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Falcons: Ehrgeizig und homogen dem großen Ziel entgegen

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Von: Thorsten Remsperger

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Temperamentvoll: Gergana Georgieva (2. von rechts) vertrat gemeinsam mit Bernd Betz gestern Abend Jay Brown als Coach der Falcons Bad Homburg gegen die SG Weiterstadt. Tosca Steinhoff, Natalia Brüning und Annika Holzschuh (von links) hören gebannt zu.
Temperamentvoll: Gergana Georgieva (2. von rechts) vertrat gemeinsam mit Bernd Betz gestern Abend Jay Brown als Coach der Falcons Bad Homburg gegen die SG Weiterstadt. Tosca Steinhoff, Natalia Brüning und Annika Holzschuh (von links) hören gebannt zu. © Gerhard Strohmann

Bad Homburg bleibt nach dem 77:45 gegen Weiterstadt Tabellenführer der 2. Liga Süd. Warum die Falcons auch eine eher solide Vorstellung voranbringt.

Bad Homburg -Heute Abend sind Jay Brown und Bernd Betz wieder für ein längeres Telefonat verabredet. Das kann wirklich dauern, denn die Basketball-Trainer der Falcons Bad Homburg haben sich dann den Auftritt ihrer Spielerinnen auf Video gerade angeschaut und betreiben mit allerhand statistischen Daten eine akribische Spielanalyse.

Vielleicht fällt sie noch ein wenig umfangreicher als sonst aus, denn Headcoach Brown war beim standesgemäßen 77:45-Sieg seines Teams gegen die SG Weiterstadt - es spielte der Spitzenreiter gegen das Schlusslicht der 2. Bundesliga Süd - am frühen Sonntagabend gar nicht live dabei. Nach einer Coronainfektion im familiären Umfeld und einem eigenen negativen Testergebnis wollte er trotzdem kein Risiko eingehen und blieb daheim.

Unter dem Strich war Betz nach dem völlig ungefährdeten zehnten Sieg in Serie vor den 60 erlaubten Besuchern im Primodeus-Park nicht so wirklich zufrieden. Das ist freilich Jammern auf hohem Niveau. Denn schon zur Pause hatten die Korbjägerinnen der Homburger TG mit 37:17 geführt und wiesen die meiste Zeit der Partie ungefähr doppelt so viele Punkte wie die Weiterstädterinnen auf. Aber das hohe Niveau wollen die Trainer mit ihren Falcons schließlich auf dem Spielfeld halten - und zwar bis zum Saisonende.

"Wir haben eine so homogene Mannschaft, alle sind extrem ehrgeizig", sagte Co-Trainer Betz. "Wir wollen das Ding einfach mal gewinnen." Heißt: "Auf jeden Fall in der Punktrunde Erster bleiben", wie die junge Spielmacherin Isabel Gregor das kurzfristige Ziel formulierte. In den Playoffs, in denen die Falcons Dauergast sind, wollen sie dann endlich den längsten Atem haben. Meister werden - das wär's.

Betz hatte im Hessenderby Unterstützung von der noch verletzten Gergana Georgieva auf der Bank erhalten. Sie ist Inhaberin der Trainerlizenz und sonst für das Regionalliga-Team zuständig. In seiner ersten Analyse verwies der hochmotivierte Assistenztrainer zunächst auf die nur 46-prozentige Trefferquote aus der Nahdistanz. Angesichts einer drückenden Überlegenheit bei den Rebounds (51:31) hätten mehr Punkte herausspringen müssen.

"Die Pässe kamen manchmal nicht so gut von innen nach außen", merkte auch die junge Isabel Gregor, die nach ihrem überstandenen Nasenbeinbruch noch Spielpraxis benötigt, kritisch an. Man habe nicht die Energie aufs Feld bekommen wie kürzlich beim fulminanten 121:28 bei den bemitleidenswerten Ludwigsburgerinnen, monierte Betz.

Was in der ausführlichen Spielstatistik aber ebenfalls aufgeführt ist, sind die Spielzeiten. Mit Isabel Gregor (21:25 Minuten), Emma Rhein (15:07), Tosca Steinhoff (9:34) und der 18-jährigen Debütantin Aaliyah Pfeifer (2:39) bekamen eigene Talente teilweise recht hohe Einsatzzeiten, was aber zu keinem Bruch im Spiel des Spitzenreiters führte.

"Feuer" in der Abwehr entfacht

Die Formation der Falcons wechselte in der zweiten Halbzeit ständig. Das war auch absolut so gewollt. Angesichts der deutlichen Führung gegen die nie aufsteckenden, aber mit nur acht Spielerinnen angetretenen Gäste, wurden fleißig schon taktische Varianten für das schwere Auswärtsspiel bei Jahn München (Samstag, 20 Uhr) ausprobiert. Freilich ohne den überraschenderweise erst einmal siegreichen Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen.

Beispielsweise ordneten Betz/Georgieva "Fire" in der Abwehr an. Das heißt, die ballführende Spielerin wird energisch gedoppelt und der Rest muss sich in Unterzahl sortieren. Oder es wurde über das ganze Feld oder in der Zone verteidigt. Auch wenn es bei der Ausführung der Vorgaben manchmal noch etwas haperte, reihte sich jede Akteurin nahtlos ins Spiel ein oder nahm - wie die US-Amerikanerin McKenzie Johnston, für diese Liga ein Point Guard der Extraklasse - ohne zu murren auch mal länger auf der Bank Platz.

Dass die Falcons auf jeder Position gute Alternativen haben, könnte in der finalen Phase der Saison den Ausschlag geben. Schon in München muss das Team womöglich einen Ausfall kompensieren. Topscorerin Elizabeth Klinker - Betz: "Die beste Athletin, die wir hier je hatten" - prallte in der ersten Halbzeit nach einem Schnellangriff unglücklich gegen die Wand. Ihr geschwollener Fuß musste am Sonntagabend noch im Krankenhaus untersucht werden.

Falcons: Worthmann (15/davon 5 Dreier), Klinker (12), Kämpf (11), Garmendia Odriozola (10), Brüning (8/1), Rhein (6/2), Holzschuh (5/1), Johnston, Sagerer (je 4), Gregor (2), Steinhoff, Pfeifer. - Weiterstadt: S. Gießelbach (12/2), M. V. Beuck (10), Lehnert (8/1), Kolb (5), Beck (4), K. M. Beuck, Peljton, C. Gießelbach (je 2).

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