halle an. Am liebsten international.

Oberstedten -Wenn es um kletternde Menschen gehen soll, kramt das im Hirn spektakuläre Bilder hervor. Atemberaubend war die Anfangssequenz des Films "Mission Impossible 2", als Ethan Hunt sich beim Klettern im Dead Horse Point State Park in Utah von seinem Geheimagenten-Dasein "erholte". Tom Cruise ist an roten Felsklippen zu sehen, natürlich ohne Sicherung, teilweise nur an einer Hand hängend. Lebensmüde war der Mann nicht, in Hollywood werden Stuntmen und allerlei Computer-Tricks eingesetzt.

Mindestens mutig muss man aber schon sein, wenn man das Sportklettern als Leistungssport betreibt. Das Training und die Wettkämpfe finden zwar für gewöhnlich an weniger spektakulären Orten wie Kletterhallen statt. Es wird angeseilt eine definierte Route in einer vorgegebenen Zeit möglichst durchgeklettert (Disziplin: Lead-Klettern), eine Strecke über bis zu zwölf Griffe ohne Sicherung in Absprunghöhe bewältigt (Bouldern) oder eine vertikale Wand schnellstmöglich und angeseilt hochgeklettert (Speed). Alle drei Disziplinen beherrscht Emma Bernhard, die am Wochenende in Kelkheim bei den hessischen Meisterschaften im Bouldern ihren ersten Wettkampf des Jahres bestreitet.

Seit sie vier Jahre alt ist, geht die Oberstedtenerin klettern. Erst mit ihrer Mutter und ihrem Vater, später auch mit ihrem jüngeren Bruder, dann alleine - und das sehr erfolgreich, was der 19-Jährigen den Status einer Nationalkaderathletin einbrachte. Den zehnten Rang beim Jugend-Europa-Cup in Augsburg - das war im bereits von Corona beeinflussten September 2020 - bezeichnet sie als ihren bis dato größten Erfolg.

Urlaub im Eldorado für Kletterer

Einen besonderen Reiz übt für Emma Bernhard das Klettern in der Natur aus, da geht es ihr nicht anders wie den damaligen Filmproduzenten um Tom Cruise. In der Fränkischen Schweiz hatte sie in Corona-Zeiten schon einen Kletterurlaub absolviert, und im vergangenen Sommer hing sie an den Felsen oberhalb von Kyparissi. Das Eldorado für Sportkletterer befindet sich an der Ostküste der griechischen Peloponnes, man hat beim Bezwingen der Routen einen herrlichen Blick aufs Mittelmeer, wenn man das denn möchte. Hier schaffte es Emma Bernhard, auch dort angeleitet von ihrem langjährigen Trainer Marvin Winkler, eine 8a beziehungsweise eine 9+/10- zurückzulegen. Sowohl nach der französischen Skala als auch der mitteleuropäischen UIAA-Skala (Union Internationale des Associations d'Alpinisme) ist das einer der höchsten Schwierigkeitsgrade. "Das hat viel Spaß gemacht, ich habe dafür sechs Versuche an drei Tagen gebraucht", erzählt Emma Bernhard, die den Urlaub mit Kletterfreunden verbrachte und zu diesem Zeitpunkt wieder Wettkampfpläne schmiedete.

Nach der erfolgreichen Saison 2020 hatte sich die junge Frau aus dem Taunus zunächst auf ihre Abiturprüfungen konzentriert. Dann kam der Urlaub und dann das Malheur: mehrfacher Bänderriss am Knöchel. Ein ärgerlicher Trainingsunfall war das im August. Unter ihr dachte ein Mann, der da nicht hätte sein dürfen, er könne sie auffangen, als sie sich an einem Griff nicht hatte halten können.

Emma Bernhard fing bald schon wieder an, auch wenn sie nur einen Fuß belasten durfte. Inzwischen befindet sie sich seit Monaten wieder voll im Training. Fünfmal ist sie pro Woche im Einsatz. Öfters in der Kletter-Bar in Offenbach, wo sie auch als Trainerin jobbt. Neulich fuhr sie aber auch mal nach Hannover, um an einem Probewettkampf der Nationalkaderathleten teilzunehmen.

Ihr Ziel: Internationale Wettkämpfe

Nach Rang zwei in der Jugendklasse, zu der Emma Bernhard in dieser Saison letztmalig zählt, wähnt sie sich auf einem guten Weg. Die hessischen Meisterschaften im Bouldern sind für sie eine weitere Zwischenstation. Denn auf das Lead-Klettern möchte sie sich spezialisieren. "Mein Ziel sind internationale Wettkämpfe", sagt sie. Der erste Nominierungswettkampf ist im März. Geklettert wird in Hallen. Es kann nicht immer Griechenland sein. Aber spektakulär wird's allemal.

Hessenmeisterschaften im Bouldern am Wochenende in Kelkheim

Im Kelkheimer Sportpark geht es am Wochenende für Sportkletterer um hessische Titelehren. Die Sektion Frankfurt des Deutschen Alpenvereins richtet dort für die Altersklassen ab dem Jahrgang 2012 bis zu den Damen und Herren (ab Jahrgang 2006) die Hessenmeisterschaften im Bouldern aus. Das heißt, es wird ohne Seil geklettert. Immer auf Absprunghöhe gilt es, verschiedene Parcours zu bewältigen. Die besten sechs Teilnehmer aus der jeweiligen Qualifikationsrunde erreichen das Finale. Die Wettkämpfe beginnen am Samstag um 10 Uhr und am Sonntag um 9.30 Uhr. Sie unterliegen strengen Corona-Regeln. Zuschauer sind im Kelkheimer Sportpark nicht zugelassen.

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