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Nerea Garmendia (Falcons Bad Homburg, rechts) im Dribbling.

Basketball, 2. Bundesliga

Die Falcons Bad Homburg stürmen zum 108:36

Die Falcons springen auf den dritten Platz. Warum der Bad Homburger Zweitligist gegen Saarlouis/Dillingen Charakterstärke beweist.

Im Sport können Welten liegen zwischen dem Innehaben der Favoritenrolle und dem Gerechtwerden selbiger. In der Regel ist es für deutlich überlegene Mannschaften eine Charakterfrage, ob sie sich gegen unterlegene Teams zur Bestleistung motivieren können. Im Fall der Falcons Bad Homburg kann man festhalten: Die Basketball-Frauen der HTG Bad Homburg sind charakterstark. In der Südstaffel der 2. Bundesliga schlug der Favorit die Saarlouis/Dillingen Diamonds souverän mit 108:36 (30:7, 29:7, 28:8, 21:14).

Schon von der ersten Sekunde an nahmen die Gastgeberinnen die Favoritenrolle an. Center Gergana "Gerry" Georgieva gewann den Sprungball gegen Sarah Belzer, zehn Sekunden später wurde sie von Nerea Garmendia mustergültig unter dem Korb in Szene gesetzt. 2:0 für die Falcons - noch ehe die Diamonds mussten, wie ihnen geschah. "Der Gegner war ersatzgeschwächt", betonte Falcons-Trainer Jay Brown, "sie mussten auf Wendion Bibbins verzichten". In der Tat ist die US-Amerikanerin normalerweise der Dreh- und Angelpunkt. In ihrer Abwesenheit hatten es die Teamkolleginnen an beiden Enden des Spielfelds enorm schwer. So fiel gar nicht auf, dass auch die Falcons auf ein Quartett, bestehend aus Lisa-Marie Kämpf, Leah McDerment, Sarah Kuschel und Lejla Jugo, verzichten mussten. Bereits nach dem ersten Viertel führten sie mit 30:7.

Obwohl ein Comeback der Gäste nur schwer vorstellbar erschien, ließ das Team von Coach Brown nicht nach. Das zweite Viertel begannen die Falcons mit einer aggressiven Ganzfeldpresse, die dem Aufbauspiel der Diamonds gehörige Probleme bereitete. Speziell Isabel Gregor luchste dem Gegner ein ums andere Mal den Ball ab. Insgesamt kam die 18-Jährige auf überragende neun Steals.

Mit neun Rebounds und 16 Punkten bewies Gregor zudem auch ein starkes Stellungsspiel am Brett sowie schnelle Beine auf dem Weg zum Korb. Immer wieder animierte Brown von der Seitenlinie zum temporeichen Attackieren ("Push it, push it!!!"), und niemand setzte diese Vorgabe besser um als der Shooting Guard mit der Trikotnummer 4. Als Gregor Ende des dritten Viertels einen Ballgewinn verzeichnete, da waren ihre Beine kurzzeitig sogar zu schnell für ihre eigenen Hände. Den Korb fest im Blick verlor sie im Dribbling den Ball, fing ihn allerdings sofort wieder auf und verwandelte in derselben Bewegung zum 87:22.

Gregors Gegenstück im Frontcourt war Georgieva, die mit 27 Punkten zur besten Werferin avancierte und auch noch elf Rebounds sammelte. Auch das war an dem Abend der Spitzenwert, allerdings teilte sich Georgieva diesen mit Falcons-Neuzugang Laken James (siehe Extra-Text).

"Wir haben unsere Hausaufgaben erledigt, waren das überlegene Team", so Brown, "die Diamonds haben aber 40 Minuten lang couragiert dagegengehalten." Trotzdem weiß der Falcons-Trainer, dass sich seine Mannschaft an anderen Vereinen orientieren muss. "Wenn unsere Verletzten gesund werden, gehören wir zu den besseren Mannschaften der Liga", betont Brown, "dann wollen wir Würzburg und Bamberg Paroli bieten". Die beiden genannten Teams liegen auf Platz eins und zwei, die Falcons kommen danach an dritter Stelle. Es ist Bad Homburg durchaus zuzutrauen, diese Rangfolge bis zum Saisonschluss noch zu verändern.

Laken James: "Ein absolut positiver Leader"

Diese Premiere konnte sich sehen lassen: Beim ersten Spiel vor heimischen Publikum legte Laken Elizabeth James 25 Punkte, elf Rebounds, sechs Vorlagen und fünf Steals auf. Nicht aufgeführt in der offiziellen Liga-Statistik sind die Aha-Effekte, für die der Falcons-Neuzugang sorgte. Step-back-Dreier am Ende der Wurf-Uhr? Hat die 24-Jährige im Repertoire. Crossover-Dribbling und Spin-Move? Ebenfalls. Behind-the-back- und No-look-Pässe? Aber sicher. Das Beeindruckende an diesen Finten ist, dass sie bei dem Point Guard keine Showeinlagen sind. So gut wie alles, was sie macht, hat Hand und Fuß. Neben rein sportlichen Aspekten zeigte James in ihrem erst zweiten Spiel auch schon eine gute Bindung zu den Mitspielerinnen, feuerte sie nach gelungenen Aktionen an und baute sie nach misslungenen auf. "Sie ist ein absolut positiver Leader. Man wird aus ihrem Mund nie ein negatives Wort hören", lobt Jay Brown. Was der Falcons-Coach anfügt, klingt fast wie eine Drohung für die Konkurrenz: "Sie hat in der Offensive noch Abstimmungsprobleme, doch es wird mit jedem Training und jedem Spiel besser."

ROBIN KUNZE

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