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Florian See: „Es ist einfach an der Zeit“

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Von: Thorsten Remsperger

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Wurfgewaltig: 2015 traf der heutige TSGO-Trainer Florian See als SPieler mit dem TV Groß-Umstadt auf die Rhein-Neckar Löwen.
Wurfgewaltig: 2015 traf der heutige TSGO-Trainer Florian See als SPieler mit dem TV Groß-Umstadt auf die Rhein-Neckar Löwen. © imago/Jan Huebner

Als Trainer-Debütant soll der einstige Torjäger Florian See die TSG Oberursel in die Landesliga führen. Warum dem Verein mit seiner Verpflichtung ein echter Coup gelungen sein könnte.

Oberursel -Es fühlt sich ein bisschen an wie früher, aber halt auch anders. Früher, damit gemeint sind die wohl erfolgreichsten Jahre im Männerhandball der TSG Oberursel. 2004 war die 1. Mannschaft in die Oberliga Hessen aufgestiegen. Die Rückraumachse mit Florian See und Patrick Heidl auf den Halbpositionen und Spielmacher Alen Krmek als Mittelmann ist manchem Anhänger noch lebhaft in Erinnerung, und hinten „vernagelte“ Heidls Bruder Christoph öfters mal das Tor, wie man so schön unter Handballern sagt.

Inzwischen sind die TSGO-Männer wieder ambitioniert, allerdings zwei Klassen tiefer, und sie möchten am liebsten mit jenem Quartett einen Aufstieg verwirklichen. Diesmal geht’s um den im Juni knapp verpassten Sprung in die Landesliga Mitte. Die einstigen Protagonisten aus den Oberliga-Jahren geben nun von der Trainerbank aus die Anweisungen, allen voran Florian See.

Mit der „Rückholaktion“ des 39-Jährigen könnte den Oberurselern ein echter Coup gelungen sein. Der Maintaler hatte schon als Jugendspieler für Furore gesorgt, als er 2001 mit der A-Jugend unter Trainer Klaus Linder und Thomas Zeitz bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen den SC Magdeburg vorgedrungen war. Danach wechselte er mit Linder-Sohn Sebastian zur SG Wallau/Massenheim, ehe der 1,96 Meter große Linkshänder nach seiner ersten Rückkehr zur TSGO (2003 bis 2006) später bei der SG Bruchköbel und dem TV Groß-Umstadt viele Tore warf, in der 3. Liga mehrmals mit Saisonbestwert.

Es wird viel geredet, aber selten was getan

Als er sich vor vier Jahren trotz guter Angebote dazu entschied, seinen über die Jahre viel strapazierten Körper zu schonen, fand See schnell Abstand zum Handball. Gemieden habe er sogar die Sporthallen, erzählt er. Dort werde auf der Tribüne viel geredet, aber kaum einer tue in den Vereinen dann auch etwas.

So fühlte es sich für den Sport- und Geografie-Lehrer genau richtig an, als seine alten Weggefährten Alen Krmek und Patrick Heidl vor der Tür standen. „Das passte einfach“, sagt See, „es ist an der Zeit, dass unsere Generation auch auf Funktionärsebene etwas leistet.“ Nach dem Rücktritt von Mario Ljubic stieg See Ende Juni als Headcoach ein. Mit Kumpel Patrick Heidl als Assistenztrainer und dessen Bruder Christoph, der sich speziell den Torhütern widmet. Krmek fungiert als Teammanager.

Den B-Schein hatte See während seines Sportstudiums erworben. Aber eine Mannschaft auch trainiert? Bisher noch nicht. „Ich bin da völlig unbedarft herangegangen“, erzählt er lächelnd. Um sich selbst in seinem Anspruchsdenken sogleich etwas zu bremsen. Denn es ist eben etwas anderes, als Student täglich unter Profibedingungen zu trainieren oder als Trainer für eine Amateurmannschaft verantwortlich zu sein. Das Wichtigste habe aber von Beginn an gepasst: „Die Spieler sind hochmotiviert und haben das Herz am rechten Fleck.“

So konnte der neue Coach leicht mehrere Ideen umsetzen. Er führte eine dritte Trainingseinheit ein, in der es nur um die Verbesserung der Physis geht. Die meisten Spieler, von denen einige noch nie eine Hantelstange in die Höhe gewuchtet hätten, träfen sich im vereinseigenen Fitnessstudio. Wer weiter weg wohne, organisiere sich selbst die zusätzliche Einheit, erläutert See.

Neuerungen haben sich schon gelohnt

Ebenfalls keine schlechte Entscheidung: Nach Rücksprache mit Zweitmannschaftstrainer Giovanni Ilestro absolvierten 22 Spieler die Vorbereitung für die Bezirksoberliga-Saison, um jetzt mit einem 16er-Kader maximal flexibel auf Spielerausfälle reagieren zu können. Er wisse das sehr zu schätzen, da Ilestro für sein Team jetzt ganz schön improvisieren müsse, doch die Maßnahme habe sich schon bewährt, sagt See. Am Wochenende konnte die TSGO in Breckenheim durch den großen Kader mehrere urlaubsbedingte Absagen kompensieren, und wer weiß, wie sich die Corona-Lage samt Erkältungswellen in den kommenden Wochen entwickeln.

Ebenfalls neu unter Trainer See eingeführt wurde das donnerstägliche Videostudium. In der „BOL“ ist das mit viel Aufwand verbunden, dankenswerterweise habe sich eine Mutter und eine Freundin seiner Spieler schon bereiterklärt, vorab den nächsten Gegner zu filmen.

Der Erfolg gibt dem Trainer-Team Recht: Nach fünf Siegen aus fünf Spielen erwartet die TSGO die MSG Schwarzbach als Tabellenführer in der Hochtaunushalle. Am Samstag (19.30 Uhr) wird es sich für die Coaches wieder ein bisschen „wie vor 20 Jahren“ anfühlen. Was sie besonders freut: Bernhardt Schmidt und Dr. Gerhard Ferdinand nehmen auch wieder auf der Bank Platz. Der Mannschaftsbetreuer und der Team-Arzt waren schon mit dabei, als Florian See und seine Kumpels noch die Tore warfen.

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