Solch packende Zweikämpfe wie hier zwischen Thorben Bonin (SG Wehrheim/Obernhain, links) und Harald Farcas (TV Petterweil II) sehen Handballer und deren Fans wieder herbei. Foto: Strohmann
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Solch packende Zweikämpfe wie hier zwischen Thorben Bonin (SG Wehrheim/Obernhain, links) und Harald Farcas (TV Petterweil II) sehen Handballer und deren Fans wieder herbei.

Handball, Stufenmodell des DHB

Die Handballer im Taunus: Fleißig trainieren oder lieber noch abwarten?

  • Thorsten Remsperger
    vonThorsten Remsperger
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Der DHB hat ein Acht-Stufenmodell entwickelt, wie Handballmannschaften schon jetzt trainieren schrittweise wieder in die Normalität gelangen können. Wir haben uns unter Teams im Hochtaunus umgehört, wie sie in verrückten Zeiten planen.

Hochtaunus -Ja, sie haben schon einen Ball in die Hand genommen. Und damit sogleich mal die Phase drei des Stufenplans vorgezogen, den der Deutsche Handball-Bund (DHB) seinen Vereinen in Corona-Zeiten an die Hand gegeben hat. Viel hatte das mit Handball zwar noch nicht zu tun bei der SG Wehrheim/Obernhain. Eine Runde Prellen sei aber schon dringewesen, als sich die Mannschaft auf dem kleinen Basketballfeld vor der Obernhainer Turnhalle das erste und bisher einzige Mal in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit getroffen habe, lächelt Trainer Sebastian Wagner. Natürlich alles unter Wahrung der Abstands- und Hygienevorschriften.

Die Handballer der Spielgemeinschaft aus der Gemeinde vom Nordhang des Taunushauptkamms dürften zu den ersten Kontaktsportlern im Kreis gehören, die während der Pandemie wieder mit strukturiertem, zielorientierten Training begonnen haben. "Eigentlich haben wir im Mai ja immer frei und legen dann im Juni die Grundlagen in Kraft und Ausdauer, aber", glaubt Wagner, "in der nächsten Saison wird das Fitness-Level allgemein höher sein." Das liege an den Umständen, dass die Handballer später, womöglich viel später wieder mit Übungen mit Körperkontakt bis hin zum gewohnten Spiel beginnen dürfen. Vorher wird demnach in den Mannschaften fleißig Kondition gebolzt.

Bei der SG passiert das seit der zweiten Mai-Woche. Die gute Fitness sei der Hauptgrund gewesen, dass man als Aufsteiger in der Bezirksliga A zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs auf Rang fünf gelegen habe. Also gelte es in der kommenden Runde, wann immer sie auch beginnt, einfach noch fitter zu sein, sagt Wagner.

Der frühere Linksaußen der TSG Oberursel nimmt sich dabei selbst in die Pflicht, plant er doch ein Comeback als Spielertrainer. Die im März abrupt eingeläutete längere Pause sei wiederum gut für mehrere Leistungsträger, ihre Verletzungen auszukurieren. Felix Schmidt ist am Kreuzband, Florian Goslar am Fuß operiert worden. Malte Streim (Fraktur am Bein) und Marcel Heid (Kreuzband-Anriss), der zweite Spielertrainer, hatten schwerwiegendere Blessuren erlitten.

Apropos TSG Oberursel: Wagners und auch Heids früherer Verein gehört ebenfalls zu den Frühstartern. Während die Oberliga-Damen über ihre Fitnesswerte, ermittelt durch eine App auf dem Mobiltelefon, auf ihrer Facebook-Seite referieren, gab's bei den Bezirksoberliga-Herren zum Auftakt eine Videokonferenz. Der neue Trainer wollte sich ja vorstellen.

Mario Ljubic kannten viele Spieler aber noch von früher", erläutert Mannschaftsbetreuer Bernhardt Schmidt. Bei der legendären Vereinsfahrt nach Schweden gehörte der von der Frankfurter TG in den Taunus gewechselte Übungsleiter schon zum Betreuerstab. Ljubic schickt nun im Drei-Wochen-Rhythmus individuelle Trainingspläne an seine Schützlinge, "wann wir wieder in die Halle können, weiß ja noch keiner", sagt Schmidt.

Einen normalen Rundenbeginn im September hält dieser wiederum aufgrund der jüngsten Lockerungen für durchaus realistisch. Vielleicht könne ja sogar die ausgefallene Abschlussfahrt nach Düsseldorf als "Teambuilding" vor der Saison noch nachgeholt werden, räumt Schmidt scherzeshalber ein.

Welches Team ihm und seinem Trainerkollegen Magnus Kongestol überhaupt zur Verfügung steht, könnte er derzeit noch nicht sagen, meint Dominik Welter-Seberkste. Derzeit trainierten die verbliebenen Spieler des Bezirksoberligisten TSG Ober-Eschbachin Eigenverantwortung. Erst wenn die Hallen wieder freigeben seien, mache ein Mannschaftstraining Sinn.

Den Optimismus lässt der frühere Drittligaspieler, der wegen dreier Kreuzbandrisse am Knie aufhören musste, sich nicht nehmen. Auch wenn mit dem eigenen Vatertagsfest und der Hofbewirtschaftung am Laternenfest in diesem Jahr die beiden Haupteinnahmequellen der Abteilung wegfielen und Akteure wie Zarko Jankovic (zurück zu seinem Heimatverein HSG Goldstein/Schwanheim) ihren Abschied angekündigt hätten. "Nachdem verschiedene Personen über die Jahre den Karren in den Dreck gefahren haben, gilt es, die Reifen wieder zu lupfen", meint Welter-Seberkste.

Mit wem er es zum morgigen Trainingsauftakt zu tun bekommt, wissen Daniel Sailler und Jens Petry dagegen ziemlich genau. Erstmals haben die Coaches des Bezirksoberligisten HSG Steinbach/Kronberg/Glashüttenihre Spieler für Donnerstag wieder zusammengerufen. Mit Rückkehrer Jasper Bechtold und dem erfahrenen Winter-Neuzugang Christian Dänner bleiben zwei Verstärkungen an Bord. Mit ihnen war die Dreier-SG auf bestem Weg, sportlich den Klassenerhalt zu schaffen. "Wir werden so trainieren, als würde es wie immer Mitte September losgehen", verrät Sailler. In der zweiten Juni-Woche beginne die Vorbereitung. Morgen komme es in der Steinbacher Altkönigsporthalle schlichtweg zu einem Wiedersehen. Nach diesen verrückten Wochen ist das doch auch schon einmal etwas.

THORSTEN REMSPERGER

Das Stufenmodell des DHB: In acht Schritten zurück zur Normalität

Der Deutsche Handball-Bund (DHB) hat den Acht-Stufenplan „Return to play“ erstellt, der den Vereinen unter strengen Auflagen eine Rückkehr in den Wettkampfsport von Amateuren ermöglichen soll. Dieses Modell geht von einer engen Zusammenarbeit mit Behörden, Gesundheitsämtern und Landesverbänden aus. Die Umsetzung ist nicht verbindlich. Es soll vor allem die Gesundheit der Mitglieder geschützt werden. Sollte in der Trainingsgruppe ein Verdachtsfall von Covid 19 vorliegen, ist das Training sofort einzustellen. Auf seiner Webseite hat der DHB beispielsweise Hygieneregeln, Checklisten für Trainer und Dokumentationsbögen zum Download hinterlegt. 

Das Acht-Stufenmodell beinhaltet den Einstieg vom autonomen Training über Kleingruppentraining bis zur Rückkehr in den Wettkampfsport. Es gelte für die Vereine und Trainer dabei, „voneinander zu lernen und miteinander Lösungen zu finden“, wie es in der Präambel des Plans heißt. Die ersten sechs Trainingsabschnitte wurden auf je zwei Wochen angesetzt, die beiden letzten auf vier, beginnen konnten die Teams mit der Umsetzung schon Anfang Mai.

Die erste Phase war das autonome Training mit Athletik- und/oder Technikeinheiten. Es fand im Freien statt bei Wahrung des Abstands zu anderen Personen von mindestens zwei Metern (bei Laufeinheiten von zehn Metern). Das Duschen und Umkleiden sollte zu Hause erfolgen, alle benutzten Sportgeräte desinfiziert werden. Die zweite Phase umfasst den gleichen Inhalt – erweitert um einen Mitspieler oder Coach. 

Für die dritte Phase wird das Kleingruppentraining unter freiem Himmel empfohlen, bei dem handballspezifisch gearbeitet werden soll, aber ohne Zweikämpfe. Die Sportler erhalten einen Info-Bogen des Robert-Koch-Institutes und unterzeichnen ihn. Die Gruppen dürfen nicht größer als zehn Sportler und sollten immer gleich besetzt sein. Die Abstandsregeln greifen auch hier. Pass- und Wurfübungen können absolviert werden, wobei jeder Sportler seinen eigenen Ball benutzt. Auch Beachhandball ist ab dieser Phase, also im Juni, wieder erlaubt. Immer mit der Prämisse, im Verdachtsfall von Covid 19 den Trainingsbetrieb einzustellen und den Kontakt mit Gesundheitsamt und Ärzten aufzunehmen.

Die vierte Phase beinhaltet die gleichen Trainingsinhalte in der Halle. Ein halbes Handballfeld sollte zur Verfügung stehen. Toiletten, inklusive Hygiene- und Desinfektionsmittel, müssten zugänglich gemacht werden. Der Trainingsbetrieb sollte so gesteuert werden, dass keine Warteschlangen entstehen. Zuschauer sind nicht zugelassen. 

In der fünften Stufe können die Kleingruppen zusammengeführt werden und handballspezifisch ohne Zweikämpfe in der ganzen Halle trainieren. Neben den bisherigen Inhalten kann nun an der Kleingruppentaktik und am Zusammenspiel mit dem Torwart gearbeitet werden. Der Auf- und Abbau von Materialien wird von festgelegten Personen mit Gesichtsschutz erledigt. Wurfübungen mit Torhüter können durchgeführt werden, wobei die Keeper einen Mund- und Nasenschutz tragen sollten. 

Ab Juli könnte laut Acht-Stufenmodell das Training mit Zweikämpfen in voller Kaderstärke beginnen. Einen Monat später erfolgt der Testspiel- und Wettkampfbetrieb ohne Publikum. Der Trainingsinhalt bleibt gleich. Nur wenn die Bewertung der Kontaktrisiken und Symptome negativ sind (Schiedsrichter und Kampfgericht eingeschlossen), darf auch gespielt werden. Zudem muss der Veranstalter ein Konzept zur Wahrung aller hygienischen und gesundheitlichen Voraussetzungen umsetzen.

Im September könnte – wie gewohnt – der Spielbetrieb mit Publikum beginnen. Zunächst mit reduzierter Zuschauerzahl und eingeschränkter Bewirtung, um Gedränge zu vermeiden. Der gastgebende Verein sollte das Hygienekonzept moderieren, umsetzen und überprüfen.

VOLKER HOFBUR

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