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Bald soll der Ball auch wieder im Amateurbereich ins Netz fliegen.

Fußball im NNP-Land

Endlich wieder auf den Sportplatz? Nicht mit diesem Hygiene-Konzept

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Das kam schon einer kleinen Sensation gleich: Zwar war klar gewesen, dass die hessische Landesregierung Lockerungen hinsichtlich der Maßnahmen gegen das Coronavirus einläuten und wahrscheinlich die kontaktlosen Individualsportarten wieder zulassen würde; dass aber der komplette Freizeit- und Breitensportbetrieb bald wieder möglich sein würde, damit hatte eigentlich niemand gerechnet. Doch ganz so einfach ist das alles nicht...

"Die Freiluft-Sportstätten werden ab Samstag, 9. Mai, wieder geöffnet und unter den bekannten Auflagen für den Trainingsbetrieb freigegeben", hieß es am Donnerstag aus der Staatskanzlei. Das war für einige schon ein Grund, die Korken knallen zu lassen. Landrat Michael Köberle hat die Nutzung der landkreiseigenen Sportflächen unter Einhaltung der erforderlichen Hygiene- und Abstandsregelungen genehmigt. Für die anderen Sportanlagen sind die Kommunen und/oder Vereine zuständig.

Grünes Licht also auch für die Amateurfußballer. Allerdings hat der Hessische Fußball-Verband den Vereinen ein an die Richtlinien der DFL angelehntes Hygiene-Konzept an die Hand gegeben, das es in sich hat - und wohl von kaum einem Verein wird umgesetzt werden können. Daraus einige Punkte: Die Akteure müssen allein und bereits in Sportkleidung zum Sportgelände fahren/gehen, dasselbe gilt für den Heimweg; das Abstandsgebot ist strikt einzuhalten; die Duschen/Vereinsheim bleiben geschlossen; wer die Toilette benutzt, muss sie anschließend desinfizieren; Gleiches gilt für Bälle und Hütchen; Leibchen gehören einem bestimmten Spieler oder werden "unter Verwendung von Einmalhandschuhen" nach dem Training eingesammelt und müssen bei 60 Grad gewaschen werden; der Trainer führt exakte Checklisten; Abklatschen, Kopfbälle, Einwürfe sind verboten; jeglicher Körperkontakt ist zu vermeiden - und so weiter...

Wir haben uns speziell unter den Fußballtrainern und Verantwortlichen umgehört und gefragt, wie sie mit der neuen Situation umgehen wollen.

Es gibt die, die gerne wieder wollen...

Florian Dempewolf (Trainer TuS Waldernbach/Kreisoberliga): "Als ich die erfreuliche Nachricht erfahren habe, bin ich auf den Vorstand zugegangen und habe mitgeteilt, dass ich bereit wäre, zweimal in der Woche eine Trainingseinheit zu leiten. Da ich sowieso damit gerechnet habe, dass wir uns erstmal auf ein kontaktloses Training beschränken müssen, habe ich bereits ein Konzept erstellt, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Als Fußballverrückter bin ich natürlich daran interessiert, so schnell wie möglich wieder auf den Platz zu kommen. Aber nicht um jeden Preis. Aufgrund der Vorgaben und Auflagen wird noch kein Training stattfinden."

...und die, die noch zurückhaltend sind

René Brahm (Trainer SV Wilsenroth/Kreisliga B1): "Nach Rücksprache mit dem Vorstand haben wir beschlossen, kein Training stattfinden zu lassen, da die Auflagen doch enorm sind."

Rainer Frink (Trainer 2. Mannschaft und Spielausschuss TuS Linter/Kreisliga B1): "Meiner Meinung nach sind die Dinge nicht umsetzbar und zu kontrollieren, auch wenn die Absicht dahinter eine gute war. Wir haben beschlossen, dass wir vorerst kein Training anbieten werden. Die Sicherheitsvorgaben des HFV sind von uns einfach nicht einzuhalten, auch die Verantwortung möchte niemand übernehmen. Ich persönlich kann es gar nicht mehr abwarten, meine Jungs wiederzusehen und fiebere dem Trainingsstart entgegen. Teamgeist und Vereinsleben werden doch sehr vermisst. Egal wie entschieden wird: Vermeintliche Verlierer wird es so oder so geben."

Metin Kilic (Trainer TuS Frickhofen/Kreisoberliga): "Wir wollen alle so schnell wie möglich auf den Platz. Wichtiger wäre, wie geht es weiter. Trainieren wir nur für den Spaß, um fit zu bleiben, oder um sich für den Tag X vorzubereiten? Wenn nur für den Spaß, ist das Risiko für mich zu groß. Deswegen warten wir, was mit dieser und der nächsten Saison passiert."

Ralf Schuchardt (Co.- und Torwarttrainer SV Rot-Weiß Hadamar/Hessenliga): "Wir sprechen uns im Trainerteam von Woche zu Woche ab. Aktuell werden wir nicht anfangen, zu trainieren."

Patrick Jahn (Trainer SG Selters/Kreisoberliga): "Wir werden das Wochenende und die damit verbundenen Videokonferenzen abwarten und dann mit dem Vorstand Rücksprache halten, ob die Voraussetzungen geschaffen werden können. Wenn wir von dort grünes Licht bekommen, ist es denkbar, dass wir auf den Platz gehen. In welcher Form das dann stattfindet, bleibt abzuwarten. Zumindest hat man ein Zeichen gesetzt, dass sich Licht am Ende des Tunnels befindet. Vielmehr ist es aber auch noch nicht."

Thomas Janke (noch Trainer bei der TuS Lindenholzhausen/Kreisliga A, künftig Trainer des VfR 07 Limburg): "Wir freuen uns natürlich auch, dass wir wieder Sport/Fußball machen dürfen. Allerdings sind die Vorgaben schon sehr eng. Entscheidend wird sein, wie es weitergeht. Wird die Saison abgebrochen, ist die Motivation der Spieler wahrscheinlich eher niedrig. Ebenso, wenn die Spielpause noch viel länger andauert. Ich habe mir such schon einige Sachen überlegt, die man machen könnte, und die die Jungs auch interessiert. Da alle Fußballer aber gerne spielen und nach dem Training auch noch lieber zusammensitzen und ein Bierchen/Cola trinken, geht hier leider ein wichtiger Aspekt des Amateurfußballs verloren. Ich weiß auch noch nicht, ob der Verein das Risiko eingeht und ein Training zulässt. Besonders ,komisch' ist die Situation für mich auch, da ich eigentlich nach der Saison im Sommer meine Trainerstation wechseln würde. Im Moment stehe ich da etwas zwischen den Stühlen."

Dirk Hannappel (Trainer SC Offheim/Kreisoberliga): "Jeder sollte den Weg gehen, den er für sich und sein Umfeld verantworten kann, weil keiner den ,Alles-richtig-mach-Weg' kennt. Es gibt keine Blaupause und auch keine heilbringende Formel. Ich habe den festen Glauben, dass wir uns bald beim Kicken wieder alle sehen, bekämpfen, freuen, feiern."

Tobias Schuth (Trainer SG Nord/Kreisliga A): "Ich bin ja noch ein junger Trainer, aber immer noch ein Fußballspieler. Wer dieses Schriftstück aufgesetzt hat, hat mit Fußball entweder wenig zu tun oder noch nie selbst gegen die Pille getreten. Mir stellt sich die Frage, wie man diese Regeln einhalten soll, wenn man zwischen zehn bis 20 fußballbegeisterte Jungs auf dem Trainingsplatz hat. Wenn wir alle zu uns ehrlich sind, sind diese Maßnahmen nicht zu realisieren. Ich vermisse meine Jungs und den Fußball und würde sofort wieder mit dem Training beginnen, aber ohne klare Entscheidung vom Verband, wie es weitergeht, ist das sehr schwierig. In der heutigen Zeit ist es doch schon eh schwer, die Jungs zu motivieren, und ohne den richtigen Fußball mit Leidenschaft und Zweikampf kaum umsetzbar. Der Plan ist, dass ich meine Männer gerne wieder mal zusammen sehen würde und überlege halt, wie ich das, was der Verband fordert, einhalten soll. Das ist mit den Verantwortlichen zu klären, danach wird ein individuelles Training wie auch immer stattfinden. Das Schriftstück war doch nur ein Zugeständnis weil die Bundesliga wieder losgeht und sie uns irgendwas an die Hand geben müssen."

Thorsten Wörsdörfer (Trainer TuS Dietkirchen/Hessenliga): "Warum nach dem Shutdown im Rahmen der Lockerung diese Baustelle eröffnen? Welches Ziel kann mit Training erreicht werden? Ich hoffe, es erfolgt der Abbruch, und die neue Saison startet im September. Ich denke auch nicht, dass eine Weltkarriere als Trainer oder im Jugendbereich an ein paar Wochen ohne Training hängt. Ich will gerne meinen Jungs in die Augen sehen."

Wie sieht es in Rheinland-Pfalz aus?

Martin Scherer (gemeinsam mit Pascal Heene Trainer der SG Rennerod/Irmtraut/Bezirksliga Ost): "Rheinland-Pfalz ist ja bekanntlich mit allem ein wenig langsamer. Bei uns liegt vorerst alles auf Eis, und es gibt zunächst einmal keine Planung zur Umsetzung von ,Training ins Leere', da wir nicht wissen, wie und wann es weitergeht."

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