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Sichtbar erleichtert: FSV-Trainer Metin Yildiz freut sich über die Leistung seiner Mannschaft und umarmt nach dem Schlusspfiff Moritz Kulick (Nummer 2).

Fußball Hochtaunus, Spiel der Woche

Der FSV Friedrichsdorf kommt gegen Usingen zweimal zurück

Die Usinger TSG, Zweiter der Fußball-Gruppenliga, spielt 2:2 beim FSV Friedrichsdorf, dem Tabellenvorletzten. Ein Klassenunterschied, wie es die Tabelle vermuten lässt, war im Hochtaunus-Derby aber nicht festzustellen.

Zur zweiten Halbzeit des Hochtaunus-Derbys FSV Friedrichsdorf – Usinger TSG fand sich am Sportpark ein kurioser Zaungast ein. Nur in einer knappen Speedo-Badehose bekleidet, verfolgte ein Herr mittleren Alters bei angenehmen spätsommerlichen Temperaturen die Partie durch das Gitter der Sportplatz-Umzäunung und bekam dabei wahrscheinlich einen falschen Eindruck.

Im zweiten Durchgang nahmen die Hausherren das Heft des Handelns in die Hand und wirkten wie der klare Favorit. In der ersten Halbzeit hingegen waren noch die Gäste am Agieren, während der FSV sich aufs Reagieren – sprich: Kontern – konzentriert hatte. Für beides betrieb die Mannschaft von Trainer Metin Yildiz einen hohen Aufwand, so dass sich eine wirklich unterhaltsame Begegnung ergab.

Yildiz hatte im TZ-Interview gesagt, er habe über eine Formation mit einem zusätzlichen Defensivspieler nachgedacht, um so die Räume am eigenen Strafraum eng zu machen. Letztlich entschied er sich aber dafür, die technisch starken Usinger früh attackieren zu lassen. Als erste Speerspitze des Pressings fungierte eine Dreierreihe, bestehend aus Denis Schäfer, Franco Marino und Sahin Burak. Wenn diese überspielt wurde, stand bereits der nächste Dreierblock, der sich aus Adrian Bitiq, Mustafa Koyun und Deniz Güven zusammensetzte, parat. Die Folge: Der Titelaspirant hatte im Aufbau extrem wenig Zeit und Raum, löste dieses Problem dank der Klasse von Tim Tilger, Lars Günther und Torben Selzer aber meist dennoch spielerisch.

Chancen gab es auf beiden Seiten. In der 7. Minute blockte FSV-Abwehrchef Eric Bueno Oliva (früher UTSG) nach einer Ecke Marco Weber in letzter Sekunde. In der 10. Minute vereitelte Gästetorwart Niklas Schulze im Herauslaufen eine Möglichkeit durch Schäfer. Eine Minute später war er gegen Koyun zur Stelle.

Umstrittener Elfmeter

Der erste Treffer fiel in der 14. Minute durch Tim Tilger, der einen Strafstoß sicher verwandelte. Allerdings pfiff Referee Bastian Schäfer den Foulelfmeter zu Unrecht. Keeper Kai Klug hatte Marco Weber den Ball vom Fuß genommen, den Gegenspieler dabei aber nicht berührt. „Der Schiedsrichter hat das Foul auch nicht gegen mich, sondern Eric (Bueno Oliva) gepfiffen“, meinte Klug. Der Verteidiger rempelte Weber leicht an, allerdings erst, als Klug den Ball bereits sicher hatte.

So unglücklich der Rückstand aus Sicht des FSV auch zustande kam, Wirkung zeigte er nicht. Zumindest nicht im negativen Sinne. Angeführt vom hochmotivierten Adrian Bitiq (siehe auch Extra-Text) wurde Friedrichsdorf peu à peu mutiger und belohnte sich kurz vor dem Halbzeitpfiff. Nach einer Flanke vom linken Flügel kam Patrick Bussian am „Sechzehner“ der UTSG an den Ball. Zunächst hatte er mit der Annahme zu kämpfen, brachte das Spielgerät aber doch im Tor unter (45. + 3).

Bussians weiter Weg

Für diesen Treffer ging der gelernte Mittelfeldspieler einen extrem weiten Weg, denn eigentlich nahm er an diesem Nachmittag die Position des Rechtsverteidigers ein. Zu oft durften sich die defensiven Außen des FSV solche Märsche nicht erlauben, da die beiden Usinger Flügelspieler Marcel Kopp und Max Miot Paschke stets Gefahr ausstrahlten. In dieser Situation war Bussians Ausflug jedoch Gold wert.

In der zweiten Halbzeit drehte sich das Spiel dann. Friedrichsdorf agierte, Usingen reagierte. Den Gästen gelang trotzdem die erneute Führung. Klug kam nach einer Flanke aus seinem Tor geeilt, konnte den Ball aufgrund eines Pulks an Spielern aber nur zentral nach vorne fausten. Von dort wurde die Kugel umgehend nach links geleitet, wo Tilger ins leerstehende Tor schießen konnte.

Doch der FSV kam abermals zurück. Franco Marino, ebenfalls ein Ex-Usinger, setzte sich in der 70. Minute auf Linksaußen durch und flankte den Ball scharf auf den mitgelaufenen Schäfer, der zunächst an Schulze scheiterte. Der Abpraller landete jedoch wieder vor Marinos Füßen – 2:2. „Nach vier Niederlagen nun gegen eine Top-Mannschaft wie Usingen zu punkten“, fasste Torwart Kai Klug nach Spielschluss zusammen, „das tut schon gut.“

Friedrichsdorf – Usingen 2:2 FSV Friedrichsdorf: Klug – Bussian (83. Pflüger), Bueno Oliva, Kulick, Zymolka – Koyun, Güven, Bitiq – Marino (86. Fuchs), Schäfer, Burak (74. Baba). Usinger TSG: Schulze – Senlikoglu, Jandausch, Kaus, Dörnte (83. Hartmann) – Selzer, Tilger, Günther (74. Brendel) – Paschke, Weber, Kopp (58. Gilles). Tore: 0:1/1:2 Tilger (14./FE, 61.) 1:1 Bussian (45. + 3), 2:2 Marino (70.). Torchancen: 6:7. – Eckbälle: 2:6. Zuschauer: 160. – Gelbe Karten: Klug, Schäfer, Bussian/Paschke, Brendel. Beste Spieler: Bussian, Marino, Bitiq, Koyun/Tilger. Spielnote: 2. Vier Tore, einige Chancen, hohes Tempo und hoher Unterhaltungswert. Schiedsrichter: Bastian Schäfer (SG Dornheim) – Note: 4. Gab einen unberechtigten Strafstoß, stellte gemeinsam mit den Schiedsrichter-Assistenten Nils Schock und Matin Etefaq die Angreifer bei Abseitsentscheidungen unter „Generalverdacht“ und entschied im Zweifel für die Verteidigung.

Bitiq überzeugt gegen Ex-Club: „Es war Kampf, keine Feindschaft“

Kommandos gibt Adrian Bitiq eigentlich in jedem Spiel, egal wie der Gegner heißt. Doch gegen seinen Ex-Verein Usinger TSG war der Leistungsträger des FSV Friedrichsdorf dermaßen engagiert und lautstark am Korrigieren, Kommandieren, Kritisieren und Motivieren - Trainer Metin Yildiz hätte fast zu Hause bleiben können. „Logisch, dass ich gegen die Usinger TSG besonders motiviert war“, sagte Bitiq nach dem Spiel, „ich hatte dort eine sehr gute Zeit und bin noch heute mit vielen Spielern befreundet.“ Die Freundschaft zu Marcel Kopp, mit dem er einst gemeinsam in der Verbandsliga spielte, wurde gleich in der 3. Minute auf eine Probe gestellt, als ihm von Bitiq im Zweikampf kräftig in die Parade gefahren wurde. „Ich hab den Jungs schon vor dem Spiel gesagt, dass ich keine Gefangene machen werde“, verriet Friedrichsdorfs Nummer 15 schmunzelnd, „es war ein Kampf, aber keine Feindschaft.“ Wie auch mit Kopp nach jener Szene, so gab es stets ein Abklatschen mit dem Gegner, hier und da auch mal einen Scherz. Doch dann galt wieder volle Konzentration.

Bitiq avancierte in den 90 Minuten zur Mischung aus Abräumer und Antreiber. Als Beispiel soll eine Sequenz aus der 65. Minute dienen: Kurz hinter der Mittellinie und dicht an der Auslinie bekommt Bitiq den Ball zugepasst, rutscht bei der Annahme aus, vollführt am Boden eine Drehung mit der Kugel am Fuß, lässt zwei Gegenspieler stehen, zieht mit Dynamik an zwei weiteren Usingern vorbei zum gegnerischen Strafraum, legt den Ball dort klug auf einen Mitspieler ab, und als dieser das Spielgerät verliert, setzt er zu einer Grätsche an und löffelt das Leder zum nächsten freien Mann. „Ich wollte das Spiel auf gar keinen Fall verloren geben“, sagte er. Mit dem Punkt war Bitiq sehr zufrieden: „Wenn wir an diese Leistung anknüpfen, haben wir sehr gute Chancen, schnell aus dem Tabellenkeller rauszukommen.“

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