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FC Neu-Anspach: Hinten schon sehr stabil, vorne fehlt noch der Speed

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Von: Wolfgang Bardong

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„Da geht’s lang“: Jörg Loutchan, Trainer des FC Neu-Anspach, will seinen Schützlingen auch in der neuen Saison den Weg in die Spitzengruppe der Gruppenliga Frankfurt West zeigen.
„Da geht’s lang“: Jörg Loutchan, Trainer des FC Neu-Anspach, will seinen Schützlingen auch in der neuen Saison den Weg in die Spitzengruppe der Gruppenliga Frankfurt West zeigen. © Heiko Rhode

Unsere Serie zu den Fußball-Gruppenligisten aus dem Hochtaunus widmet sich heute dem Team, das den spektakulärsten Wintertransfer getätigt hat. Jedoch muss sich der Stürmer noch ein wenig gedulden.

Was war: Wovon die meisten Gruppenligisten nur träumen dürften, das hat der FC Neu-Anspach in den vergangenen acht Jahren in die Realität umgesetzt: Seit dem im Sommer 2013 erfolgten Abstieg aus der Verbandsliga Süd schlossen die Anspacher die nachfolgenden Spielzeiten in der Gruppenliga Frankfurt West allesamt auf einstelligen Tabellenrängen ab. Das nennt man Konstanz und Kontinuität. Die Platzierungen im Überblick: 5. (Saison 2013/14), 7. (2014/15), 6. (2015/16), 4. (2016/17), 7. (2017/18), 9. (2018/19), 8. (2019/20, nach 21 von 32 Spielen wegen Corona abgebrochen), 2. (2020/21, nach 12 von 38 Spielen wegen Corona abgebrochen).

„Von daher war unser Ziel im vergangenen Sommer, erneut oben dabei sein zu wollen – aber ohne Aufstiegsdruck zu haben“, sagt FCNA-Trainer Jörg Loutchan. Man wollte an den „richtig guten Lauf“ aus der abgebrochenen Vorsaison (als Zweiter punktgleich mit dem Erstplatzierten SC Dortelweil) anknüpfen. Bemerkenswert: Saisonübergreifend war der FCNA von März 2020 bis November 2021 in 28 Rundenspielen unbesiegt. Dass es bis dato zu Platz drei gereicht hat, bestätigt das gesteckte Ziel als „erreicht“ – wenngleich es für ganz nach vorne wohl nicht mehr reichen wird. Spitzenreiter Dortelweil liegt zwölf, sein Verfolger Sportfreunde Friedrichsdorf zehn Punkte vor den Anspachern. Für Loutchan kommt dieser Rückstand nicht von ungefähr: „Wir hatten eine geradezu brutale Verletzungsserie, die erklärt, weshalb es in manch engem Spiel letztlich nicht für uns zu einem Sieg gereicht hat. Durch die vielen Ausfälle gingen wir oftmals so ziemlich auf dem Zahnfleisch.“ Der jüngste Ausfall ist der verbandsligaerfahrene Alexander Ujma, der sich im Training einen Muskelfaserriss zuzog.

Was sich im Winter getan hat: Es gab keinerlei Abgänge („Die Jungs fühlen sich bei uns nun einmal richtig wohl“ – O-Ton Loutchan) und auch nur einen Neuzugang. Dieser aber hat es in sich: Maziar Namavizadeh. Der gebürtige Iraner, zuletzt bei Verbandsligist SV Pars Neu-Isenburg, ist für viele Tore gut – wie schon in seiner Zeit beim TSV Vatanspor (2014-2016). Höherklassige Erfahrung sammelte er beim FSV Frankfurt (Regionalliga), Röchling Völklingen und SV Gonsenheim (beide Oberliga). Namavizadeh – ablösefrei gekommen – hat dem FCNA bis Ende der Saison 2022/23 zugesagt. „Er hat auch richtig Bock auf diese anderthalb Jahre bei uns“, freut sich Loutchan und fährt fort: „Ist doch ideal für beide Seiten: Den Rest der laufenden Runde kann Maziar dazu nutzen, um die Mannschaft kennenzulernen. Und auch ich habe nun genügend Zeit, um ihn ins Team zu integrieren.“ Schließlich habe der 28-Jährige, der inzwischen Papa geworden ist, sechs Monate Pause nach einer Oberschenkelblessur aufzuholen.

Was schon gut klappt: Das Positivste für Loutchan: Die Vorbereitung sei von Inhalten und Umfang her wie erhofft verlaufen. „Ich hatte corona- und auch witterungsbedingt mit weniger Trainingstagen gerechnet“, sagt der Coach. Vor allem in der Defensive stehe sein Team „schon sehr stabil“. Doch fügt Loutchan hinzu: „Nichts läuft aber schon so gut, als dass es nicht noch Luft nach oben gäbe.“

Wo es noch klemmt: Noch immer habe man an der personellen Durststrecke seit Vorrundenbeginn zu knabbern, wie Loutchan bestätigt: „Uns fehlt im letzten Drittel noch der Speed.“ Was ihm zudem auffällt: „Die mannschaftliche Geschlossenheit, die uns durch die Vorrunde getragen hat, geht uns derzeit noch ab. Da bricht sich öfters Unzufriedenheit Bahn.“ Die Kritikfähigkeit einiger Spieler untereinander sei noch ausbaufähig. Loutchan: „Sagt mal einer was, dann winkt der Angesprochene nur ab.“ Dieses Phänomen sei zwar „nichts Dramatisches – aber da können wir bis zur Rundenfortsetzung noch zulegen“.

Wie es daheim, wie es in der Fremde läuft: Für den FCNA machte es bis zur Winterpause keinen großen Unterschied, wo man spielte. Die zehn bisherigen Heimspiele (6 Siege/4 Remis/0 Niederlagen) setzten die Anspacher in 22 Zähler um, ebenso viele Gastspiele in der Fremde (6/2/2) in 20 Punkte. Jeweils elf Gegentore belegen: Daheim oder auswärts – das ist für den FCNA Jacke wie Hose. Wenn da nicht der gravierende Unterschied bei der Anzahl erzielter Tore wäre: 35 in Heimspielen, nur 17 auswärts. Als Erklärung führt Loutchan so manch versprungenen Ball auf dem einen oder anderen „etwas unebeneren Platz“ ins Feld.

Wo es heuer noch hingehen soll: Beim FCNA macht man sich nichts vor: Der Rückstand auf Dortelweil und Sportfreunde sei nicht mehr aufholbar. Loutchan: „Wir wollen daher unseren dritten Platz halten und aus der Rückrunde möglichst viel in die neue Saison mitnehmen, in der wir wieder ganz vorne landen wollen.“

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