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Ein Gentleman - auch neben dem Platz: Eric Böcher, Spielführer des Fußball-Verbandsligisten FC Waldbrunn.

NNP-Serie: Die Kapitäne

Eric Böcher: Die Zuverlässigkeit in Person

Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Im Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als „Leader“ ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Eric Böcher vom FC Waldbrunn kennen.

VON PATRICK JAHNAls 18-Jähriger hatte Eric Böcher 2013 den Sprung zum Fußball-Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar gewagt. Zusammen mit seinem Bruder Robin – heute als spielender Co.-Trainer beim TuS Dietkirchen – war er dort zwar zu ein paar Einsatzminuten gekommen, der richtige Durchbruch blieb ihm aber verwehrt. Pünktlich zur Saison 2017/2018 war der in Ellar lebende Defensivspieler wieder bei seinem Heimatverein FC Waldbrunn angekommen. Dort mauserte er sich trotz längerer Verletzungspause zum Stammspieler und wurde vor eineinhalb Jahren zum Kapitän gewählt.
Während es in etlichen anderen höherklassigen Vereinen üblich ist, vom Trainer bestimmt zu werden, ticken beim FC Waldbrunn die Uhren anders. Eric Böcher erklärt: „Einige Spieler wurden innerhalb einer Spielersitzung vorgeschlagen, und schließlich wurde ich sozusagen von der Mannschaft zum Kapitän gewählt. Unsere beiden Trainer hatten sich dazu entschlossen, sich aus der Wahl komplett herauszuhalten und haben demnach auch keine Stimme abgegeben.“ Da der Kapitän in erster Linie ja das Team führen soll, war diese Art und Weise der „Bestimmung“ für alle Seiten absolut akzeptabel.
Nachfolger von Cornelius Doll
Cornelius Doll, der jahrelang das Amt des Spielführers inne hatte, war lange Zeit verletzt, was dazu führte, dass ein neuer Kapitän bestimmt werden musste. Doll leitet im Übrigen mittlerweile die Geschicke der 2. Mannschaft, während Nils Egenolf seither Eric Böchers Stellvertreter ist.
Was war für den Ausgang der Wahl ausschlaggebend? Eric Böcher: „Ich denke, dass ich sowohl zu allen Spielern als auch zum Trainerteam eine sehr gute Bindung habe. Auch wenn es mal kriselt, sehe ich mich als Verbindung zwischen Mannschaft und Trainer und spreche Probleme auch mal an. Auf dem Feld selbst ist es mein Ziel, die Spieler während der 90 Minuten zu stärken, statt draufzuhauen.“ Wichtig sei es, so sieht es Eric Böcher, nichts Negatives auszustrahlen: „Klar, man muss ein Führungsspieler sein, bei dem auch die Leistung stimmt. Das versuche ich Woche für Woche abzuliefern. Schließlich will ich ja auch für die Mannschaft da sein.“ Auch abseits des Wettkampfmodus’ hat Eric Böcher als Kapitän wichtige Aufgaben: „Ich habe immer ein offenes Ohr für alle, schließlich bilde ich in dieser Rolle am ehesten die Brücke zwischen Spielern, Trainern und Vorstand. Probleme müssen dann angesprochen werden, wenn sie auftreten. Ich bin natürlich froh, dass die Spieler mir vertrauen – allen voran die Jüngeren.“
Geht es nach Böchers Trainer, ist es nicht nur das Vertrauen, das er an seinem Spielführer schätzt: „Eric ist sowohl auf als auch neben dem Platz ein absolutes Vorbild. Er stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft und vor allem sein eigenes Ego hinten an, was heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Abgesehen davon, ist Eric ein Ellarer Eigengewächs und kennt den Verein, beziehungsweise die Stammvereine und deren Umfeld von der Pike an.“
Was Steffen Moritz aber besonders imponiert, ist die Tatsache, „dass eben nicht jeder Spieler in der Lage ist, sich neben der Rolle als Kapitän auch auf das eigene Spiel zu konzentrieren. Eric vereint das sehr gut miteinander und weiß, was er kann, und auch, was er eben nicht kann. Dadurch, dass er seine Stärken voll und ganz einbringt, ist er für uns die personifizierte Zuverlässigkeit auf dem Platz“. Steffen Moritz und sein Pendant Christian Mehr sind von ihrem Kapitän überzeugt und finden es auch wichtig, „dass Eric mit Anliegen aus der Mannschaft an uns herantritt oder uns auch mal auf Dinge hinweist, die vielleicht ein bisschen in die falsche Richtung laufen“.
Die Freunde kommen aus dem Verein
Dass sich der Fußball durch sein ganzes Leben zieht, steht außer Frage. Der 25-Jährige, der sich mit Freundin Lea in einer Beziehung befindet, arbeitet hauptberuflich für eine Online-Marketing-Firma mit Standort in Köln. „Mal arbeite ich von zu Hause, mal von Köln aus“, berichtet er. Seine Freunde kommen zum Großteil aus dem Verein. „Von daher treffen wir uns auch viel außerhalb des Platzes.“ Für andere Hobbys bleibt da logischerweise kaum noch Zeit. Eric Böcher ist eben jemand, der den Fußball lebt und liebt. Und wenn er bei seinen Mitspielern ein nur halb so großes „Standing“ genießt wie bei seinem Trainerteam, könnten mit der Binde am Arm noch einige weitere Jahre hinzukommen.
Beim nächsten Mal stellen wir einen jungen Spielführer aus der Gruppenliga vor, der sich dem Minigolf verschrieben hat.

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