Den TuS Frickhofen hatte niemand auf dem Tipp-Zettel

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„Wer sind die Favoriten in der Fußball-Kreisoberliga Limburg-Weilburg?“, haben wir die Vereine vor der Saison gefragt. Die meisten tippten auf die SG Niedershausen/Obershausen und den SV Mengerskirchen. Auch den SC Offheim hatten einige auf dem Schirm. Das Team aber, das nach vier Spieltagen souverän ganz oben steht, hatte eigentlich keiner auf der Rechnung.

Was ist da nur los an der Spitze der Fußball-Kreisoberliga? Nach vier Spieltagen führt der TuS Frickhofen mit der vollen Ausbeute von zwölf Punkten und sensationellen 19:3 Toren. Auf Rang zwei folgt der eigentliche Mega-Favorit, der SV Mengerskirchen, mit zehn Zählern und 10:3 Treffern. Nur Zehnter ist die SG Niedershausen/Obershausen, auf die eigentlich alle getippt hatten. Man hätte sicher noch ein paar nennen können, denen man einen starken Start zugetraut hätte – aber Frickhofen? Was hat wohl Trainer Metin Kilic in der Sommerpause und der Vorbereitung mit seinen Jungs angestellt, dass sie unvermittelt und ohne Ankündigung so „abgehen“?

„Wir haben konzentriert gearbeitet im letzten Jahr und treiben den Neuaufbau der Mannschaft weiter voran“, sagt der Coach. „Als ich das Team vor gut einem Jahr auf den letzten Drücker übernommen habe, hatten die Spieler den Klassenerhalt gerade so geschafft. Ich hatte keine Möglichkeit mehr, neue Spieler zu holen, und noch dazu sind von dem Kader der Vorsaison noch sechs weggegangen.“ Der Traditionsverein sah sich quasi gezwungen, die Mannschaft ganz neu aufzubauen – auch auf die Gefahr hin, dass der TuS absteigen würde.

Metin Kilic, zuvor und noch immer erfahrener Juniorentrainer bei den Eisbachtaler Sportfreunden – er trainiert aktuell die U14 der Westerwälder – und Fußball-„Anchorman“ Jürgen Schardt waren sich einig und zogen fortan an einem Strang. „Ich habe mit den Jungs sehr viel trainiert. Grundsätzlich dreimal in der Woche, das machen wir jetzt auch noch so. Wir haben ein neues System einstudiert und planen langfristig.“ Klar, in der ersten Saison hat die blutjunge Metic-Elf fast 100 Gegentore kassiert. „Wir wollten was probieren und haben uns dabei auch Fehler zugestanden. Aber ich konnte schon letzte Saison sehen, dass wir spielerisch zu den besten Mannschaften der Liga gehörten. In acht von zehn Unentschieden, die wir fabriziert haben, haben wir die Gegentore erst in der Nachspielzeit kassiert, sonst hätten wir diese Spiele gewonnen.“

In der neuen Saison 2018/19 sieht das schon ganz anders aus. Jetzt konnte Metin Kilic das Team gezielt mit Neuzugängen verstärken. Pech, dass sich der eigentlich als Torjäger vom SV Thalheim zurückgeholte Aytekin Uyanik beim Dornburg-Pokal-Turnier einen Kreuzbandriss zugezogen hat. „Wir können das kompensieren“, ist sich Metin Kilic sicher. Und wie: Ilir Tahiri hat bereits sieben „Buden“ gemacht, Ervant Jragazpanian deren fünf. Für den Frickhöfer Coach kommt es gar nicht überraschend, dass seine Mannschaft so stark spielt. Es ist das Ergebnis von Geduld, Fleiß und harter Arbeit, von Harmonie im Umfeld und von Zusammenhalt auf dem Platz. „Meine Mannschaft ist keine, die die Bälle wegkloppt. Wir lassen den Ball laufen und finden spielerische Lösungen. Das ist meine Philosophie von Fußball“, sagt Metin Kilic. „Dass es mit dem Erfolg so schnell klappen würde, habe ich zwar so auch nicht unbedingt erwartet, aber es freut mich umso mehr.“ Noch dazu hat der TuS Frickhofen mit Bernd Steinebach einen exquisiten Torwarttrainer; der Oberzeuzheimer fand den Weg vom Hessenligisten SV Rot-Weiß Hadamar in die größte Dornburg-Gemeinde. „Er ist nicht einer der besten Torwarttrainer weit und breit, sondern der beste“, betont der Übungsleiter.

Will der TuS Frickhofen etwa irgendwann den Sprung in die Gruppenliga Wiesbaden angehen, die sogenannte „Todes-Liga“, in die eigentlich niemand so wirklich will? „Wir wollen“, sagt Metin Kilic selbstbewusst. „Zwar nicht diese, auch wahrscheinlich noch nicht nächste Saison, aber danach schon irgendwann.“

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