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Erinnerungen, von denen man ein Leben lang zehrt

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Von: Wolfgang Bardong

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Die Handballer der TSG Oberursel am Zweiten Weihnachtsfeiertag auf der Fährfahrt nach Rodby in Dänemark.
Die Handballer der TSG Oberursel am Zweiten Weihnachtsfeiertag auf der Fährfahrt nach Rodby in Dänemark. © TSG Oberursel

Die TSG Oberursel nimmt am weltgrößten Nachwuchsturnier in Südschweden teil. Der große organisatorische Aufwand wird im Verein schon traditionell betrieben.

Oberursel -660 Mannschaften, 4633 Spielerinnen und Spieler, die insgesamt 2068 Partien absolvieren: Die am gestrigen Montag begonnenen und bis einschließlich 30. Dezember dauernden „Lundaspelen“ sprengen in diesem Jahr sämtliche Rekorde. Seit 1978 wird das weltgrößte Handball-Turnier für Aktive von acht bis 20 Jahren im südschwedischen Lund alle zwölf Monate ausgetragen. Aber nicht nur die Gastgeber legten für die aktuelle Ausgabe neue Rekordzahlen vor.

„So viele wie in diesem Jahr waren wir noch nie in Lund“, staunte Jutta Stahl (53) im Vorfeld der gestern Morgen um 6 Uhr früh angetretenen Abfahrt in Oberursel selbst Bauklötzer. Die Geschäftsführerin der TSGO kann in der Tat nicht minder beeindruckende Zahlen nennen: „Wir sind mit 156 Aktiven aus zwölf Mannschaften in drei Bussen plus einem Vereinsbus angereist.“ Inklusive der Fahrt auf einer Fähre ab Puttgarden seien 13 Stunden Anreise zusammengekommen.

Für Jutta Stahl ist es persönlich „die ungefähr 20. Fahrt nach Lund“, kann sie sich gar nicht auf eine exakte Zahl festlegen. Was die Gesamtzahl der TSGO-Teilnahmen am Großevent in Schweden angeht, weiß sie es aber ganz genau: „Seit 1978 sind wir dabei. Es ist unser 41. Start.“ Die Corona-Jahre 2020 und 2021, als das Turnier ausfiel, mit berücksichtigt.

Eigentlich umfasst der umfangreiche Oberurseler Tross ja noch einen Bus mehr. „Ja, in den haben wir Schiedsrichter aus ganz Deutschland eingeladen. Wobei von unserem Verein Gerhard Röder in Lund für die Betreuung der internationalen Unparteiischen zuständig ist.“ So beeindruckend die Zahlen, die Stahl für „ihre“ TSGO anführt, auch sind: Sie werden von einem schwedischen Verein noch in den Schatten gestellt. „Die sind sogar mit 76 Mannschaften gekommen“, weiß sie.

Neben Schweden und Deutschland hatten die Gastgeber gestern Abend bei der traditionellen Eröffnungszeremonie junge Handballer und Handballerinnen aus noch elf weiteren Ländern begrüßen können: Dänemark, den Niederlanden, Norwegen, Belgien, Kroatien, dem Kosovo, Österreich, Spanien und Tschechien sowie aus Hongkong und Indien. Damit konnte der ausrichtende örtliche Universitäts-Sportverein Lugi Handboll (die Abkürzung „Lugi“ steht für Lunds Universitets Gymnastik och Idrottsförening, Heimspielstätte ist die 3000 Zuschauer fassende Sparbanken Skåne Arena) beim gestrigen Begrüßungsabend seit der Turnierpremiere 1978 bis zum heutigen Tage 17 726 Teams aus 38 Ländern willkommen heißen. Zahlen, die einen ungläubig zurücklassen.

Mannschaften von unglaublicher Qualität

Die meisten Vorschusslorbeeren hat sich aus TSGO-Sicht mit Blick auf das Abschneiden in Lund die weibliche B-Jugend verdient. „Ja, den Mädels ist am meisten zuzutrauen“, sagt Jutta Stahl. Vom großen Wurf, dem Gewinn des sogenannten A-Cup-Turniers, dürften aber auch die in der Oberliga so stark aufspielenden TSGO-Mädchen letztlich weit entfernt sein. „Die Qualität der teilnehmenden Mannschaften hier ist unglaublich“, sagt Stahl. Um Titelgewinne gehe es auch gar nicht, relativiert sie, „vielmehr ist es das gemeinsame Miteinander, das als Supererlebnis zusammenschweißt - erst recht in einer solch tollen Halle hier.“ Nicht von ungefähr komme das Motto der Turnierausrichter: „Create Memories For Life“ - von jenen Erinnerungen zehre man wirklich ein Leben lang.

Allerdings, was die Oberurseler Erfolge in Lund angeht, blickt man bei der TSGO durchaus sehr gerne zurück. Der Einzug ins A-Cup-Halbfinale sei bereits zweimal gelungen. Wie auch 2012, als Jutta Stahl mit der von ihr damals trainierten weiblichen C-Jugend (Jahrgänge ’98/99) in Lund von Sieg zu Sieg geeilt war. Aktuell trainiert sie neben ihrer Tätigkeit als Geschäftsführerin noch die Damen III (Bezirksliga A) und Minis.

Wird sie die eine oder andere Freundschaft, die sich über die Jahre durch das Turnier aufgebaut und entwickelt hat, in den kommenden Tagen aufleben lassen? Da muss Jutta Stahl lächelnd verneinen: „Ich fahre zwar schon lange nach Lund - aber kennen gelernt hat man über all die Jahre doch niemanden so richtig. Auch weil hier die Orga-Crew stets wechselt.“ Worauf sie sich aber „ganz speziell“ freue ist, „dass wir unsere Turniertradition in diesem Jahr nach der Coronapause fortsetzen können und die Heimfahrt mit dem Kauf neuer Jogginghosen krönen werden“. Trainingsbekleidung, auf der „Lundaspelen“ abzulesen ist, sei der Renner - über Jahre hinweg.

Zurück aus dem hohen Norden wird es noch am Abend des Finaltages gehen. „Dadurch kommen wir am Silvestermorgen gegen sechs Uhr wieder in Oberursel an, so dass jedem genügend Zeit bleibt, abends ins neue Jahr rein zu feiern“, sagt die TSGO-Geschäftsführerin. Eins steht für sie übrigens unverrückbar fest: „Selbst wenn wir bis dahin mit keinem unserer Teams noch im Rennen sein sollten: Den letzten Tag des Turniers lassen wir uns auf keinen Fall entgehen. Manch andere Vereine sind dann zwar schon auf der Heimfahrt - wir aber bleiben bis zum Schluss.“ Die Stimmung in der großen Halle, in der am Finaltag stets grandios mit Scheinwerfern gearbeitet wird, die alle an einem Endspiel Beteiligten in einen Lichtkegel tauchen, wenn sie einzeln aufs Spielfeld gerufen werden, sei unvergesslich - ein „memory for life“ eben.

Bereit für das große Turnier: die Jugendhandballer der TSG Oberursel.
Bereit für das große Turnier: die Jugendhandballer der TSG Oberursel. © TSG Oberursel

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