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Am Boden gehört Fabian Urban zu den Punktegaranten für Drittligist TV Weißkirchen 

Sportler des Jahres Hochtaunus

Fabian Urban: Vom Achtkampf auf die Showbühne

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Kunstturnen, Musicals oder Medizin - Multitalent Fabian Urban vom TV Weißkirchen entscheidet sich für alles.

Man könnte die Geschichte über Fabian Urban mit der in Turnerkreisen schon fast legendären Geschichte beginnen, die er auch als "Sportler des Jahres" bei der Preisverleihung dieser Zeitung zum Besten gab. Als er am gleichen Tag Deutscher Meister im Deutschen Achtkampf wurde und Hauptdarsteller in einem Musical war.

Auch der verhinderte Pianist Fabian Urban taugt zum Start in den Text ebenso. Der gerade keinen günstigen Zeitpunkt zum Üben findet, obwohl er doch die meiste Zeit zu Hause und damit in der Nähe des familieneigenen Klaviers verbringt.

Vielleicht ist der beste Einstieg aber doch die Gemeinsamkeit, die Fabian Urban derzeit mit Abertausenden verbindet: Er ist ein fleißiger Heimsportler. Und was für einer.

Fleiß ist sicher einer der hervorstechenden Eigenschaften des 19-jährigen Turners des TV Weißkirchen. Aber auch seine Fröhlichkeit, Bestimmtheit und Natürlichkeit, die er sich in jedem Satz bei der Preisverleihung und im Telefoninterview erhält.

Urban mit der Trophäe für den "Sportler des Jahres".

Angesprochen auf seine künftigen Ziele - wenn Corona denn mal vorbei ist - muss Fabian Urban überlegen. Deutscher Meister im uralten Traditionsmehrkampf, einer Mischung aus leichtathletischen und turnerischen Disziplinen, ist er ja im Sommer nun geworden. Und mit seiner Mannschaft war er schon 2019 in die 3. Bundesliga aufgestiegen und hatte dort die Klassenreife bewiesen. Weshalb der TVW gerne im September eine weitere Drittliga-Saison begänne.

"Eigentlich habe ich gar nicht mehr so viele Ziele", antwortet der junge Mann also auf die Frage. Okay, noch länger auf hohem Niveau zu turnen, schiebt er dann hinterher. Der Blondschopf sieht das Ganze einfach nicht so verbissen. Das hat er mit den vielen Neuseeländern gemeinsam, die er auf einer Fernreise am anderen Ende der Welt kennenlernte. Aber was an seinen Nerven nagt, ist das ständige Heimtraining.

Damit wären wir wieder am Beginn der Geschichte. Fabian Urban zählt wahrscheinlich zu den fleißigsten In-den-eigenen-vier-Wänden-Sportlern. Jeden Abend drückt er 100 bis 200 Liegestütze ab. Er hat so kleine Holzklötzchen daheim, auf denen er den Handstand übt. Mit elastischen Terrabändern lässt sich auch so einiges für die Muskulatur tun. Aber ein Turner muss an die Geräte, um besser zu werden. Bestimmte Bewegungserfahrungen blieben zwar erhalten - das verhalte sich beim Flickflack wie beim Fahren auf dem Rad oder Schwimmen im Wasser, meint Urban. Der Zuhörer will es dem jungen Mann glauben.

Die dritte Schraube ist in Planung

Aber jetzt im Frühjahr und auch bald im Sommer, fährt Urban fort, sei die Zeit für Kunstturner, neue Übungsteile einzustudieren. Bei ihm wären das am Boden zum Beispiel der Rückwärtssalto gestreckt nicht mit zwei Schrauben, sondern mit zweieinhalb oder drei zu turnen. Wiederholungen bringen dann die Routine. Dazu muss man aber mehrere Male pro Woche in die Halle, an die Geräte. Da bringen noch so viele Liegestütze nichts. Immerhin verlässt der gebürtige Bad Homburger sein Elternhaus in Bommersheim regelmäßig, um seine Ausbildung zum zahnmedizinischen Fachangestellten fortzusetzen. Der Abschlussprüfung im Winter soll das Studium der Zahnmedizin folgen. Da hat der junge Mann mit den einstigen Leistungsfächern Sport und Biologie so klare Vorstellungen wie bei seiner Leidenschaft, dem Kunstturnen.

Seinen Onkel Martin Schönhoff habe er immer für sein Können bewundert, also landete er nach ersten Versuchen als Handballer schon früh, im Alter von acht Jahren, im Turntraining von Erich Kalhöfer. Der hat einen erstklassigen Blick für Talente, wie es der kleine Fabian war. Um Julian Peters und ihn, um nur zwei der hochveranlagten TVW-Turner zu nennen, wächst eine sich mögende und fördernde Gruppe, "die auf Leistung geht", wie es Urban bezeichnet. Bis weit nach oben haben es diese Jungs gebracht.

Zu nationalen Medaillenehren führt der Kronberger Kalhöfer, der mit fast 80 selbst noch turnt und schon einige Siegertypen hervorbrachte, seine Schützlinge Jahr für Jahr bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften.

Mit "gutem Gefühl" in den Flieger

Erstmals kam Urban in den Genuss, Deutscher Meister zu sein, in der Jugendklasse im Sechskampf, 2017 beim Deutschen Turnfest in Berlin. Er wusste es aber erst, als er schon in Frankfurt gelandet war. Die letzte Disziplin, das Kugelstoßen, hatte der Weißkirchener gerade noch absolviert, sich im Trainingsanzug flugs ins Taxi und "mit einem guten Gefühl" ins Flugzeug gesetzt. Nach der Landung erhielt er die Nachricht von seiner Goldmedaille per SMS. Echt? Wahnsinn! Pure Freude. Auf dem Rollfeld.

Auf die Siegerehrung hatte der Junge verzichtet, der Förderverein des Gymnasiums Oberursel den Flug spendiert, seine Mutter ihn vom Airport abgeholt. In der Musical-Premiere der Schule durfte am Abend doch nicht der Hauptdarsteller fehlen. "Etwas frisch gemacht habe ich mich aber schon noch", flachst Urban. Als deutscher Juniorenmeister, zwei Jahre später in Eutin, bestieg er aber das Siegerpodest. Er hatte sich gegen acht Konkurrenzen in den Disziplinen Boden, Sprung, Barren, Reck, 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen und Schleuderball durchgesetzt.

Urban turnt am Reck eine Riesenfelge. 

Fabian Urban kann als Multitalent bezeichnet werden. Wenn er sich zwischen dem Sportlichen und Musikalischen entscheiden müsste, fiele ihm das sicher nicht leicht. Doch diese Frage stellt sich nicht. Liegestützen und Handstände haben Vorrang, schon weil sie jederzeit durchführbar sind. Zum Klavierspielen käme er momentan nur abends. Theoretisch. Da aber, sagt der "Sportler des Jahres" im Hochtaunus augenzwinkernd, sehne sich seine Familie nach Homeoffice, Homeschooling und allem, was dazu gehört, eher nach Ruhe.

Marlon und Laurens eifern dem großen Bruder nach

Fabian Urban (19) ist der älteste von drei Brüdern, deren Passion das Turnen ist. Marlon (17) und Laurens (13) eifern ihm nach und sind ebenfalls sehr talentiert. Marlon gehört wie Fabian der Drittliga-Riege des TV Weißkirchen an und turnt mit ihm im Team Hessen. Er gewann 2019 bereits einen Bundeswettkampf des DTB. Laurens turnte in seinen jungen Jahren schon den Sechskampf beim Deutschland-Cup.

Privat liiert ist Fabian Urban übrigens mit einer ebenfalls talentierten Sportlerin: Hochspringerin Anabel Peine von der LG Eintracht Frankfurt.

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