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Frieren gehört für Footballer dazu

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Von: Thorsten Remsperger

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Liegestütz zum Warmwerden: die Footballer der Sentinels beim Trainingsauftakt im Sportzentrum Nord-West.
Liegestütz zum Warmwerden: die Footballer der Sentinels beim Trainingsauftakt im Sportzentrum Nord-West. © Bad Homburg Sentinels

Während die NFL in die heiße Phase geht, nimmt Bad Homburgs Zweitligist das Training auf. Eine wichtige Spielerverpflichtung steht bereits fest.

Bad Homburg -Bei Minusgraden seinem Lieblingssport nachzugehen, das ist kein Zuckerschlecken. Wenn es aber um Ruhm und Ehre in der US-amerikanischen National Football League (NFL) geht, ist den Spielern keine Temperatur zu kalt. Bei unmenschlichen 6 Grad Fahrenheit (minus 14,4 Grad Celsius) absolvierten die Buffalo Bills am Wochenende ihr Wildcard-Game gegen die New England Patriots - und ließen es ihren 70 000 Fans im Highmark Stadium unweit der kanadischen Grenze mit einem furiosen 47:17-Sieg warm ums Herz werden.

Im Januar und Februar sind die Football-Cracks in den Vereinigten Staaten manchmal auf dem Feld am Bibbern und Frieren, während weltweit die Football-Fans in den warmen Wohnzimmern an den Bildschirmen mitfiebern, wer in den Playoffs den Sprung in den Super Bowl - der nächste ist am 13. Februar in Los Angeles - schafft. Maximilian Schwarz, Präsident der Bad Homburg Sentinels, drückt den L. A. Rams die Daumen und kann nach dem 34:11 in der Nacht zum Dienstag gegen die Arizona Cardinals weiterhin darauf hoffen, dass sein Lieblingsteam es in den Super Bowl im heimischen Stadion schafft.

Vorher hatte sich Schwarz für seine eigene Football-Mannschaft warm eingepackt. Im Sportzentrum Nord-West traf sich das Zweitliga-Team der Sentinels auf dem Kunstrasenplatz zum Trainingsauftakt.

Antreten bei 6 Grad Celsius

"Ein Glück", meint Schwarz, der als Vereinsgründer schon verschiedene Funktionen bei den "Wächtern" inne hatte und in der kommenden Saison auch als Offensive Coordinator fungieren möchte, "ein Glück beginnen bei uns die Spiele erst im Frühjahr." Bei 6 Grad Celsius war gestern dennoch erstmals ein Grundlagentraining angesagt. Das heißt, es wird erst einmal Kondition aufgebaut, um für die Saison in der GFL 2 gewappnet zu sein. Immer montags und donnerstags treffen sich die Sentinels dort jetzt um 20 Uhr. Rund 40 Spieler aus dem am Ende 70 Akteure umfassenden Kader sei es dabei keineswegs kalt geworden, verrät Schwarz mit einem Augenzwinkern, die Spieler würden läuferisch ja ein gewisses Pensum absolvieren.

Ralf Kottmeier (in Blau) trainiert die Defensive Backs.
Ralf Kottmeier (in Blau) trainiert die Defensive Backs. © Bad Homburg Sentinels

Je länger die Tage werden, desto mehr wird sich freilich auch das Gesicht der Mannschaft verändern, für die Schwarz gemeinsam mit dem "beförderten" Defensive Coordinator Andreas Hock zuständig ist. Hock war in der Premieren-Saison, die von den Sentinels in der Südgruppe der GFL 2 auf einem ordentlichen vierten Platz abgeschlossen wurde, noch für die Defensive Line zuständig gewesen. Also für einen Teil der Abwehrformation (insgesamt elf Spieler).

Rashad Greene: Abwehr-Chef aus den USA

Wer die Defense zum Saisonauftakt bei Aufsteiger Gießen Golden Dragons (21./22. Mai) anführen soll, steht derweil jetzt schon fest. Mit Rashad Greene hat der Verein ein schon bekanntes Gesicht zurück in die Kurstadt gelotst. Der 30-jährige US-Amerikaner habe sich trotz mehrerer Angebote aus Europa erneut für die Sentinels entschieden, heißt es.

Der erfahrene Defensive Back gehörte mit sechs Interceptions (abgefangenen Bällen) und einem Punt-Return-Touchdown (nach einem Befreiungsschlag des Gegners trug er den Ball quer über das Feld bis in die Endzone) zu den besten Abwehrspielern der GFL 2 Süd. Einst besuchte er das College in West Alabama und machte sich in Europa als Spieler der Aalborg 89ers (Dänemark) einen Namen.

Kehrt im Mai nach Bad Homburg zurück: Ex-NFL-Profi Rashad Greene.
Kehrt im Mai nach Bad Homburg zurück: Ex-NFL-Profi Rashad Greene. © Bad Homburg Sentinels

"Rashad hat sich nicht nur sportlich, sondern vor allem auch menschlich unfassbar gut ins Team integriert", freut sich Schwarz auf eine weitere Zusammenarbeit. Den Transfer führt der 27-jährige Ober-Eschbacher nicht etwa auf Verhandlungsgeschick zurück, sondern darauf, dass der Spieler unbedingt wieder nach Bad Homburg gewollt habe. "Er wird unserer Defense große Sicherheit geben und war für die anderen Spieler wie ein großer Bruder, an den man sich immer wenden konnte", freut sich auch sein Trainerkollege Hock auf den US-Amerikaner.

Sentinels: Ein größerer Umbruch steht bevor

Eine weitere Neuverpflichtung ist Wide Receiver Daniel Claar vom Regionalligisten Fighting Farmers Montabaur. Schwarz verriet unterdessen, dass man sich mit etwa 15 potenziellen Neuzugängen in vielversprechenden Gesprächen befände. Es würden mehr Veränderungen als in den Vorjahren im Kader geben. Mehrere Spieler, die schon länger dabei waren, seien in der 2. Bundesliga an ihre Grenzen gestoßen und könnten ihren Beruf mit dem zeitintensiven Amateursport nicht mehr vereinbaren. Mehr auf Qualität als auf Quantität, so Schwarz, werde man in der Zusammenstellung des Kaders achten, aus dem es bei den nationalen Tryouts übrigens kein Spieler in den erweiterten Kreis der deutschen Nationalmannschaft geschafft hat. Für die Vorbereitungseinheiten bleibt der erst sieben Jahre alte Club sich treu: Mitmachen kann theoretisch jeder. Neue Spieler, die sich den Vollkontaktsport zutrauen, sind willkommen.

Sentinels: Wer wird der neue Quarterback?

Nicht ausgeschlossen, dass die Pässe bei den Sentinels auch von einem US-Amerikaner gespielt werden. Was die wichtige Quarterback-Position angeht, möchten die Kaderplaner um Schwarz aber offensichtlich genauer hinsehen. Der für die Vorsaison verpflichtete Gabriel Cunningham erwies sich zwar als siegbringender Ausnahmekönner auf dem Spielfeld, aber außerhalb eben auch als Selbstdarsteller. Cunningham absolvierte nur drei Spiele.

Für die restliche Saison hatten die Sentinels auf bewährte Kräfte zurückgegriffen. "Backup" Jasper Small kann berufsbedingt das Trainingspensum aber nicht mehr absolvieren. Und Leon Reitz aus der eigenen Jugend bringe alles mit, was ein guter Quarterback benötige, müsse aber in jungen Jahren auch noch Erfahrung sammeln, um eine Mannschaft führen zu können, sagt Schwarz.

Wer auch immer der künftige Quarterback sein wird: Sehr wahrscheinlich trainiert er erst mit, wenn's wieder deutlich wärmer ist. Rashad Greene wird sich jedenfalls erst von Mai an in der Kurstadt aufhalten. Aber auch bis dahin wird der Mann vermutlich selten frieren. Er lebt in Florida.

Korrektur: In der ersten Version des Textes haben wir geschrieben, dass Rashad Greene für die Jacksonville Jaguars in der NFL gespielt hat. Auf einen gleichnamigen Spieler trifft dies auch zu, aber nicht auf jenen Rashad Greene, der bald wieder für Bad Homburg im Einsatz ist.

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