In dieser Szene gegen Kristin Kostadinova hat Isabel Gregor (rechts) das Nachsehen. Dem Talent der Falcons gelang im Spiel gegen Mainz jedoch ein "Double-Double": eine zweistellige Trefferzahl an Punkten und Rebounds. foto: gerhard strohmann
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In dieser Szene gegen Kristin Kostadinova hat Isabel Gregor (rechts) das Nachsehen. Dem Talent der Falcons gelang im Spiel gegen Mainz jedoch ein "Double-Double": eine zweistellige Trefferzahl an Punkten und Rebounds.

Basketball, 2. Bundesliga Süd

Bad Homburg Falcons: Drei Double-Doubles und ein Stuhltritt

Zunächst steht Trainer Jay Brown im Mittelpunkt. Dann drehen Bad Homburgs Zweitliga-Basketballerinnen gegen Mainz auf.

Beim Namen Bobby Knight schwirrt den eingefleischten Fans des US-Basketballs ziemlich sicher eine ganz bestimmte Szene durch den Kopf. Es war das Jahr 1985, als die Trainer-Ikone beim Spiel seiner Mannschaft Indiana gegen Purdue mächtig Dampf abließ. Nach einer minutenlangen Schimpftirade an der Seitenlinie schnappte sich Knight einen unbesetzten Stuhl aus der ersten Reihe und pfefferte ihn aufs Spielfeld.

Eine Szene, die auch Jay Brown bekannt ist und die der Trainer der Bad Homburg Falcons am Samstag während der Zweitligapartie gegen den ASC Theresianum Mainz mit seiner eigenen Interpretation huldigte. Anfang des zweiten Viertels brodelte es in Brown, weswegen er einem in der Nähe stehenden Stuhl einen kräftigen Tritt verpasste. Wie einst auch Knight, bekam er dafür ein technisches Foul angekreidet.

Eine Reihe entscheidender Unterschiede gibt es aber zwischen Knight und Brown. Der wichtigste: Während Indiana 1985 die Partie verlor, blieben die Falcons am Samstag siegreich. Mainz wurde deutlich mit 84:55 geschlagen.

Im Vergleich zu Knight, der sich damals über die Schiedsrichter echauffierte, galt Browns Geste hingegen dem eigenen Team. Bis zum "Stuhl-Kick" agierten seine Spielerinnen fahrig, gewannen das erste Viertel nur knapp mit 17:15. "Ich habe mir schon etwas bei der Aktion gedacht", verriet Brown später mit schelmischem Grinsen, "danach sind die Mädels auch aufgewacht."

Den zweiten Abschnitt gewannen sie hoch mit 21:5 - ein vorentscheidender "Etappensieg", denn die Gäste blieben bis zum Schluss unangenehm. Falcons-Routinier und Ex-Mainzerin Gergana Georgieva hatte bereits im Vorfeld vor der aggressiven Spielweise des Gegners gewarnt - "Geri" war jahrelang eine Mainzerin und sollte Recht behalten.

Kleiner Gegner spielt "Small-Ball"

Der Gast verstand es gut, einen vermeintlichen Schwachpunkt in eine Stärke umzumünzen. Über groß gewachsene Spielerinnen der Marke Georgieva verfügt man nämlich nicht (mehr), doch im "Small-Ball" - einer Aufstellung mit fünf kleineren Spielerinnen - übte man kontinuierlich hohen Druck aus.

Das Ergebnis: Die sonst so sicheren Falcons schenkten einen Ball nach dem anderen her. "Wir haben uns viel zu viele Turnover erlaubt", analysierte Brown, "25 Ballverluste ist nicht das, was wir leisten können und wollen. Dazu hat der Gegner mit seiner unstrukturierten Spielweise natürlich beigetragen." Auch Mainz warf 22 Bälle weg, weswegen die Partie zwar umkämpft, nicht aber hochklassig war.

Insgesamt hatte sich Brown mehr Konstanz von seinem Team gewünscht, unterm Strich sei er jedoch am Ende mit der Reaktion zufrieden gewesen. Ein Sonderlob erhielt "Geri" Georgieva, die einst viele der Mainzerinnen in deren U15 trainiert hatte. "So ganz kann man das Emotionale natürlich nicht ausblenden", sagte Brown, "doch sie hat es wieder mal sehr gut gemacht." Die Zonenspielerin legte ein Double-Double auf: Sowohl ihre Punktzahl (17) als auch die Anzahl ihrer Rebounds (13) fielen zweistellig aus.

Diese höhere Basketballkunst gelang auch Isabel Gregor (jeweils 11 Punkte und Rebounds) sowie Laken James (25 Punkte, 11 Rebounds) - tolle Werte, angesichts derer es manchen Anhänger im Feri-Sportpark nicht mehr auf den Sitzen hielt. Dass ein Stuhltritt zur regelmäßigen Motivationsspritze der Falcons wird, davon ist dagegen nicht auszugehen.

ROBIN KUNZE

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