Erst Sandelmühle, dann Pfeffermühle

Sportereignisse, über die im Taunus immer wieder gerne gesprochen wird, und die Frage, was aus den Protagonisten von einst geworden ist, stehen im Zentrum unserer Rubrik. Wir berichten in loser Reihenfolge.

Der Großraum Gießen/Wetzlar hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder großartige Fußballer hervorgebracht. Die meisten davon wechselten bereits in jungen Jahren ins Rhein-Main-Gebiet, meist zu Eintracht Frankfurt, und machten hier Karriere. Beispiele dafür sind der frühere Eintracht-Torhüter Dr. Peter Kunter aus Wetzlar, Nationalspieler und Eintracht-Verteidiger Peter Reichel aus Gießen oder auch der bekannte Trainer Niko Semlitsch aus Fernwald, der bei den Offenbacher Kickers als Abwehrspieler erfolgreich war.

Zu diesem illustren Kreis gehört auch Herbert Schäty, heute 67 Jahre alt, der aus der Jugend von Eintracht Wetzlar hervorging. Schäty wechselte früh zum FSV Frankfurt in die Regionalliga (damals 2. Liga) und machte sich einen guten Namen. In der Rhein-Main-Region fühlte er sich offensichtlich wohl, 1974 wechselte er zur SpVgg 05 Bad Homburg. Unter dem damaligen Trainer Roland Weida lief Schäty in der Hessenliga auf. Im offensiven Mittelfeld spielte er eine herausragende Rolle – in einer Mannschaft, die nach dem Gewinn der Deutschen Amateurmeisterschaft 1973 neu zusammengestellt werden musste.

Nach weiteren Stationen wie FC Hanau 93 oder VfR Bürstadt kehrte Schäty 1990 nach Bad Homburg zurück. Diesmal als Trainer und in einer schwierigen Vereinssituation. Schäty erinnert sich: „Der Verein hatte damals keinen intakten Vorstand. Niemand trug Verantwortung. Die Aufgabe, dort Trainer zu werden, war nicht sehr verlockend. Aber schwierige Aufgaben haben mich schon immer gereizt.“

Schäty nahm die Zügel in die Hand, war nicht nur Trainer, sondern auch Sponsorensucher und Verhandler mit Spielern. „Ich habe fünf Wochen lang fast Tag und Nacht geschuftet, lukrative Sponsoren aufgetrieben und aus einer Rumpftruppe eine Top-Mannschaft zusammengestellt.“

Herbert Schäty hatte ein klares Konzept, sportlich wie wirtschaftlich, sah damals das Ziel 2. Liga als durchaus machbar an. Aber Umfeld und Infrastruktur folgten ihm nicht. Im Gegenteil – Querelen mit dem Vorstand führten zu seiner Entlassung. Trainer Jürgen Strack übernahm in der Winterpause die Mannschaft und wurde mit ihr wenige später im Juni 1992 deutscher Vize-Amateurmeister. Dazu Schäty: „Nichts gegen meinen Nachfolger, aber diese erfolgreiche Truppe war eigentlich mein Baby.“

Ein zweites Standbein neben dem Trainerjob an der Sandelmühle schuf sich Schäty damals mit einer anderen Mühle: Er pachtete das Restaurant Pfeffermühle im Bad Homburger Kurpark neben der früheren Tennis-Bar. Auch hier hatte er ein vielversprechendes Konzept, was aber zunichtegemacht wurde, da Vertragspartner ihre Zusagen nicht einhielten.

Nach großen Erfolgen als Trainer der SG Egelsbach, die er bis in die Regionalliga Süd geführt hatte, kehrte er 1997 zur Spvgg. 05 zurück, die inzwischen in der Landesliga spielte. Er stieg sofort mit der Mannschaft in die Oberliga Hessen auf – das letzte große Aufbäumen des Vereins, der 1999 in Konkurs ging und aufgelöst wurde.

Nach einem Kurzgastspiel beim damaligen Zweitligisten KFC Bayer Uerdingen übernahm Schäty, der dann als Finanzberater tätig war, noch verschiedene Trainerjobs in Vereinen seiner Heimatregion.

Heute ist Schäty, verheiratet, eine Tochter, begeisterter Golfspieler. Als solcher darf er mit Fug und Recht behaupten, dass er mit seinem Handicap von 4,7 mindestens so etwas wie die „2. Liga“ erreicht hat. Was ihm seinerzeit als Trainer der „05er“ nicht vergönnt war.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare