+
Tattoos auf der Haut und Fußball im Kopf: Andreas Arr-You, Trainer der SG Eschbach/Wernborn.

Fußball, Hochtaunus

Eschbachs Trainer Arr-You lobt den Teamgeist: "Hier rennt nach dem Spiel niemand weg"

Andreas Arr-You, Trainer der SG Eschbach/Wernborn, spricht vor dem Spiel der Woche gegen die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach über Entwicklungen in seiner Mannschaft und im Amateursport allgemein.

Seit dieser Saison wird Kreisoberligist SG Eschbach/Wernborn von Andreas Arr-You trainiert. Der Mann ist parallel auch in der Jugend von Eintracht Frankfurt und dem FV Stierstadt tätig, kann also durchaus zu den "Fußballverrückten" gezählt werden. Vor dem Derby gegen die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach (Sonntag, 14.45 Uhr, Sportanlage Elfengrube) sprach der Tausendsassa mit TZ-Reporter Robin Kunze über den aktuellen Stand beim Aufsteiger, den guten Zusammenhalt im Verein und den kommenden Gegner.

Herr Arr-You, Sie sind mit dem Ziel, die Mannschaft weiterzuentwickeln, in die Saison gestartet. Wie sieht Ihr Zwischenfazit aus?

In den ersten Wochen gab es eine klar positive Tendenz. Momentan stagniert das allerdings etwas, was auch mit den Trainingsverhältnissen zu tun hat. Auf dem Hartplatz kann man nicht wirklich im technischen Bereich arbeiten. Außerdem ist die Beteiligung seit Herbstbeginn sehr schwankend.

Sind das auch die Gründe für die Serie von drei Niederlagen?

Mitunter, ja. Es hat aber auch intern damit zu tun, dass wir nicht mehr so ganz als Einheit aufgetreten sind. Ich habe deswegen letzte Woche ein klärendes Gespräch mit der Mannschaft gesucht und auch gefunden. Die Jungs scheuen sich nicht vor offenen, klaren Worten. Das finde ich gut.

Mit 40 Toren stellt Eschbach/Wernborn die viertbeste Offensive der Liga, trotzdem ist die Differenz negativ - kennt Ihre Elf nur den Vorwärtsgang?

Teilweise trifft das zu. ,Mannschaft' ist in dem Kontext auch das richtige Wort, denn ich will, dass wir als Kollektiv verantwortlich für das Erzielen von Toren, aber auch für das Verhindern von Gegentreffern sind. Das hat der eine oder andere noch nicht ganz verstanden. Für die Tore sorgten zuletzt fast ausschließlich Ergin Cakar, Patrick Gilles und Murat Kaya. Die drei sind stark, wie jeder weiß, aber das hat uns in den letzten Wochen auch ein Stück ausrechenbarer gemacht.

Das Trio hat höherklassig gespielt und könnte es wohl noch immer. Was sagen Sie zu dem Trend, dass sich hochveranlagte Amateurfußballer nicht mehr nur nach dem sportlichen Erfolg orientieren?

Ich denke, es gibt immer mehrere Komponenten, die für die Vereinswahl verantwortlich sind. Bei einem Tim Pelka vom FV Stierstadt steht zum Beispiel aktuell der Beruf im Vordergrund, ähnlich verhält es sich bei Murat Kaya. Er bekommt immer mal wieder Anfragen höherklassiger Vereine, aber bei uns hat er in den letzten sechs Wochen nur ein Training mitmachen können.

Ist es schwer für einen Trainer, damit umzugehen?

Bei mir war es vor 25 Jahren noch anders. Es hat mich während meiner Trainerlaufbahn auch eine gewisse Zeit gekostet, bis ich mich an die Situation gewöhnt habe. Viele der Jungs gehen mittlerweile Berufen nach, die sie bis in die späten Abendstunden beschäftigen. Da muss man sich dann manchmal einfach eingestehen, dass der Fußball nur ein Hobby ist, bei dem man die Gemeinschaft sucht, bei dem man sich am Sonntag nach einem Spiel ausgelassen freuen oder auch mal kräftig ärgern kann.

Ist diese Entwicklung vielleicht sogar gut für das Vereinsleben in manchen Clubs?

Ja, das war ja auch genau einer der Gründe, die ich in Eschbach als positiven Aspekt gesehen habe. Ich war ja nun schon bei einigen Vereinen tätig und habe es auch schon erlebt, dass Spieler ungeduscht nach Hause gehen. Hier gibt es das erste Weizen noch in den Trainingsklamotten, das zweite dann nach dem Duschen. Hier rennt nach dem Training oder den Spielen niemand weg.

Was für ein Spiel erwarten Sie am Sonntag?

Wehrheim/Pfaffenwiesbach war bisher ziemlich gebeutelt, was verletzungsbedingte Ausfälle angeht. Das ist wohl der ausschlaggebende Punkt dafür, dass die SG in der Tabelle da steht, wo sie steht. Trotzdem sind sie stark genug, um Spiel eng zu gestalten. In Oberursel kassieren sie zuletzt zwar fünf Tore, schießen aber auch vier. Wir haben uns dort schwergetan, überhaupt eins zu erzielen. Ich würde mich freuen, wenn wir einen Treffer weniger kassieren als sie (schmunzelt).

So etwas hat Coach Strohmann in 35 Fußballjahren noch nicht erlebt

Bevor Gregory Strohmann mit seiner Mannschaft bei der SG Eschbach/Wernborn antritt, wird kräftig gefeiert. Der Trainer der SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach wurde kürzlich 40, am Samstag wird der runde Geburtstag nachgeholt. "Wer samstags lange feiert, der kann sonntags auch Fußball spielen", sagt er mit einem Augenzwinkern.

Aufgrund eines Sehnenanrisses musste der frühere U20-Nationalspieler der USA und Ex-Profi (FSV Oggersheim und 1. FC Saarbrücken) auf dem Platz jedoch zuletzt kürzertreten. Damit ist der spielende Coach längst nicht der Einzige in dieser Saison. Bis zu 14 Spieler fehlten im Verlaufe der Runde gleichzeitig, aktuell sind es immer noch 10. "Wir haben unter anderem drei Kreuzbandrisse, einen Bandscheibenvorfall und einen Innenbandriss", fasst Strohmann zusammen, "so etwas habe ich in den 35 Jahren, in denen ich mittlerweile Fußball spiele, noch nicht erlebt. Das ist für uns als kleiner Verein nicht zu kompensieren."

Speziell das Selbstvertrauen innerhalb der Mannschaft habe unter der "Seuche" gelitten, was man während der vergangenen Partien deutlich gespürt habe, meint Strohmann. Nichtsdestotrotz bleibt er seiner Devise, die er den Spielern stets vor dem Anstoß mit auf den Weg gibt, treu. "Selbst gegen Stierstadt habe ich gesagt, dass es heute wieder drei Punkte zu gewinnen gibt", erklärt er, "gegen Eschbach ist es nicht anders. Ob es letztlich klappt, werden wir sehen." Spektakulär muten die letzten Ergebnisse der SG an. Zwei 4:5-Niederlagen (gegen Eintracht Oberursel und den FC Oberstedten) waren darunter.

ROBIN KUNZE

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare