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Frauenfeindlich, beleidigend und verlogen

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Von: Marion Morello

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Symbolbild Justizia.
Symbolbild Justizia. © Fotolia

Heinz Schneider, Vorsitzender des Sportgerichts Limburg-Weilburg, hat einmal mehr bewiesen, dass er ein harter Verfechter der Gerechtigkeit und mit ihm nicht zu spaßen ist. So ist auch sein Urteil gegenüber dem Fußball-B1-Ligisten FC Zaza Weilburg und hier einem ungehobelten Anhänger der Mannschaft deutlich ausgefallen.

Er hatte gedacht, für ihn gelten die Corona-Regeln nicht; er hatte auch gedacht, er müsse sich von einer Frau nichts sagen lassen; und zu guter Letzt hatte er gedacht, sich zu allem Übel auch noch frauenfeindlich äußern und mehrfach eine Beleidigung herausbrüllen zu müssen, die derart unter der Gürtellinie war, dass wir sie hier nicht wiederholen möchten. Und was hatte er davon? Er brachte mit seinem widerlichen Verhalten den FC Zaza Weilburg um sechs Punkte, handelte „seinem“ Verein eine saftige Geldstrafe in Höhe von 500 Euro ein, muss selbst 300 Euro berappen und darf sich in den nächsten vier Monaten auf keinem Sportplatz im Kreisgebiet mehr blicken lassen.

Sportrichter Heinz Schneider hatte einmal mehr hart durchgegriffen. Er und seine Beisitzer im Sportgericht des Fußballkreises Limburg-Weilburg, Gerhard Hugo Weil und Georg Horz, haben die bei einer solchen Beweislage mögliche Höchststrafe ausgesprochen.

Es war der 28. November 2021. Der SC Ennerich spielte an diesem Tag in der Fußball-Kreisliga B1 gegen den FC Zaza Weilburg. Ordnungsgemäß kontrollierte der SCE vor dem Betreten der Spielerkabinen und am Eingang zum Sportgelände die Impfnachweise. Nicht nur etliche Spieler konnten keinen Impfnachweis erbringen (man wolle das „später“ nachreichen), noch der später beschuldigte und bestrafte Zaza-Anhänger war in der Lage, seine Immunität nachzuweisen. Stattdessen machte er sich lautstark über die Genauigkeit der Ennericher lustig.

Die Hygienebeauftragte der Ennericher kam ins Spiel. Pech für sie, dass sie dem „falschen Geschlecht“ angehörte – so sah es zumindest der Beschuldigte. Der wurde augenblicklich aggressiv, und die Hygienebeauftragte fühlte sich bedroht. Als sie ihn dann auch noch bat, sich in der „grünen Zone“, abseits aller anderen Zuschauer, aufzuhalten, flippte der Zaza-Zuschauer, der sich im Übrigen als „Ersatztorwart“ bezeichnete, komplett aus, beleidigte die SCE-Beauftragte mehrfach auf unterirdischem Niveau (das zeigte hinterher die Übersetzung) und rief unter anderem: „Was willst du, Frauen haben nichts zu sagen.“ Die Hygienebeauftragte rief zweimal bei der Polizei an. Schließlich mussten die eigenen Zaza-Spieler den Mann beruhigen.

Zur Sportgerichts-Verhandlung sind die geladenen Vertreter des FC Zaza Weilburg nicht erschienen; auch eine Abmeldung oder Entschuldigung lag nicht vor. Also urteilte das Gericht ohne deren Aussagen. In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem: „Der FC Zaza Weilburg hat die Hygieneauflagen nicht erfüllt. Auf dem Spielberichtsbogen wurde eine Person genannt, welche überhaupt nicht auf dem Sportplatz war. Die Aussage des Trainers nach dem Spiel, dass einige Spieler nicht geimpft seien, hätte bei genauer Prüfung und Vorlage der erforderlichen Hygienebescheinigung unter Umständen dazu geführt, dass diese Spieler überhaupt nicht hätten eingesetzt werden dürfen.“

Die Phrasen und asozialen Beleidigungen des Zaza-Zuschauers, der sich völlig daneben benommen hatte, wertete das Sportgericht als „Respektlosigkeit gegenüber einer ehrenamtlichen Funktionsträgerin eines Vereins“, seine frauenfeindliche Äußerung als „geschlechtsbezogene Diskriminierung“. Zudem sei die Hygienebeauftragte, die als Verbandsmitarbeiterin ihre Funktion wahrgenommen habe, „aufgrund ihres Geschlechtes herabgewürdigt worden“.

Darüber hinaus wurde der Verein Zaza Weilburg verurteilt, weil er „öffentlich die Menschenwürde einer anderen Person durch herabwürdigende, diskriminierende oder verunglimpfende Äußerungen in Bezug auf Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion, sexueller Orientierung oder Herkunft verletzt oder sich auf andere Weise rassistisch und/oder menschenverachtend“ verhalten habe. MARION MORELLO

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