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Konzentration unterm Korb: Sarah Scheibinger (Elangeni Falcons).

Sport im Hochtaunus

Die Faszination am Runden

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Zeit, um sportliche Bilanz zu ziehen und auf die vergangenen (fast) zwölf Monate zurückzublicken. Dabei gehen wir sportartspezifisch vor – heute stehen die Ballsportarten im Mittelpunkt.

Der Ball ist nicht immer rund. Beim Football, im Englischen auch Pigskin (Schweinsleder) genannt, handelt es sich genau genommen um ein Spielgerät, das einem verlängerten Rotations-Ellipsoid mit spitzen Enden ähnelt.

So genau wollen es die 800 bis 1600 Zuschauer gar nicht wissen, die zu den Heimspielen der Bad Homburg Sentinels ins Sportzentrum Nordwest tigern. Sie reizt die Sportveranstaltung mit Schwerpunkt auf Unterhaltung. Das große Interesse an der Taunusversion von Amerikas Volkssport war 2016 im Kreis unübertroffen. Es hat für die publikumsträchtigen Ballsportarten – oder sollte man lieber Ei-Sportarten sagen? – in unserer Region neue Maßstäbe gesetzt.

Um 1000 Menschen für ein Spiel zu begeistern, müssen die Handballerinnen der TSG Oberursel einen Auftritt schon mit Meisterschaft und Aufstieg verknüpfen – und am besten die Männer im „Vorspiel“ noch selbiges in Aussicht stellen. Geschehen am 9. April, dem Orscheler Handballtag des Jahres, vielleicht sogar der Vereinsgeschichte.

Besser hätte der Spielplan gar nicht mehr zugeschnitten sein können: Erst griffen die Männer nach dem Titel in der Bezirksoberliga, dann die Frauen nach der Trophäe in der Oberliga, ihrer dritten in Folge. Proppenvoll war die größere der beiden Hallen der Erich-Kästner-Schule, und es waren denkwürdige Sportereignisse: Beide TSGO-Teams haben zugegriffen und eine große Party daraus gemacht.

Freilich ist am Jahresende ein bisschen Sand ins Getriebe des Motors der Turn- und Sportgemeinde gekommen. Der lief aber auch über Monate dermaßen auf Hochtouren, dass mit einer Drosselung der Geschwindigkeit gerechnet werden konnte. Dennoch gewöhnungsbedürftig: In der laufenden Runde verlieren beide Mannschaften häufiger als dass sie gewinnen.

Beim Kampf um den Klassenverbleib haben die Orscheler Handballer zur Jahresfrist im Taunus-Derby dann nochmals Gas gegeben. Die Herren siegten mit 23:22 bei der TSG Ober-Eschbach, die sich wegen ihrer Punktabzüge (Schiedsrichter-Soll nicht erfüllt) 2017 gewaltig strecken muss, um den ersten Abstieg seit der Saison 2000/01 zu umkurven. Die TSGO-Damen mussten erst in letzter Minute in Ober-Eschbach die Segel streichen. 26:27 gegen ein „Pirates“-Team, das sich dank kontinuierlich guter Arbeit zum Mitfavoriten auf den Zweitliga-Aufstieg gemausert hat.

Rund 400 Zuschauer waren Zeuge des Aufeinandertreffens zweier Erfolgsmodelle: Hier das vom umtriebigen Manager Gerhard Döll zusammengestellte „Best of“ an talentierten Spielerinnen aus 100 Kilometer Umkreis – dort die „Singer-Songwriter“, in der fast nur Damen wirken, die in der Jugend schon für Oberursel aufs Tor warfen.

Wenn wir gerade bei der Nachwuchsarbeit sind: Zwei A-Jugend-Teams in der höchsten hessischen Spielklasse können sich für die TSGO sehen lassen. In den Schatten gestellt werden die Handballer aus der Brunnenstadt allerdings von den Korbjägern aus der Burgstadt: Mit drei Jugendteams dribbelt der MTV Kronberg in der Bundesliga gegen Talente der Proficlubs – eine herausragende Leistung des hauptamtlichen Trainerstabs um Miljenko Crnjac und Amrun Terzic. Angesichts solcher Qualität im Verein verwundert es nicht, dass die Kronberger Herren zum Jahreswechsel trotz Aderlasses von der Spitze der 2. Regionalliga grüßen.

Zur erweiterten Spitzengruppe gehören mittlerweile die Elangeni Falcons in der 2. Bundesliga Süd, die Basketballerinnen der Homburger TG. Vor allem vor heimischem Publikum dreht der gezielt verstärkte Fast-Absteiger auf. Noch kein Punktspiel im Feri-Sportpark wurde heuer verloren. Chapeau!

An die Erfolgsbilanz der „Wächter“ kommen die „Falken“ aber nicht heran. Die Bad Homburg Sentinels haben alles gewonnen, egal auf welchem Spielfeld das Schweinsleder in der Endzone abgelegt werden musste. Alles, bis auf das letzte Spiel.

Weil das Team um Quarterback und Clubpräsident Tim Miscovich in den Pirmasens Praetorians ausgerechnet im Finale seinen Meister fand, blieb die Krönung des Debütjahrs verwehrt, die Meisterschaft in der Verbandsliga ging flöten. Dennoch dürfen die Taunus-Footballer im Frühjahr eine Spielklasse höher ran, weil sie so gut sind und es deshalb der Sportart American Football in Hessen guttut. Für die Anhänger spielt es keine Rolle, ob sie die Sentinels in der Verbandsliga oder Landesliga anfeuern. So oder so werden sie wieder in Scharen ins Kirdorfer Sportzentrum pilgern.

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