Erst emotional, dann seriös

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Der überzeugende 4:0 (2:0)-Sieg des Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach gegen den Bahlinger SC (Tore: Benjamin Pintol/2, Kristian Maslanka, Markus Müller) war beinahe schon eine Nebensache.

Der Samstagnachmittag am Bieberer Berg stand vielmehr ganz im Zeichen der Emotionen. Vor dem Anpfiff gab es erst einmal eine Gedenkminute für die am Freitag nach einer langen Krankheit mit 81 Jahren verstorbene OFC-Legende Berti Kraus. Der Stürmer erzielte für die Kickers zwischen 1952 und 1963 in 328 Spielen insgesamt 117 Tore und zählte zum Aufgebot der Nationalmannschaft 1962.

Der nächste emotionale Höhepunkt kam in der 77. Minute, als Sascha Korb bei seinem letzten Auftritt unter stehenden Ovationen mit Tränen in den Augen den Platz verließ. Das 22 Jahre alte Offenbacher Eigengewächs hat ebenso wie Markus Müller, Marcel Gebers, Julian Dudda und Steven von der Burg (zum Hessenligisten TSV Lehnerz) keinen neuen Vertrag mehr bekommen. Benjamin Pintol (FC Halle) hatte sich selbst ja schon einen neuen Verein gesucht, und Matthias Schwarz seinen Umzug nach Hamburg verkündet. Nach der Partie wurden die Abgänge von den Fans enthusiastisch verabschiedet. „Wir haben versprochen, nie mehr auszugeben als wir einnehmen. Da wir noch mit den Tücken und Lasten der Vergangenheit zu kämpfen haben, muss die Konsolidierung oberste Priorität haben. Zwangsläufig muss man sich auch von Spielern trennen, die der ein oder andere Fan gerne weiter in Offenbach gesehen hätte. Emotionen dürfen nicht die Basis seriöser Saisonplanung sein. Dies können einzig und allein sportliche und finanzielle Gründe sein“, erklärte dazu Kickers-Präsident Helmut Spahn.

Trainer Oliver Reck hätte in sportlicher Hinsicht nach eigenen Angaben sicher gern den einen oder anderen behalten. „Wir spielen solide, offensiv und erfolgreich. Ich bin überzeugt, dass wir so auch in der kommenden Saison spielen werden“, so der Coach, der betont, dass man auf die Abgänge reagieren und versuchen werde, adäquaten Ersatz zu finden.

Mittlerweile würden laut Reck alle Spieler wissen, ob sie bleiben können oder gehen müssen. Einzige Ausnahme: Der Langzeitverletzte Fabian Bäcker, bei dem man abwarten müsse, was die Berufsgenossenschaft sowie die Ärzte sagen. Torwart Daniel Endres, der beim OFC bleibt, freute sich über die emotionale Verabschiedung seiner Kollegen. „Sie haben es verdient. Schade, das wir auseinanderbrechen. Wir haben als Team funktioniert, waren eine große Familie, auch außerhalb des Platzes. Mir tut der Weggang jedes einzelnen weh. Vor allem der von Sascha, mit dem mich nach vielen gemeinsamen Jahren noch mehr verbindet. Aber so ist es im Fußball.“

(löf )

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