1. Startseite
  2. Sport
  3. Regionalsport

"Frauen trauen sich oft weniger zu"

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Volker Hofbur

Kommentare

Sie kennt alle Seiten im Umfeld des Fußballs: Nina Deak war Jugendtrainerin, Jugendleiterin und ist jetzt Klassenleiterin der Kreisoberliga und Kreisliga C. FOTO: privat
Sie kennt alle Seiten im Umfeld des Fußballs: Nina Deak war Jugendtrainerin, Jugendleiterin und ist jetzt Klassenleiterin der Kreisoberliga und Kreisliga C. © privat

Klassenleiterin Nina Deak ist dennoch Kompetenz wichtiger als eine Quoten-RegelungAm 11. März soll ein neuer DFB-Präsident gewählt werden. Wie es aussieht, stehen zwei Männer zur Wahl. Dabei gibt es im DFB nicht nur qualifizierte Kandidatinnen, sondern auch an der Basis viele engagierte Frauen. Einige stellen wir in den nächsten Wochen vor. Nina Deak war lange Jugendtrainerin und Jugendleiterin bei der DJK Hattersheim und wechselte dann in den Kreisfußballausschuss Main-Taunus.

Hattersheim -Nina Deak wurde mit dem Fußball groß. "Ich war auch ein typisches Mädchen, habe Ballett getanzt, war aber genauso als eine der ersten Mädchen in der Jugendfeuerwehr und auch schon immer an Fußball interessiert. Es war völlig klar, am Sonntagnachmittag mit meinem Vater auf den Sportplatz des FC Mammolshain zu gehen und dort die Mannschaft anzufeuern", blickt sie zurück.

Später zog sie nach Hattersheim um. "Dann habe ich zwei Jungen bekommen. Die wollten Fußball spielen", erzählt sie, "den Großen haben wir bei der G-Jugend angemeldet, den Kleinen bei den Bambinis. Der Bambini-Trainer hatte 25 Kinder in seiner Gruppe und benötigte dringend Hilfe. So bin ich dort gelandet und habe mehr als zehn Jahre die Bambinis trainiert. Die Arbeit mit den Kleinsten hat mir viel Spaß gemacht. In diesem Alter geht es auch weniger darum, den Kindern Fußballtechniken beizubringen, sondern den Spaß an der Bewegung zu zeigen". Später unterstützte sie zusätzlich den Trainer ihres älteren Sohnes. "Fußball ist so viel mehr als nur gegen den Ball kicken. Ausdauer, Kraft und Koordination sind genauso wichtig in diesem Sport. So haben wir ein Trainerteam gebildet und die Mannschaft bis zur C-Jugend zusammen trainiert."

Als der Verein eine Küche im Vereinsheim brauchte, unterstützte ihr Mann tatkräftig die Helfer und kam in den Verein. Er war später Abteilungsleiter, sie Jugendleiterin. Später wechselte er in den Kreisfußballausschuss, wurde dort Klassenleiter. Auch Nina Deak beendete die Tätigkeit im Verein. "Irgendwann war es gut", sagt sie, "es ging nicht mehr, dass ich vier Mal in der Woche drei bis vier Stunden auf dem Sportplatz gestanden habe. Da bin ich meinem Mann in den Kreisfußballausschuss gefolgt". Zuerst war sie zwei Jahre Klassenleiterin in der D-Klasse, seit zwei Jahren leitet sie die Kreisoberliga und die Kreisliga C Main-Taunus.

"Die Arbeit dort ist ganz anders, man bekommt andere Einblicke. Es ist sehr interessant, und es gibt immer etwas zu tun. Aber es ist bei weitem nicht so zeitintensiv wie auf dem Platz", erläutert Deak, die als Betreuungs-Leiterin in Grundschulen in Okriftel und Hochheim arbeitet. Während der Saison ist sie mit ihrem Mann an den Sonntagen auf den Sportplätzen unterwegs. Sie schauen sich immer möglichst viele Spiele an. "So versuchen wir, Kontakt zu den Vereinen und den Schiedsrichtern zu halten. Auf dem Sportplatz kommt man immer ins Gespräch und es gibt immer das ein oder andere Thema zu besprechen", erklärt Nina Deak, "unter der Woche dann kontrollieren wir die Spielberichte, nehmen bei Besonderheiten Kontakt zu den Vereinen oder Schiedsrichtern auf und arbeiten eng mit dem Sportgericht zusammen. Das dauert manchmal zehn Minuten, kann aber auch einige Stunden dauern. Da kann man den generellen Aufwand schwer schätzen".

Nina Deak hat Spaß an ihrer Tätigkeit. "Es ist interessant und hat immer etwas Neues. Es ist eine gute Erfahrung, auch die Seite des Verbands zu sehen. Wie bei unseren Jungs: Beide kicken - und sie sind auch Schiedsrichter. Da sieht man einige Dinge anders", zeigt sie einen wichtigen Punkt auf, der ihr auch bei ihrer Arbeit hilft.

Bei der Bewertung der aktuellen Situation beim Deutschen Fußball-Bund hält sie sich raus. "Vielleicht motiviert das einige Leute, wenn über eine Frauen-Quote dort gesprochen wird, aber ich habe mit meiner Arbeit als Verbandsmitarbeiterin des HFV genug zu tun. Ich schaue gar nicht auf den DFB. Der ist viel zu weit weg", sagt sie. Ihr als Frau ist sowohl als Jugendtrainerin als auch als Mitglied des Kreisfußballausschusses immer Respekt entgegengebracht worden. "Ich habe einen normalen Umgang mit allen und kann mit Mann und Frau gut", stellt Deak fest. Viel wichtiger ist ihr, dass es inhaltlich stimmt. Die Männer sind manchmal direkter und schneller am Ende. "Wenn ich als Elternteil Zeit mit meinen Kindern verbringen möchte, meine Jungen Fußball spielen, dann sagt der Vater: Ich werde Trainer. Das können aber Frauen genauso. Frauen trauen sich oft weniger zu und überlassen den Fußball den Männern", beschreibt Nina Deak die Situation, "ich fände es nicht verkehrt, wenn mehr Frauen sich auf dem Fußballplatz einbringen würden. Es gibt so viel mehr in einem Verein zu tun, als nur der Fußballtrainer. Frauen bringen eine andere Note rein. Sie haben einen anderen Blick darauf und auch eine andere Art, mit Dingen umzugehen".

Die Klassenleiterin macht abschließend deutlich, dass Kompetenz wichtiger ist: "Eine Quote hilft nicht. Unser Kreisfußballwart Karl-Heinz Reichert würde sich über weitere Unterstützung in unserem Team freuen. Ich denke, er sieht es ganz ähnlich wie ich: Es kommt nicht auf das Geschlecht an. Es geht nur darum, dass die Person ihre Arbeit gut macht und der gleichen Sache dient." Volker Hofbur

Auch interessant

Kommentare