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Lev Katsman (links) ballt die Faust. Der russische Nationalspieler läuft auch in der nächsten Saison für den TTC OE Bad Homburg auf.

Tischtennis, Hochtaunus

Erstliga-Aufstieg: TTC OE Bad Homburg nimmt die nächste Hürde

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60 Prozent des Etats für die 1. Bundesliga steht. Sportlicher Leiter Sven Rehde ist "sehr positiv gestimmt"

Die klare Nummer eins unter den wenigen Sportarten während der Corona-Krise dürfte der Langstreckenlauf sein. Tischtennis gehört zu den vielen Disziplinen, die aufgrund der weltweiten Pandemie zu einer Pause gezwungen sind, die bis auf Weiteres anhält. Wenn Trainings- und auch der Spielbetrieb wieder anlaufen, möchte der TTC OE Bad Homburg der 1. Bundesliga angehören.

Die sportliche Qualifikation hat der Club als Zweitliga-Meister in der Tasche. Um die wirtschaftliche Lage in ein Verhältnis zu setzen, unternimmt Sven Rehde, Sportlicher Leiter des TTC OE, einen kurzen Abstecher zum Langstreckenlauf. Vergleiche man das Lizenzierungsverfahren und die damit verbundenen Anstrengungen seines Clubs mit einem Marathon, sagt Rehde, befänden sich die Ober-Erlenbacher bei Kilometer 30. Soll heißen: Noch nicht im Ziel, aber auf dem besten Weg dorthin.

Eine Frist der Lizenzierung endet

Bis zum heutigen 30. April hat die Deutsche Tischtennis-Bundesliga (TTBL) die zwölf Bewerber für eine zukünftige Erstliga-Zugehörigkeit gebeten, 60 Prozent des geplanten Budgets für die Saison 2020/21 nachzuweisen. "Das werden wir schaffen", sagt Rehde. Bedeutet: 120 000 von den anvisierten 200 000 Euro hat das Management des einzigen Profi-Teams aus dem Hochtaunus bereits beisammen. Der TTC OE nimmt als einziger Zweitligist am Lizenzprüfverfahren der TTBL teil.

"Ich bin dem Ganzen gegenüber sehr positiv gestimmt", zieht Rehde eine Zwischenbilanz der seit genau drei Monaten andauernden Offensive in der Sponsorensuche. Ende Januar hatte der TTC OE in dieser Zeitung die Zukunft seines professionellen Tischtennis-Teams in Frage gestellt, wenn sich nicht bald wirtschaftlich Wesentliches verändere - und damit für so etwas wie einen Startschuss gesorgt. Ein eigenes Crowdfunding-Projekt wurde im Internet gestartet, mit dem der Club auch privaten Unterstützern oder kleinen Betrieben ein Sponsoring schmackhaft macht - mit Gegenleistungen wie Dauerkarten oder Trainingseinheiten bei einem der Tischtennisprofis.

Zuletzt warb der TTC OE Bad Homburg auch mittels einer Initiative von sportdeutschland.tv (#gemeinsamfuerdensport) um Unterstützer, hatte zudem mit einem Beitrag in der Hessenschau Fernsehpräsenz. "Man merkt auf jeden Fall, dass wir jetzt viel mehr Wahrnehmung erfahren", sagt Rehde. Und das in diesen so schwierigen Zeiten, in denen es einem kleinen Unternehmen noch viel höher anzurechnen sei, wenn es den Spitzensportler sponsert, selbst wenn es nur ein kleiner, dreistelliger Betrag ist.

Der TTC OE freut sich über jeden Euro, denn im Juni gilt es die dritte Stufe des Lizenzierungsverfahrens zu nehmen. Dann müssen die Bewerber 80 Prozent des Saisonetats unter Dach und Fach gebracht haben. Die dritte Stufe, sie ist gleichbedeutend mit dem Zieleinlauf.

Wie Olympia 2021 die Planungen beeinflusst

Freilich ist die Sponsorensuche nur die eine Seite der Planungen. Die obliegt federführend Mirko Kupfer, Geschäftsführer der Ober-Erlenbacher Unternehmergesellschaft für den Bundesligaspielbetrieb. Mit der anderen, der sportlichen Seite beschäftigt sich Rehde - und die ist pandemiebedingt gerade nicht weniger außergewöhnlich.

Der 44-jährige Ober-Erlenbacher geht beispielsweise davon aus, dass bald wieder trainiert werden darf, und auch ein geregelter Spielbetrieb dürfte im Tischtennis in diesem Jahr noch möglich sein. Die Durchführung von Doppeln aber weniger. Hinzu kommt die Verschiebung der Olympischen Spiele auf das Jahr 2021. Wegen der erneuten Vorbereitungszeit werden einige asiatische Spieler von ihren Verbände teilweise für europäische Vereine gar nicht freigestellt.

Außerdem ist neben der final noch ungeklärten eigenen Finanzsituation auch unklar, was andere Vereine für Top-Spieler zukünftig ausgegeben können und wollen. In den Spielermarkt wird deshalb womöglich erst sehr spät richtig Bewegung kommen. Für den TTC OE bedeutet dies: "Die Verpflichtung unserer Nummer eins ist noch in der Schwebe."

Drei Youngster aus Osteuropa

Der restliche Kader steht indes fest. Rares Sipos (19) und Lev Katman (19), bisher als Nummer zwei und drei spielend, haben genauso ihre Verträge verlängert wie U23-Nationalspieler Nils Hohmeier. Auch Dominik Scheja (23), seit neun Jahren der Dauerbrenner beim TTC OE, dürfte in anderer Funktion der Mannschaft angehören. Neu im Team ist Maxim Grebnev. Der russische Youngster ist Doppelpartner von Katsman und wurde mit ihm vor zwei Jahren Vizeweltmeister bei der U18-WM. Er spielte zuletzt in der 2. Bundesliga für Fortuna Passau.

Ob diese Youngster aus dem Taunus bald Weltklassespieler wie Timo Boll in der Wingert-Sporthalle herausfordern, entscheidet sich im Juni. Dann haben die Ober-Erlenbacher ihren Marathon absolviert. Sven Rehde wird die 41,195 Kilometer locker zurückgelegt haben. Er läuft nicht so gerne und fährt dafür lieber Mountainbike.

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