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Schon immer ein Mann, der nicht um den heißen Brei herumredet: Michael Caspari, Sportlicher Leiter des FC Neu-Anspach.

Fußball Hochtaunus, Interview

So fällt die Zwischenbilanz von Anspachs Manager Caspari aus

Im Interview mit der Taunus Zeitung geht Michael Caspari auf seinen FC Neu-Anspach, die Gruppenliga und die Schiedsrichter-Problematik ein.

Wohin geht die Reise für den FC Neu-Anspach in der Spielzeit 2019/20? Vor Rundenbeginn hatte darauf nicht einmal Sportchef Michael Caspari eine plausible Antwort geben können. Zu groß war der Umbruch im Kader, zu stark und ausgeglichen schien die Fußball-Gruppenliga Frankfurt/West.

Nach 18 Spielen lässt sich ein erstes Zwischenfazit ziehen, und dieses fällt positiv aus: Der FCNA steht mit 30 Punkten auf dem sechsten Platz, nur sechs Punkte hinter dem Tabellenzweiten SC Dortelweil. Vor dem Heimspiel gegen die DJK Bad Homburg (Sonntag, 14.45 Uhr) sprach TZ-Reporter Robin Kunze mit Caspari über den Stand der Liga, das morgige Taunusderby, seinen Rücktritt im kommenden Jahr und ein zentrales Problem im Amateurfußball.

Herr Caspari, im Sommer wurde sehr viel über die vermeintlich hohe Qualität der Gruppenliga gesprochen. Wie stark ist die Liga wirklich?

Eine sehr gute Frage. Ich glaube, ganz so stark, wie wir alle im Vorfeld gedacht hatten, ist sie dann doch nicht. Aber sie ist sehr, sehr ausgeglichen. Viel ausgeglichener als noch in den vergangenen Jahren. Du bekommst gegen keine Mannschaft etwas geschenkt. Auch gegen den TSV Vatanspor, dem aktuellen Tabellenletzten, musst du richtig Fußball spielen, sonst erlebst du eine böse Überraschung.

In der vergangenen Runde hatte Sie moniert, dass es keinen absoluten Meisterschaftsfavoriten gegeben habe. Gibt es jetzt einen solchen?

Ich denke, die Spvgg. Oberrad wird die Meisterschaft wohl holen - und das dann auch zu Recht. Sie mussten zwar häufig Spiele am Schluss noch umdrehen, aber das hat nichts mit Glück, sondern mit Qualität zu tun. Richtig spannend wird es aber noch im Abstiegskampf und im Kampf um Platz zwei.

Wo ordnen Sie die eigene Mannschaft vor dem morgigen Derby gegen die DJK Bad Homburg ein? Im Sommer waren Sie sich ja noch sehr unsicher, wie gut das neuformierte Team wirklich sein kann.

Absolut, ja. Da hatten wir sehr, sehr großen Respekt vor der Leistungsdichte der Liga. Wenn wir die drei Punkte am Sonntag bei uns behalten, dann könnten wir aus einer bisher guten Vorrunde noch eine sehr gute machen. Aber wir haben auch das Hinspiel noch im Kopf (Anm. d. Red.: Damals setzte sich die DJK mit 3:1 durch). Ich finde, dass wir da als die bessere Mannschaft verloren haben. Die Bad Homburger haben Qualität, wir aber auch. Es begegnen sich also zwei Mannschaften auf Augenhöhe. Kleinigkeiten werden den Unterschied ausmachen.

Wurmt es Sie, dass einige Punkte wegen der Verletztenmisere liegengelassen wurden?

Das hat auch mit den Verletzten zu tun, keine Frage. Aber nicht nur. Mit drei, vier Punkten mehr wären wir ganz vorne dabei. Natürlich fuchst das einen schon ein bisschen. Aber wir befinden uns in einem Entwicklungsprozess, der eben auch Zeit benötigt. Wir haben eine echt coole Truppe zusammen, mit der es wirklich richtig Spaß macht - und 30 Punkte haben wir auch, was ja nicht so schlecht ist.

Bei allem Spaß - der Tag Ihres Rücktritts als Sportlicher Leiter rückt mit jedem Saisonspiel näher. Denken Sie schon mit Wehmut an das Saisonende?

Nein, nein, überhaupt nicht. Es wird schon in der Rückrunde einen fließenden Übergang geben. Ich werde dann schon etwas weniger machen, mein Nachfolger Jerome Lehmann, der ein super Typ ist, wird mehr eingebunden. Uli Hoeneß sagte zuletzt 'Vielen Dank, das war's'. Sportlich beziehe ich das auch auf mich, aber das heißt nicht, dass ich mit dem FC Neu-Anspach fertig bin. Wer das gehofft hat, den muss ich leider enttäuschen (lacht). Ich verbleibe im geschäftsführenden Vorstand, werde mich da beispielsweise verstärkt ums Sponsoring kümmern, was heutzutage immer wichtiger wird.

Eine letzte Frage, die nicht direkt den FCNA betrifft. Zuletzt wurden Mannschaften im Hochtaunuskreis mit Punktabzügen bestraft, da sie das Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt haben. Halten sie diese Form der Bestrafung für fair?

Na ja, das Thema ist sowieso ein ganz großes. Über eines müssen wir uns im Klaren sein: Wenn es keine Schiedsrichter mehr gibt, gibt es auch keine Spiele mehr. Wenn jeder Verein - da schließe ich den FCNA mit ein - sich so um die Schiedsrichter bemühen würde, wie wir uns um Spieler bemühen, die halbwegs drei Meter geradeaus laufen können, hätten wir dieses Thema in Deutschland nicht. Wir brauchen Schiedsrichter, wie wir auch Jugendmannschaften brauchen. Da muss sich jeder Verein hinterfragen. Punktabzüge halte ich zwar nicht unbedingt für fair. Aber was im Leben ist denn schon fair!

Die Fakten: FC Neu-Anspach versus DJK Bad Homburg

In einem Punkt sind sich Michael Caspari, Sportchef beim FC Neu-Anspach, und Enis Dzihic einig. "Ich sehe es wie Michael, das Spiel am Sonntag wird sehr wahrscheinlich packend, eng und durch Kleinigkeiten entschieden", so der Trainer der DJK Bad Homburg. Insgesamt sieht er einige Parallelen zwischen seiner Mannschaft und dem morgigen Gegner, den er in dieser Spielzeit mehrmals vor Ort beobachtet hat. Beide Teams seien jung, hungrig, spielstark, aber eben auch nach einem größeren Umbruch im Sommer noch nicht bei hundert Prozent. "Wir hatten 12, 13 Neuzugänge, da ging es für mich erst einmal darum, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben", sagt Dzihic, "dass wir dann zeitweise sogar Zweiter, Dritter waren, hat im Umfeld eine gewisse Erwartungshaltung geschürt." Von dieser lässt sich der DJK-Trainer aber nicht blenden. Er sieht seine Mannschaft auf einem guten Weg, ist zufrieden mit dem Verlauf der Hinrunde und sagt nach dem jüngsten 2:2 gegen Tabellenführer Spvgg. Oberrad: "Wir sind noch keine absolute Spitzenmannschaft, aber wir können zur Winterpause zwischen dem dritten und sechsten Platz stehen. Das ist schon ein Erfolg, wenn man schaut, wo wir herkommen."

ROBIN KUNZE

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