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Für ein Trio aus dem Taunus geht's bis in die deutsche Spitze hinauf

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Von: Thorsten Remsperger

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Emma Bernhard aus Oberstedten
Emma Bernhard aus Oberstedten © Julian Solmsdorff

Luisa Kneppel und Jonas Heil landen in den Top 5 des DJC, und Emma Bernhard startet am Wochenende in Italien erstmals beim Europacup. Diesen Status genießen nicht viele.

Hochtaunus -Das Abitur in der Tasche, das Studium vor der Brust: Es gibt nicht wenige junge Menschen, die in dieser Zeit einmal das tun, was sie schon immer tun wollten. Denn wer weiß, ob und wann dies im Leben nochmals möglich sein wird. Heranwachsende ahnen ja schon, was noch so alles auf sie zukommen wird. Emma Bernhard gingen solche Gedanken auch durch den Kopf. Das Naheliegende - eine ausgiebige Reise - kam für sie aber nicht in Frage. Die 19-Jährige aus Oberstedten hat sich entschieden, ein ganzes Jahr dem Sportklettern zu widmen.

Die Biochemie-Studentin in spe ließ sich durch einen holprigen Start ihres "Profi-Jahres" nicht aus der Bahn werfen. Sie hatte sich im Herbst unverschuldet bei einem Trainingsunfall mehrere Bänder am Knöchel gerissen. Einbeinig legte sie alsbald mit dem Training wieder los, trainierte monatelang wie eine Berserkerin. In den Wänden des Kletterzentrums des Deutschen Alpenvereins (DAV-Sektion Frankfurt) in Preungesheim, der Kletterbar in Offenbach oder dem Dynochrom in Seckbach, unter Anleitung ihres Coaches Marvin Winkler aus Darmstadt und dem hessischen Landestrainer Andreas Vantorre.

Spezialisiert hat sie sich auf das Leadklettern, also am Seil eine bis zu 20 Meter hohe Route in einer vorgegebenen Zeit möglichst vollständig zu meistern. Das Ergebnis konnte sich bei den Lehrgängen des Nationalkaders in Kempten und in der Schweiz sehen lassen: Emma Bernhard wurde für den Europäischen Jugendcup in Imst (Tirol) nominiert. Dort kletterte sie unter 28 Teilnehmerinnen der Jahrgänge 2003/04 nach Rang acht in den beiden "Quali-Runden" im Finale auf Platz zehn.

Unter den drei besten deutschen Kletterinnen

Auch wenn sie ganz zufrieden sei, ginge das noch besser, meinte das Talent aus dem Taunus nach dem Wettkampf in Österreich. Die nächste Bewährungsprobe hat sie schon heute im italienischen Arco. Erstmals gehört sie dem Frauen-Trio an, das der DAV für den Europacup der Erwachsenen nominierte.

Luisa Kneppel aus Usingen.
Luisa Kneppel aus Usingen. © Luisa Kneppel

Luisa Kneppel (17) und Jonas Heil (16) kennen Emma Bernhard aus dem Training - und wandeln in der Wand inzwischen ein wenig auf deren Spuren. Die Usingerin Kneppel ist als Jugend-Hessenmeisterin wie auch der Neu-Anspacher Heil auf dem Weg in die nationale Spitze. Beim Deutschen Jugendcup (DJC) schafften die beiden Talente aus dem Usinger Land kürzlich ihr bis dato bestes Ergebnis. An der Außenwand des Alpinzentrums in Kempten wurden sie jeweils Fünfte.

Als wenn der entscheidende Wurf an den Ring geht

Ihr Abschneiden beim vorigen DJC in Stuttgart in der Disziplin Bouldern (Klettern ohne Seil auf Absprunghöhe) hatte die Christian-Wirth-Schülerin noch mächtig gefuchst. Elfte war sie geworden, doch nur die ersten zehn kommen stets ins Finale. Schlechter war sie jedoch keineswegs. Sie hatte für die Route in der Endabrechnung nur zwei Versuche mehr benötigt. "Das ist, als wenn du im Basketball mit der Schlusssirene zum Sieg wirfst und der Ball vom Ring wieder ins Feld springt", sagt Kneppel. Inzwischen spricht die Bilanz klar für sie: Rang 18 zum Saisonstart in Braunschweig, Elfte in Stuttgart und schon Fünfte in Kempten. Das lässt für den nächsten Wettkampf - wie auch im Allgäu wird es ihre Spezialdisziplin Lead sein - etwas erwarten. Am 10./11. September haben die beiden Taunus-Talente ein "Heimspiel" am Trainingsort in Preungesheim.

Jonas Heil wird womöglich noch ein wenig mehr nach Neu-Ulm schielen, wo es am 1. Oktober zum letzten DJC der Saison um die Disziplin Speed geht. So schnell wie möglich die vertikale Wand hochzuklettern - das zu beobachten, begeistert auch Luisa Kneppel immer wieder. Bei seinem Viertelfinal-Aus in Kempten habe ihr Kollege genau 9,216 Sekunden benötigt, um an den Griffen 15 Meter hoch zu kommen - "Wahnsinn!"

Jonas Heil aus Neu-Anspach.
Jonas Heil aus Neu-Anspach. © Jonas Heil

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