Gedankenspiele bei Anna Heise (Jahn München, li.): Was mag Nerea Garmendia (Falcons Bad Homburg) jetzt wohl vorhaben? FOTO: strohmann
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Gedankenspiele bei Anna Heise (Jahn München, li.): Was mag Nerea Garmendia (Falcons Bad Homburg) jetzt wohl vorhaben?

Basketball, 2. Bundesliga Süd

Falcons Bad Homburg: Wenn ein Kantersieg zur Nebensache wird

Die Falcons gewinnen in der 2. Liga mit 88:60 gegen Jahn München. Sie greifen ihrem Trainer Jay Brown in dessen schwersten Stunden unter die Arme.

Die Falcons Bad Homburg bezwangen gestern Nachmittag in der 2. Basketball-Bundesliga Süd (Frauen) die TS Jahn München klar und deutlich mit 88:60 und festigten dadurch ihren dritten Tabellenplatz. Doch der Sieg verkam zur absoluten Nebensache, muss der Verein und speziell Jay Brown doch einen unermesslichen Verlust betrauen.

Ingrid Brown, Mutter des Trainers und seit fünf Jahren engagiertes Mitglied im Organisationsteam des Clubs, war in der Vorwoche überraschend verstorben. "Es war die schwerste Partie, die ich jemals gecoacht habe", erklärte Jay Brown, "meine Mutter war mein größter Fan. Als ich in der Jugend Fußball, später dann Basketball spielte, hat sie nicht ein einziges Spiel von mir verpasst." Noch vor knapp drei Wochen feuerte sie ihren Sohn und dessen Mannschaft im Feri-Sportpark an. Am Sonntag erhob sich dort das Publikum, um mit einer Schweigeminute dem Verlust zu gedenken. Zudem liefen die Gastgeberinnen in schwarzen, statt wie üblich in weißen Trikots auf.

"Meine Mutter wäre stolz gewesen"

"Sie haben heute für meine Mutter gespielt und sich voll reingehängt", lobte Jay Brown nach der Partie all seine Spielerinnen, "ich bin stolz. Und meine Mutter wäre es auch gewesen." Die hohe Einsatzbereitschaft der Falcons lässt sich nicht zuletzt auch mit Zahlen belegen. So holten die Gastgeberinnen beispielsweise 39 Rebounds und damit zehn mehr als die Gäste. Zudem klaute man den Münchnerinnen gleich 15 Bälle. Doch der Unterschied zu den Vorwochen, in denen Bad Homburg die Spiele dominiert hatte, lag in der Wehrhaftigkeit der TS Jahn, die selbst zehn Steals erzwang und trotz eines frühen Rückstands zu keinem Zeitpunkt aufsteckte. Nach knapp zwei gespielten Minuten führten die Falcons mit 10:0, Ende des ersten Viertels betrug die Führung sogar 24:9. Von diesem Vorsprung zehrte man in der Folge dann aber, denn die nächsten Spielabschnitte endeten mit 16:10, 25:22 und 23:19 deutlich knapper.

Besonders Emily Bessoir war nur schwierig zu verteidigen. Die 1.92 Meter lange Innenspielerin legte in knapp 30 Minuten 14 Punkte, 8 Rebounds und 4 Steals auf, streute dabei auch zwei Dreipunktwürfe mit ein. Trotz ihrer erst 18 Jahre wirkte sie bereits sehr ausgereift - und so überrascht es nicht, dass sie künftig für das Top-US-College UCLA (University of California, Los Angeles) auflaufen wird.

Eine Spielerin, die einen ähnlichen Mix aus Physis und Wurfgeschick mitbringt, ist Lisa-Marie Kämpf. Die 1.88 Meter große Spielerin stand für die Falcons knapp über 27 Minuten auf dem Feld. Dem Sommerneuzugang, der wochenlang wegen einer Knöchelverletzung ausgefallen war, fehlte es speziell in der Verteidigung noch deutlich an der Bindung zu ihren Mitspielerinnen, doch offensiv deutete sie ihr großes Potenzial schon an: Elf Punkte bei einer traumhaften Trefferquote von 62 Prozent sind sehr ordentlich.

Einen deutlich schwächeren Tag erlebte die routinierte Nerea Garmendia. Sie versenkte nur knapp ein Drittel ihrer Würfe - kam aber trotzdem auf starke 18 Punkte, 11 Rebounds, 5 Vorlagen und 4 Steals. Die Spanierin steht damit sinnbildlich für ihre Mannschaft, denn aktuell kann man bei den Falcons Bad Homburg allenfalls auf sehr hohem Niveau meckern. Das Team liegt derzeit auf dem dritten Platz der 2. Bundesliga Süd und steht nun kurz vor dem abschließenden Höhepunkt des Sportjahres 2019. Am kommenden Samstag sind die zweitplatzierten Qool Sharks Würzburg zu Gast im Feri-Sportpark. Das Hinspiel verlor man zwar, doch mit einem Sieg am kommenden Wochenende könnte man den Konkurrenten in der Tabelle überholen.

Robin Kunze

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