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Am Abend ihres letzten gemeinsamen Tanzes: die Ex-Vize-Weltmeister Natascha und Sascha Karabey.

Emotionen um Mitternacht

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Die begeisterten Tanzsportfans werden in Bad Homburg erst Zeuge zweier fulminanter Wettbewerbe und harren dann noch gerne bis zum eigentlichen Höhepunkt aus.

„Wir lassen es beim Jubiläumsturnier krachen“, hatte Sascha Karabey in seiner neuen Rolle als Turnierleiter des internationalen Bad Homburger Tanzturniers angekündigt. Und der einstige Weltklasse-Tänzer behielt Recht. Es war eines der besten und emotionalsten Turniere in der Geschichte der Veranstaltung des TC „Der Frankfurter Kreis“ und der Tanzschule Karabey

Mehr als zwei Dutzend Weltmeister stehen bereits in der Siegerliste des stets hochkarätig besetzten Turniers im Bad Homburger Kurhaus. Die 30. Auflage am Samstag wird da wahrscheinlich keine Ausnahme bilden. Zwar haben Dusan Dragovic/Greta Laurinaityte die Weltmeisterschaft noch nicht gewonnen, doch in den Fachkreisen werden sie als heiße Anwärter auf den Titel gehandelt.

Bei ihrem Triumph beim „Großen Preis von Europa“ haben die Standard-Sieger jedenfalls ihr Können eindrucksvoll demonstriert. Ihre Ausstrahlung, ihre tolle Technik und ihr Temperament, vor allem beim Tango und Quickstep, brachten dem für England startenden Duo in allen fünf Tänzen verdient den ersten Platz. Er ist Serbe, sie Litauerin, beide leben in Dubai. Und dennoch tanzen sie für England. Das wiederum ist für den Tanzsport keine Seltenheit. Beim Bad Homburger Turnier starteten fast die Hälfte der Teilnehmer unter „fremder Flagge“. Mal ist es der Wohnsitz, dann wiederum das Herkunftsland des Tanzpartners. Die aus Petersburg stammende Russin Alexandra Averkina – auf dem Parkett ein Wirbelwind – gewann mit dem Slowenen Klemen Prasnika den „Großen Preis der Spielbank Bad Homburg“ in den lateinamerikanischen Tänzen – für Slowenien. Das mit einem sehr individuellen Stil tanzende Paar sorgte besonders zu den heißen Rhythmen des Jive, Cha-Cha-Cha und Paso doble für Beifallstürme. Die Zuschauer wurden mit tollen Darbietungen zu Klängen des Linzer „pt art Orchesters“ verwöhnt. Und die Tänzer legten sich gerne ins Zeug.

„Bei Meisterschaften oder Ranglistenturnieren tanzen wir nur ergebnisorientiert, bei einem Einladungsturnier wie hier vor allem fürs Publikum“, sagte Eva Minarikova. Obwohl die durch eine Krankheit der Pragerin geschwächten Vorjahresdritten das Finale verpassten, waren sie begeistert: „Wir tanzen am liebsten in Deutschland. Wegen des sachkundigen Publikums. Eine so festliche Atmosphäre wie in Bad Homburg mit Zuschauern, die in den Pausen selbst alle gekonnt das Tanzbein schwingen, erlebt man weltweit nur selten“, ergänzte ihr Partner Vladimir Krejci.

Dass Publikumslieblinge nicht immer Sieger sind, wurde im Kurhaus erneut deutlich. In der Standard-Sektion fanden den größten Anklang die Lokalmatadoren Timo Henkes/Jennifer Kegelmann. „Wir waren viel besser als 2014. Das Publikum war sensationell, die Unterstützung einmalig“, so Henkes. Kein Wunder: Schließlich wurden die meisten Besucher in die Geheimnisse des Tanzens in der Tanzschule Karabey irgendwann eben von Timo Henkes eingeweiht.

Bei den „Lateinern“ begeisterten das Publikum vor allem die Fünftplatzierten Sean Meyer/Savannah Estaves. Nicht weil das südafrikanische Paar mit 9100 Kilometern die weiteste Anreise hatte, sondern wegen der geschmeidigen Bewegungen der dunklen „Wildkatze in Weiß“, vor allem beim Samba.

„Was ist schon Rio gegen uns“, kommentierte Sascha Karabey überschwänglich, der in seiner neuen Funktion als Turnierleiter nicht nur für einen flotten Ablauf, sondern auch für viel Stimmung sorgte. Auch für den emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung zeichnete der bald 37-Jährige (mit)verantwortlich. Nachdem die Fachjury um den zweimaligen Weltmeister Andrew Sinkinson – 1988 übrigens erster Standard-Gewinner dieses Turniers – ihre Wertung abgegeben und die Sieger und Platzierten ihre Trophäen erhalten hatten, wurden Sascha und Natascha Karabey, Vize-Weltmeister von 2005, als Tänzer verabschiedet. 15 Deutsche Meisterschaften hatte das Bad Homburger Geschwisterpaar in ihrer 25 Jahre andauernden Karriere gewonnen. Natascha (34) wird nun mit ihrem Freund Domen Krapez tanzen, Sascha beendete seine Karriere.

Kurz nach Mitternacht tanzten Sascha und Natascha zum letzten Mal vor einem Publikum gemeinsam. Und so viel Eleganz und Grazie, so viele Gefühle wie die Karabeys hatte vorher keines der Paare übermittelt. Die Folge: lang anhaltende Standing Ovations. „Ich möchte, dass wir nicht nur meine Karriere feiern, sondern das Tanzen allgemein“, sagte Sascha Karabey sichtlich bewegt. Bei seiner Dankesrede an seine Eltern, Schwester und Fans versagte ihm die Stimme.

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