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Durststrecke: Oberursels Trainer Ergün Sahin möchte am Samstag mit seiner Landesliga-Mannschaft den ersten Pflichtspielsieg feiern.

Handball

Ergün Sahin: „Aus Niederlagen lernt man“

Die verjüngte Mannschaft der TSG Oberursel hat in der Handball-Landesliga mit drei Niederlagen einen Fehlstart hingelegt. Jetzt kommt die unbesiegte TG Friedberg. TZ-Sportchef Thorsten Remsperger hat sich vor dem wichtigen Spiel am Samstag (19.30 Uhr, EKS-Halle) mit Trainer Ergün Sahin unterhalten. Auffällig im Gespräch mit dem 44-jährigen A-Lizenz-Inhaber aus Holzheim in Mittelhessen war dessen positive Grundstimmung.

Herr Sahin, es ist noch gar nicht so lange her, da ließ Ihre verjüngte Mannschaft manchen Anhänger der TSG Oberursel schon ins Schwärmen geraten. Wie erklären Sie sich nach der formidablen Vorbereitung diesen Start mit 0:6 Punkten?

ERGÜN SAHIN: Es ist für uns keine einfache Situation, aber da müssen wir jetzt durch. Die Mannschaft ist noch jung und muss sich entwickeln, das war im Vorhinein klar. Man darf auch nicht vergessen, dass uns mit Felix Brühl und Phil-Lukas Ljubic zwei absolute Leistungsträger verlassen haben. Die Lücken schließen wir aus den eigenen Reihen. Ich habe extra kein Saisonziel gesteckt, um nicht schon vorab Druck aufzubauen.

Eigentlich hatte Ihr Team mit den Spielen gegen die TSG Eppstein, HSG Wettenberg II und den TV Petterweil bisher kein übermäßig schweres Programm, alle drei werden nicht in der Spitzengruppe erwartet. . .

SAHIN: Ja, wenn es dann um etwas geht, kommt bei einer so jungen Mannschaft wie unserer halt auch das Lampenfieber dazu. In der Vorbereitung konnten wir noch befreit aufspielen und haben super Ergebnisse erzielt. Ich sehe das dennoch positiv: Gegen die cleveren und abgezockten Eppsteiner mit Ex-Nationalspieler Jan Immel als Trainer haben wir gut dagegengehalten. Wettenberg hatte auch eine sehr eingespielte Truppe, die davon profitiert. Und in Petterweil hätte jede andere Mannschaft bei einem Zehn-Tore-Rückstand aufgegeben. Wir haben große Moral gezeigt und fast noch die Wende geschafft. Da hat man das Potenzial gesehen. Das wollen wir jetzt die ganze Runde über abrufen.

Fehlen der Mannschaft nicht jene erfahrenen Spieler, die vornweg gehen, wenn es nicht so läuft?

SAHIN: Es hat sich noch kein Führungsspieler bei uns herauskristallisiert. Das ist richtig, wird aber noch kommen. Wir haben mehrere Kandidaten. Sie müssen sich das mal vorstellen: Überall wird gejammert, dass mit zu wenigen Spielern im Training keine vernünftige Arbeit möglich ist. Ich habe lauter junge Menschen in der Halle, die wollen. Es kommen 19, 20 Spieler ins Training, und ich habe das Problem, nur 14 mitnehmen zu können. Wer nicht nominiert wird, kommt in der 2. Mannschaft zum Einsatz und nimmt das ohne Murren hin. Das ist für einen Trainer doch eine komfortable Situation.

Welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um den Negativlauf zu stoppen?

SAHIN: Ich lege allgemein viel Wert auf Kommunikation, und so habe ich mir auch in dieser Woche viel Zeit genommen, um mit der Mannschaft zu sprechen. Wir haben bisher gut trainiert, müssen den Handball aber etwas anders denken. Auf dem Feld auch mal einstecken können. Manche haben es unterschätzt, was es heißt, Landesliga zu spielen.

Vielleicht hilft es der Mannschaft, einmal als klarer Außenseiter ins Spiel zu gehen? Am Samstag wird das gegen die TG Friedberg der Fall sein, die mit 5:1 gestartet ist. . .

SAHIN: Sie sind gut gestartet, haben gute Spieler dazu bekommen, sind aber auch ein Aufsteiger. Alles ist möglich, jedes Spiel muss erstmal gespielt werden. Wir haben einen steinigen Weg vor uns, und am Samstag fangen wir damit an, gewisse Steine aus dem Weg zu räumen. Wir haben so wenige Fehlzeiten im Training und eine so hohe Beteiligung – die Mannschaft hat es einfach verdient, dafür belohnt zu werden.

Ist es für Sie als Trainer nicht zermürbend, nach der sieglosen Saison mit der HSG Eibelshausen/Ewersbach in der Frauen-Oberliga schon so lange auf ein Erfolgserlebnis warten zu müssen?

SAHIN: (lächelt) In der Vorbereitung haben wir ja oft gewonnen. Ich habe schon viele Erfolge gefeiert, aber auch schon viele Misserfolge erlebt. In Eibelshausen hatten wir eine sehr dünne Personaldecke, trotzdem hatte ich eine Chance gesehen. Der Verein hätte trotz der schwierigen Saison gerne mit mir weitergemacht. Aus Niederlagen lernt man dazu. Man muss nur wieder aufstehen. Am Samstag haben wir wieder die Chance dazu. Und die werden wir nutzen.

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