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Macht auch am Mikrofon eine gute Figur: Max Olbrich, Spielführer der Eisbachtaler Sportfreunde.

Serie: Die Kapitäne

Der famose "Sechser" zieht jetzt Zähne

  • Marion Morello
    vonMarion Morello
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Sie genießen den Respekt ihrer Mitspieler und der Trainer, tragen die Binde am Arm mit Stolz und haben etwas zu sagen: die Kapitäne. Im Vereinsdress auf dem Platz kennt man sie als "Leader" ihrer Mannschaft. Wir wollen wissen, wer der Mensch ist, der in diesem Trikot steckt. Heute lernen wir Max Olbrich vom Fußball-Oberligisten Eisbachtaler Sportfreunde kennen.

Ein Kapitän, der eineinhalb Jahre nicht mehr gespielt hat - gibt's nicht? Gibt's doch. Und zwar bei den Eisbachtaler Sportfreunden in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Der gerade 25 Jahre "alt" gewordene Mann heißt Max Olbrich. Er hat den Shutdown im Frühjahr und auch den aktuellen sehr positiv für sich genutzt. Zum einen hat er seinen so schlimm verletzten Fuß wieder funktionstüchtig gemacht, zum anderen sein Studium der Zahnmedizin erfolgreich abgeschlossen. Seit wenigen Tagen darf er sich "Zahnarzt" nennen. Beachtlich für sein bescheidenes Alter.

Am linken Fuß war so gut wie alles kaputt

"Mir war gleich klar, dass was Schlimmes passiert ist", beschreibt Max Olbrich den Moment, als er im Oberliga-Spiel am 5. Mai 2019 beim SV Malberg gefoult worden war. An seinem linken Fuß war so ziemlich alles kaputt, was kaputt gehen kann: unter anderem das Syndesmoseband - eine äußerst schmerzhafte Angelegenheit.

In der Vorbereitung zur ersten Oberliga-Saison gab es dann prompt den Rückschlag für Max Olbrich: Im Fuß hatte sich ein Knochenmarksödem gebildet. Die kleinste Belastung hätte zur Fraktur führen können. Also wieder Pause. Diesmal allerdings entschied sich Max Olbrich für ein MRT (Magnetresonanztomographie). Ergebnis: schwerwiegender Knorpelschaden vierten Grades. Viel Hoffnung konnte ihm sein behandelnder Arzt in der Hessing-Klinik in Augsburg nach der Operation im Februar 2020 nicht machen. Er könne froh sein, wenn er irgendwann wieder schmerzfrei würde gehen können, so die niederschmetternde Diagnose. Tolle Aussichten. 

"Mein Vorteil war, dass ich in meinem jungen Alter noch gute Heilkräfte habe", sagt Max Olbrich. Ergo arbeitete er professionell im Reha-Zentrum an seinem Studienort Mainz - und das Wunder geschah: Kurz vor dem zweiten Sport-Lockdown hat er wieder mit dem Mannschaftstraining begonnen und war auf einem wirklich guten Weg. "Ich verpasse jetzt nicht viel", weiß Max Olbrich, "der Lockdown beschert mir zusätzliche Zeit." Dass er Kapitän "kann", hat er schon in frühester Jugend unter Beweis gestellt. Von seinem Heimatverein TuS Ahrbach war er seinerzeit zu den Eisbachtaler C-Junioren unter Trainer Christof Dillmann gewechselt und spielte dort in der Regionalliga Südwest. 

"Als ich in die Rheinland-Auswahl berufen wurde, hat man mich gleich zum Kapitän ernannt", erzählt Max Olbrich. Von den A-Junioren der "Eisbären" schaffte er nonstop den Sprung in die 1. Mannschaft. Dem damaligen Coach Norbert Reitz war das Talent des typischen "Sechsers" nicht entgangen. Er schenkte ihm das Vertrauen und wurde für den Mut mit durchweg guten Leistungen belohnt. Seinerzeit trug noch Manuel Haberzettl die Kapitänsbinde in der 1. Mannschaft. Nach dessen Weggang ernannte Trainer Marco Reifenscheidt in Abstimmung mit dem aus allen Altersstrukturen zusammengesetzten Mannschaftsrat Max Olbrich zum "Boss" auf dem Spielfeld.

Und der Coach gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn er von Max Olbrich spricht: "Max hat schon viele Rückschläge erlitten, aber die haben ihn stark gemacht. Er ist immer nah an der Mannschaft, macht sich stets Gedanken, ist ein dominanter Typ auf dem Platz." Er sei zwar ein ruhiger Mensch, aber dennoch ein meinungsstarker, der nicht zu allem "ja" und "Amen" sage, weiß der Trainer. "Zudem zeigt er stets große Loyalität gegenüber der Mannschaft und auch dem Verein", setzt Marco Reifenscheidt den Punkt unter seine positive Einschätzung.

Kapitäns-Vertretung durch Niklas Kremer

Nicht ungünstig ist natürlich die Tatsache, dass Max Olbrich ein ungewöhnlich starker "Sechser" ist, um den die Eisbachtaler von vielen höherklassigen Vereinen beneidet werden. Da ist es fast schon tragisch, dass der Defensiv-Ästhet aufgrund seiner hartnäckigen Verletzung bislang kein einziges Oberliga-Spiel der Sportfreunde bestritten hat. Während seiner verletzungsbedingten Abwesenheit hat Torwart Niklas Kremer meist stellvertretend die Kapitänsbinde getragen. "Max das Amt zu entziehen, nur weil er verletzt ist, stand nie zur Disposition", sagt Marco Reifenscheidt mit Bestimmtheit.

Max Olbrich schätzt sein "Standing" innerhalb des Teams sehr realistisch ein. "In erster Linie bin ich fußballerisch gut ausgebildet, aber es geht natürlich auch um die menschlichen Komponenten bei der Ernennung des Kapitäns", sagt der 25-Jährige. "Ich bin teamfähig, verstecke mich nicht, kann ganz gut organisieren und kommunizieren. Es gelingt mir eigentlich immer, alle mit ins Boot zu nehmen", so Max Olbrich selbstbewusst. Er könne durchaus auch schon mal laut werden auf dem Platz, sagt er. Und er habe ein keinesfalls distanziertes Verhältnis zu Trainer Marco Reifenscheidt; im Gegenteil, sei er in vielen Dingen dessen direkter Ansprechpartner, wenn es etwa darum gehe, die Stimmung im Team abzufragen, oder darum, wie dies oder das zu lösen sei.

Als Kapitän hat er feste Aufgaben. "In den letzten Minuten vor dem Spiel halte ich in der Kabine auch mal eine kurze motivierende Ansprache, und vor dem Anpfiff hole ich alle in den Spielerkreis zusammen", berichtet der Zahnarzt, der jetzt in seine zweijährige Assistenzzeit startet und "auf Praxissuche" ist. Da kommt ihm sicherlich die Tatsache zugute, dass seine Tante, Dr. Susanne Friedrich, in Hundsangen praktiziert.

Zudem steht in der unmittelbar nächsten Zeit seine Doktorarbeit auf dem Programm. Das Thema liegt bereits der Ethikkommission der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz vor: Es geht um die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte. Aber vorher richtet er sich mit seiner Freundin Klara erst einmal ein gemütliches "Nest" in Koblenz ein. 

In unserer nächsten Folge geht es um einen gelernten Bankkaufmann, der sich komplett dem Sport verschrieben hat.

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