Unter Corona-Auflagen ging's los: B-Jugend-Training des JFV Oberursel auf dem Sportplatz in Stierstadt.
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Unter Corona-Auflagen ging's los: B-Jugend-Training des JFV Oberursel auf dem Sportplatz in Stierstadt.

Fußball, Hochtaunus

Für die Jugend: Vier Oberurseler Fußball-Clubs kooperieren

  • VonRobin Kunze
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Unter dem Dach eines Jugendfördervereins sollen bald 250 Talente ab der C-Jugend antreten. Die Initiatoren erhoffen sich einiges davon.

Oberursel -Ab der Saison 2021/22 machen vier Oberurseler Stadtteilvereine gemeinsame Sache: 1. FC Oberursel, FC Oberstedten, FV Stierstadt und FC Weißkirchen firmieren zur neuen Spielzeit als Jugendförderverein (JFV) Oberursel. In den Kleinfeldklassen der G- bis D-Jugend gehen die Vereine noch eigene Wege, auf dem Großfeld bilden sie bald gemeinsame Mannschaften.

"Bei jungen Sportlern droht die Gefahr, dass man sie an das Smartphone oder die Playstation verliert. Zudem sind in der Vergangenheit immer wieder Spieler zu Vereinen außerhalb Oberursels abgewandert", erklärt Michael Bencak (FV Stierstadt), der den JFV als 2. Vorsitzender und Pressesprecher vertritt. Ihm zur Seite stehen als 1. Vorsitzender Christian Roth (FC Oberstedten), Sportchef Michael Haas (FV Stierstadt), Geschäftsführer Tobias Müller (Eintracht Oberursel) und Kassenwart Lars Arr-You (FV Stierstadt). Mit diesem Kompetenzteam wird bereits angedeutet, was Haas nochmals in Worte fasst: "Das Projekt ist äußerst ambitioniert."

Rund 250 Jugendspieler sollen zum Saisonstart in den Trikots des JFV auflaufen. Mit drei, möglicherweise sogar vier Mannschaften in der C-Jugend, sowie drei B-Jugendteams und zwei A-Jugend-Mannschaften kann der Kooperations-Club den jungen Kickern etwas bieten, dass die einzelnen Vereine zuletzt immer seltener geschafft haben: homogen besetzte Mannschaften.

"Zuletzt war das Leistungsgefälle innerhalb der Jugendteams stets recht groß", führt Bencak aus. Die überdurchschnittlich talentierten Fußballer waren leistungstechnisch isoliert, die weniger begabten oder ambitionierten Kicker überfordert, und am Ende drohte auf beiden Seiten der Verlust des Spielspaßes. Eine sinnvollere Einordnung der Spieler war aus Mangel an 2. oder 3. Mannschaften in den Altersklassen für die Vereine kaum möglich. Nicht selten wanderten die besonders Begabten ab, beispielsweise zu den besser aufgestellten Jugendabteilungen des 1. FC-TSG Königstein oder des FC Neu-Anspach.

Kürzere Wege zum Training

Dass nun ein ambitionierter Jugendförderverein in der Brunnenstadt agiert, soll nicht nur für die jungen Fußballer, sondern auch für deren Eltern Vorteile haben. Regelmäßig kam Bencak zu Ohren, dass das Bringen und Holen der Kids die Eltern belaste. Die sportliche Laufbahn der Sprösslinge drohte buchstäblich im Berufsverkehr zu ersticken. Dank des JFV seien die Wege zum Training nun kürzer. Und diese sollen für die Talente auch dann noch seltener aus Oberursel herausführen, wenn sie schon bei den Männern mitspielen.

"Aktuell wird der Oberurseler Herren-Fußball durch den FV Stierstadt stark vertreten, davor waren es im Wechsel Eintracht Oberursel, der 1. FC Oberursel und FC Oberstedten", führt Bencak aus, "aber es gab auf höherem Niveau nie eine Konstanz, der Erfolg war stets endlich." Schaffe man es nun, den Talenten innerhalb der Stadt eine Perspektive aufzuzeigen, so stünden auch die Chancen der Stammvereine gut, einen regelmäßigen Fluss an guten Fußballern aus dem eigenen Nachwuchs in die Senioren-Teams zu bekommen.

"Spieler, die Angebote von Clubs wie Mainz 05 bekommen, legen wir auch weiterhin keine Steine in den Weg. Da freuen wir uns für den jeweiligen Spieler natürlich. An die SG Rosenhöhe oder RW Frankfurt wollen wir aber beispielsweise keine Spieler mehr verlieren", betont Geschäftsführer Tobias Müller, "egal, ob Breiten- oder Leistungssportler."

Die Idee wurde 2018 geboren

Der Weg bis zur Gründung des JFV war ein weiter. Die Idee zu dem Projekt hatte Müller bereits 2018. Nach dem internationalen U15-Cup mit Top-Clubs wie den Tottenham Hotspurs, Glasgow Rangers und FC Porto, den er gemeinsam mit Eltern organisierte, hörte er als Trainer auf, um sich auf die Umsetzung des Projektes zu konzentrieren. Mit Christian Roth vom FC Oberstedten und René Gehringer vom 1. FC Oberursel fand er auch schnell Befürworter. "Alle Vereinsvertreter an einen Tisch zu bekommen, war jedoch extrem schwierig", blickt er zurück, "und die ersten zwei Anläufe sind gescheitert."

Als es vom FV Stierstadt dann aber Signale gab, man wolle einen erneuten Anlauf für eine Kooperation nehmen, witterte Müller die große Chancen, das Projekt noch verwirklichen zu können. Anfang 2020 nahm man die Arbeit auf, und ein gutes Jahr später war der Berg erklommen.

Erschwert wurde das Projekt auf der Zielgeraden durch die Pandemie, schließlich waren Mitgliederversammlungen durch das Coronavirus nicht möglich. Doch den Machern des JFV war es wichtig, alle Mitglieder der beteiligten Clubs offen und transparent mitzunehmen. Alle sollen sich als gleichberechtigter Teil des großen Ganzen fühlen, eigene Befindlichkeiten keine Rolle spielen. Übrigens hätte man gerne auch Eintracht Oberursel und den SV Bommersheim inkludiert, doch innerhalb dieser Vereine fiel das Votum gegen einen Beitritt in den JFV aus.

Die Homepage des neuen Vereins muss noch mit Leben gefüllt werden. Priorität genoss die Organisation des Trainingsbetriebs, damit die JFV-Mannschaften in der neuen Saison auch schon starten können. Manches wurde mit heißer Nadel gestrickt. Doch die Chancen stehen gut, dass sich daraus ein heißes Eisen im Jugendfußball des Hochtaunuskreises entwickelt.

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