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Rasantes Laufduell in farbenfroher Umgebung: Jonathan Röser (Teutonia Köppern, rechts) möchte David Prochatzki (SV Seulberg) abhängen.

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Am Ende setzt sich Köpperns Klasse durch

Fußball Der SV Seulberg hält im Friedrichsdorfer Derby mit dem letzten Aufgebot lange dagegen, kassiert aber noch eine 0:4-Niederlageder WocheLetztlich gewinnt Teutonia Köppern deutlich das Stadtderby der Kreisoberliga. Underdog SV Seulberg gestaltet das "Spiel der Woche" lange ausgeglichen.

Wer weiß, wie das Duell der beiden Friedrichsdorfer Stadtteilclubs ausgegangen wäre, wenn die erste Halbzeit nur ein Minütchen früher abgepfiffen worden wäre. Als die Teutonen aus Köppern nämlich in der 44. Minute durch Carsten Hofmann mit 1:0 in Führung gingen, da kam der Treffer des Favoriten eher überraschend. Bis zu diesem Zeitpunkt und auch noch mindestens eine Viertelstunde in der zweiten Hälfte agierten die Hausherren des SV Seulberg nicht wie der klare Außenseiter.

Die Mannschaft schien sich die deutlichen Worte ihres Trainers im Vorfeld der Partie zu Herzen genommen zu haben. Mangelnde Mentalität hatte Uwe Gronau seiner Elf im Spiel gegen den FC Neu-Anspach II (0:4) vorgeworfen. Diesmal konnten sich seine Spieler in Sachen Einstellung nichts vorwerfen lassen, denn sie traten von Beginn an mutig auf - auch wenn das Ergebnis am Ende das Gleiche war.

Für seine jahrzehntelangen Verdienste um den SV Seulberg erhält Zivan Karamatic (Mitte) ein Geschenk von Carola Schröder (2. Vorsitzende) und Riccardo Brückner (Kassenwart). Karamatic ist jetzt Ehrenmitglied.

Statt sich am eigenen Strafraum einzuigeln und die Bälle aus der Gefahrenzone zu schlagen, kombinierte Seulberg n sich ein ums andere Mal aus der eigenen Hälfte. Zudem gewährte man den favorisierten Gästen 43 Minuten lang keine Großchancen. Seulbergs Eyüp Akan nahm dabei eine zentrale Rolle ein. Der gelernte Flügelspieler trat an der Seite von Ibrahim Izaar als Innenverteidiger auf, bildete mit dem SVS-Kapitän ein aufmerksames wie zweikampfstarkes Duo und kümmerte sich zudem als tiefstehender Spielmacher um den Aufbau. Generell leistete sich der Gastgeber in der Defensive kaum Schnitzer, allerdings kam man am anderen Ende des Kunstrasens zu keinerlei nennenswerten Chancen. Max Hoyer, der eigentlich aufgrund eines vor zwei Jahren erlittenen Mittelfußbruchs kürzertreten muss, sprang aufgrund akuter Personalsorgen als Stoßstürmer ein, bekam aber kaum verwertbare Bälle. So beschränkte er sich gezwungenermaßen auf die Rolle des vordersten Verteidigers und lautstarken Einpeitschers der jungen Mitspieler, die teilweise aus der 2. Mannschaft oder gar der A-Jugend stammen. "Läuferisch waren die Jungs heute schon deutlich besser als zuletzt", so das Fazit des 26-jährigen Stand-by-Spielers.

Mit einem Heißgetränk in der Hand lässt es sich gut fachsimpeln: Fußball-Anhänger in Seulberg.

Doch wie eingangs erwähnt kam Köppern trotzdem zum 1:0. Luka Milic wurde freistehend am Sechzehner zwar noch im letzten Moment gestört, doch der zweite Ball gehörte weiterhin der Teutonia und fand letztlich seinen Weg in die Mitte zu Hofmann, der überlegt ins rechte Eck einschob (44.).

"Nach dem 0:1 war es dann schwer, da fehlt uns vorne die Durchschlagskraft", gestand Gronau. Dabei ließen seine Spieler die Köpfe nicht hängen, bemühten sich weiter, doch das gegnerische Tor blieb ungefährdet. Einzige Ausnahme bildete ein Freistoß von Dominik Nürnberger aus rund 18 Metern, den Gästeschlussmann Felix Schirmer stark aus dem Winkel fischte (86.).

Interview mit Uwe Gronau:

Als dann zum Ende hin die Kräfte bei Seulberg nachließen, spielte Köppern seine Klasse aus. Dem Treffer aus kurzer Distanz zum 2:0 durch Hofmann (72.) ging eine schöne Kombination zwischen Kevin Hillner und Marcel Kötter voraus. Das 3:0 durch den Ex-Seulberger Tim Junghahn (79.) leitete Dennis Milic mit einem Ballgewinn an der Mittellinie und einem klugen Pass in die Tiefe ein. Und beim 4:0 nach Eckstoß setzte sich der zehn Sekunden zuvor eingewechselte Florian Jockel per Kopf durch (83.).

Trotz des noch deutlichen Ergebnisses konnte Uwe Gronau nicht gänzlich unzufrieden sein mit dem letzten Spiel des Jahres. "Die erste Halbzeit hat Hoffnung gemacht", so der SV-Coach, "wir hoffen jetzt auf eine gute Rückrunde."

SV Seulberg: Voigt - D. Prochatzki, Akan, Izaar, Köhne - Digale (52. Martic), Hintzmann, O. Nürnberger (67. Marx), S. Prochatzki (80. D. Slawinski), D. Nürnberger - Hoyer.

Teutonia Köppern: Schirmer - Odekerken, C. Röser, J. Röser - Bauss, D. Milic, Hofmann - Kötter, Junghahn (82. Jockel), Hillner - L. Milic (82. P. Slawinski).

Tore: 0:1/0:2 Hofmann (44., 72.), 0:3 Junghahn (79.), 0:4 Jockel (83.).

Torchancen: 1:5. - Eckbälle: 3:4. - Zuschauer: 100. - Gelbe Karten: Izaar, D. Prochatzki.

Beste Spieler: Akan, Hintzmann, D. Nürnberger/Kötter, Hillner, Hofmann.

Spielnote: 4+. Beide Teams legten ein hohes Laufpensum und große Zweikampfbereitschaft an den Tag, doch lange Zeit mangelte es an Strafraumszenen. Schiedsrichter: Meiko Becker (Büdingen). Note: 1. Tadellose Leistung des Referees in einem von den Spielern außergewöhnlich fair geführten Derby.

Interview mit Alexander Fievet:

Fievet: "Wir wollen so lange wie möglich für Spannung sorgen"

Es schien fast so, als wäre es Alexander Fievet nach dem Derby unangenehm, über die vier kurzfristigen Ausfälle in seinem Team zu sprechen. "Ich weiß, dass Seulberg schon die ganze Runde mit Verletzungspech zu kämpfen hat", erklärte der Coach von Teutonia Köppern. Dem couragierten Auftritt der gebeutelten Gastgeber zollte er daher großen Respekt. "Ich hoffe, dass sie in der Klasse bleiben und dass das Verletzungspech ein bisschen weniger wird", ergänzte er. Bei aller sportlichen Rivalität war das Derby von fast schon harmonischen Tönen eingerahmt. Bereits im Vorfeld der Partie hatte Seulbergs Trainer Uwe Gronau darauf verwiesen, dass Köppern im Kampf um den Aufstieg durchaus noch eine gewichtige Rolle zuzutrauen sei. Der FV Stierstadt sei als Erster wohl schon durch, so seine Expertise, doch den Tabellenzweiten FC Oberstedten könne die Teutonia unter Umständen noch einholen. Das sah Trainerkollege Fievet ähnlich. "Ich gehe nicht davon aus, dass Oberstedten in der Rückrunde noch mal so stark spielt wie bisher", führte er aus. Was er noch nicht wusste: Oberstedten hatte zeitgleich gegen die Reserve des FC Neu-Anspach verloren, der Vorsprung auf Köppern schmolz daher von acht auf fünf Punkte. Am 8. März kommenden Jahres treffen beide Mannschaften in Köppern aufeinander. "Wir wollen einfach so lange wie möglich für Spannung sorgen", sagt Fievet. Das könnte durchaus so kommen.

ROBIN KUNZE

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