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Ergin Cakar (Eschbach/Wernborn) findet im Dauerregen auf dem Sportplatz "Elfengrube" die Lücke zwischen Saeed Nadedry (l.) und Falk Matern (beide Wehrheim/Pfaffenwiesbach).

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Der SG Eschbach/Wernborn gelingt mit dem 4:1 ein Befreiungsschlag

Die SG Eschbach/Wernborn siegt im Spiel der Woche souverän mit 4:1 (2:0). Selbst eine halbe Stunde in Überzahl verhilft der ersatzgeschwächten SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach nicht zu einem Comeback.

Im Grunde war die Messe bereits gelesen, als Daniel Heise in der 84. Minute für die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach traf. Es war der Treffer zum 1:4, der aus einem langen Schlag von Torhüter Patrick Wehner resultierte und begünstigt wurde durch den rutschigen Rasenplatz, auf dem die Hintermannschaft der gastgebenden SG Eschbach/Wernborn nicht mehr reagieren konnte. "Macht's wie in Oberursel", rief der bereits ausgewechselte Patrick Hildebrandt (siehe Box) seinen Kollegen vom Klubheim herunter aufs Spielfeld zu.

Gegen Eintracht Oberursel war Wehrheim/Pfaffenwiesbach nämlich in der Vorwoche ab der 84. Minute zu vier Treffern gekommen. Vier Treffer, die am Spieltag zuvor beim 4:5 nicht mehr reichten, die in Wernborn aber zumindest einen Punkt bedeutet hätten. Nur: Die Gastgeber waren dieses Mal zu überlegen und brachten den Vorsprung auch in Unterzahl souverän über die Zeit.

In der 64. Minute hatte Patrick Gilles Gelb-Rot gesehen. Der Spielmacher der SG Eschbach/Wernborn wurde bei einem seiner dynamischen Vorstöße von Verteidiger Bryan Steinheimer erwischt. Steinheimer kam viel zu spät ins Tackling, was Gilles mit einem Rempler quittierte. Für diese Unsportlichkeit sah die bereits verwarnte Nummer 10 den zweiten Karton. Damit wurde ein starkes Trio, bestehend aus Gilles, Ergin Cakar und Murat Kaya, gesprengt. Allerdings stand es zu diesem Zeitpunkt dank der drei auch schon 3:0 für Eschbach/Wernborn.

Zusammenprall zwischen Tim Körner und Torwart Patrick Wehner. Der Eschbacher hebt ab.

Bereits in der 2. Minute hatte Gilles den Ball gefühlvoll und präzise vom rechten Flügel an den Fünfmeterraum geflankt, wo dann Cakar frei stehend zum 1:0 einköpfen konnte. Beim 2:0 eine Minute vor dem Gang zum Pausentee war es dann Cakar, der nach tollem Sololauf auflegte - auf den mitgelaufenen Kaya, der aus kurzer Distanz einnetzte. Kaya wiederum bereitete das 3:0 durch Jonas Hanschke direkt nach der Pause in der 48. Minute mit einem klugen "Durchstecker" vor. Und vier Minuten nach Gilles Platzverweis schraubte Cakar mit seinem zweiten Treffer den Deckel auf die Partie drauf. Nach einem Eckstoß von Kaya kam Cakar am Fünfmeterraum zum Seitfallzieher und jagte den Ball artistisch ins Netz der Gäste (68.).

Die einzige Großchance für Wehrheim/Pfaffenwiesbach - abgesehen vom Treffer zum 4:1 - ergab sich in der 74. Minute. Der eingewechselte Tobias Ketter fasste sich aus rund 30 Metern ein Herz, sein Schuss prallte jedoch ans Lattenkreuz. Ansonsten wollte offensiv nicht viel gelingen. "Wir haben verdient verloren, haben viel zu wenige eigene Chancen kreiert und haben es dem Gegner einfach gemacht, Tore zu schießen", resümierte Gäste-Coach Gregory Strohmann betrübt.

Sein Trainerkollege freute sich hingegen über eine geschlossene Mannschaftsleistung. "Die Defensive hat für die Offensive gearbeitet und umgekehrt genauso", lobte Andreas Arr-You, "auch nach dem Platzverweis für 'Patty' Gilles haben wir geschlossen gespielt, man hat nicht gemerkt, dass wir ein Mann weniger waren." Nach dem fünften Saisonsieg liegt die SG Eschbach/Wernborn nun auf dem zehnten Tabellenplatz der KOL, acht Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Diesen hat weiterhin die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach inne.

Eschbach/W. - Wehrheim/P. 4:1

Eschbach/Wernborn: Schneider - Maibach, Gajic, Schrörs, Körner (36. Brendel) - Zimmermann - Gilles, Hanschke (85. Ammelung), Wick, Cakar - Kaya (71. Wanzki).

Wehrheim/Pfaffenwiesbach: Wehner - Matern (83. Lindner), Gaumert, Steinheimer, Heise - Gräfe, Nadedry - Waldschik, Krawczyk (36. Hildebrandt), Brinkmeier (56. Ketter) - Gottfried.

Tore: 1:0/4:0 Cakar (2., 68.), 2:0 Kaya (44.), 3:0 Hanschke (48.), 4:1 Heise (84.). - Chancen: 6:2. - Ecken: 3:3. - Zuschauer: 80. Beste Spieler: Maibach, Gilles, Cakar - Heise, Waldschik. - Gelb-Rot: Gilles (64. Unsportlichkeit). - Gelb: Gilles, Schrörs, Körner, Kaya - Steinheimer, Krawczyk. Spielnote: 3+. In Anbetracht der Platzverhältnisse eine gute KOL-Partie. Schiedsrichter: Andreas Wirth (Hungen). Note: 2. Bewies die richtige Mischung aus Strenge und Fingerspitzengefühl.

Verletzungspech ohne Ende: Hildebrandt und Co. hoffen auf Rückrunde

Das hatte sich Patrick Hildebrandt ganz anders vorgestellt. "Ich bin heute Morgen aufgewacht, hatte richtig Lust auf das Spiel", erklärt der Topangreifer der SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach gestern, "aber kurz vor dem Spiel hatte ich plötzlich heftige Probleme mit dem Kreislauf." Zunächst blieb er auf der Bank, kurz vor der Pause wurde er eingewechselt, signalisierte aber dann schnell, dass es keinen Sinn mache. Es sei ihm schwarz vor Augen geworden, die Beine wollten nicht mitmachen.

Überspitzt formuliert, könnte man sagen: Hildebrandts Ausfall macht derzeit den Bock bei der SG auch nicht mehr fett. "Was in dieser Saison abgeht, habe ich so noch nie erlebt", gesteht der Stürmer mit Blick auf das aktuell große Verletzungspech. Dabei hatte sich das Team in der Sommerpause so viel vorgenommen. "Wir wollten besser abschneiden als im Jahr zuvor", sagt "Hilde". Da belegte man Rang fünf.

Doch die bis zu 14 zeitgleichen Ausfälle dämpften die Euphorie nach dem gelungenen Saisonstart (7:0 beim FC Weißkirchen) schnell. Aktuell ist man Drittletzter, zwei Punkte hinter dem Relegationsplatz, vier hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz. Das Saisonziel wurde längst der Realität angepasst.

"Wir müssen zusehen, dass wir in der Rückrunde punkten", sagt Patrick Hildebrandt, "damit wir am Ende nicht noch absteigen." Ganz klar, bei der SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach hat man sich die Spielzeit 19/20 ganz anders vorgestellt.

ROBIN KUNZE

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