Königsteins Trainer Till Sommerfeld (oben) freut sich nach dem Kreispokalsieg mit seinen Spielern.
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Königsteins Trainer Till Sommerfeld (oben) freut sich nach dem Kreispokalsieg mit seinen Spielern.

Hessenpokal, 3. Runde

Für manche Königsteiner Fußballer ist es das Spiel ihres Lebens

  • Thorsten Remsperger
    VonThorsten Remsperger
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Der 1. FC-TSG Königstein trifft am heutigen Mittwoch im Hessenpokal auf Kickers Offenbach. Wie sich der Verein dieses Highlight verdient hat.

Königstein -Es wird die schwerste Entscheidung seiner Trainerkarriere. Gegen die Offenbacher Kickers im Hessenpokal antreten zu dürfen, ist für den 1. FC-TSG Königstein das Spiel des Jahres. Für nicht wenige Akteure des Siebtligisten würde es sogar das Spiel ihres Lebens werden - wenn sie denn von Coach Till Sommerfeld für die Partie am heutigen Abend nominiert werden. Um 18.30 Uhr wird das Duell David gegen Goliath angepfiffen. Die maximal 800 Eintrittskarten konnten dafür nur im Vorverkauf erworben werden.

24 Spieler umfasst der Gruppenliga-Kader des seit 18 Jahren bestehenden Zusammenschlusses aus 1. FC Königstein und TSG Falkenstein. 18 Akteure könne er für das Hessenpokalspiel nominieren, weiß Sommerfeld. Und wenn er das Wechselkontingent ausreizt, haben sich am Ende gerade mal 14 Spieler auf dem heimischem Kunstrasen am Kreisel gegen die Regionalliga-Profis des OFC beweisen dürfen. "Schwierig, schwierig", grübelte Sommerfeld schon Tage vor dem Spiel, "das bei uns seit der Auslosung allgegenwärtig ist".

Um in der Drittrundenpartie heute dabei sein zu können, haben sich die Königsteiner Stammspieler am Wochenende nochmals richtig reingehängt. Im Hochtaunus-Derby sind sie beim 0:3 gegen den FV Stierstadt unter Wert geschlagen worden. Als noch grün hinter den Ohren, empfand FV-Trainer Christian Liebig das Auftreten der Königsteiner, über die er sonst voll des Lobes war.

Glück im Elfmeterschießen

Fußballerisch gehört der 1. FC-TSG zu den Lichtblicken in der Hinrunde der Gruppenliga Frankfurt West. Was sich auch im sechsten Tabellenplatz nach neun Siegen, vier Unentschieden und fünf Niederlagen widerspiegelt. Für die 3. Hessenpokalrunde hat sich das Team mit Siegen beim FC Kalbach (4:1) und der TSG Wörsdorf (11:10 nach Elfmeterschießen) qualifiziert. Das kam für den einen oder anderen Fußball-Kenner durchaus überraschend. Denn die siebte Liga war bisher das Maximum für den Verein, der seit Jahren ein Aushängeschild in Sachen Jugendarbeit im Hochtaunus und über die Grenzen des Landkreises hinaus ist. Rund 600 Kinder und Jugendliche spielen bei den Burgstädtern in 26 Nachwuchsteams.

Zurück zur 1. Mannschaft: In der Abbruchsaison 2020/21 hatte eines der jüngstens Teams der Gruppenliga noch zu den klaren Abstiegskandidaten gehört. Doch die kontinuierliche Arbeit um den hauptamtlichen Juniorenleiter Ioannis Tsabasopulos macht sich inzwischen bezahlt. Natürlich verliert der Verein weiterhin - oftmals schon in der D- oder C-Jugend - talentierte Spieler.

An zwei Beispielen partizipierte auch der OFC. Luis Majchrzak lief schon für Offenbacher Jugendteams auf. 2019 stand der Bad Homburger dann mit dem Nachwuchs des 1. FC Kaiserslautern im DFB-Pokal-Finale der U19 (1:2 gegen den SC Freiburg). Linus Dahl, ein "waschechter" Königsteiner, war sogar Kapitän der Kickers-U19, eher er ein Stipendium annahm und jetzt an einem US-College kickt.

Aus der eigenen Jugend in die 1. Mannschaft

Aus den erfolgreichen Jahrgängen, die Königsteins A-Junioren bis in die Verbandsliga Mitte führten (derzeit Rang sechs), streifen sich mittlerweile viele auch im Aktiven-Bereich das rote Trikot des Taunus-Teams über. Nochmals ein gutes Dutzend an eigenen Spielern rückte für diese Gruppenliga-Saison auf. Und die jungen Kerle, verstärkt durch den ein oder anderen Routinier wie Torwart Bugra Dursun (32) oder Mittelfeldmotor Zino Zampach (28), waren im Lockdown heiß darauf, endlich wieder spielen zu dürfen.

Von den acht Gruppenligisten aus dem Hochtaunus trainierten die Königsteiner am kontinuierlichsten. Auch als das nur alleine zu Hause oder zu zweit auf dem Sportplatz möglich war. Das zahlte sich in der guten Verfassung zu Saisonbeginn aus, was im Kreispokalsieg gegen den Ligakonkurrenten FSV Friedrichsdorf (5:3 nach Elfmeterschießen) und vier Rundenspielen ohne Niederlage mündete.

Bis jetzt hat der 1. FC-TSG auch eine der niedrigsten Verletzungsquoten. Was wiederum die Entscheidung für das heutige Hessenpokalspiel gegen den Tabellendritten der Regionalliga Südwest für den Coach auch nicht einfacher macht. Denn Till Sommerfeld stehen fast alle Spieler aus dem Kader zur Verfügung.

Selbstverständlich orientiert sich der Trainer für seine Aufstellung nach dem Leistungsstand. Jedoch kennt der Mann seine Spieler nicht erst seit gestern. Bevor er im vergangenen Herbst zum Erstmannschafts-Coach aufrückte, hatte Sommerfeld schon jahrelang als Sportlicher Leiter des Seniorenbereichs im Verein agiert und auch die A-Jugend trainiert.

Kriterien für die heutige Aufstellung

"Ich werde berücksichtigen, wer in den vergangenen Jahren für den Verein immer alles gegeben hat", sagt der Übungsleiter deshalb, "wer keine Sekunde gezögert hat, den Weg mit dem 1. FC-TSG Königstein weiterzugehen."

Ein Einsatz im Spiel des Jahres oder des Lebens - je nachdem - soll also auch mit einer Belohnung für Vereinstreue verknüpft sein. Sicher kein schlechtes Zeichen auf einem Leistungsniveau, wo mancher Konkurrent schon fast durchweg auf "Wandervögel" setzt.

"Ich hoffe, dass es ein Event wird, ein echtes Highlight für alle", wünscht sich der Königsteiner Trainer, der mit Ugur Albayrak (33) auch einen ehemaligen Offenbacher einsetzen könnte. Sommerfelds Enthusiasmus ist in seiner Stimme herauszuhören. "Wenn wir dafür sorgen könnten, dass für uns die Tormusik gespielt wird, wäre das ein Traum."

Denn auch wenn es vermessen wäre, gegen den elfmaligen Hessenpokalsieger und die beste Abwehr der Regionalliga Südwest (12 Gegentreffer in 18 Spielen) an einen Sieg zu glauben. "Ein bisschen ärgern", sagt Sommerfeld, "ein bisschen ärgern wollen wir die Kickers schon."

Einen Gewissenskonflikt für seine Spieler schließt er derweil augenzwinkernd aus. "In unserer Mannschaft sind die Eintracht-Fans in der Überzahl."

Es gibt keine Abendkasse

Gestern Abend bestand letztmalig die Möglichkeit, eine der 800 Eintrittkarten für das Hessenpokalspiel zu ergattern. Es gibt heute keine Abendkasse. Zugang zum Sportplatz erhalten die Fußballfans nach der 3G+ Regel. Das heißt, sie müssen von einer Coronainfektion genesen oder gegen das Virus geimpft worden sein oder einen negativen PCR-Test vorlegen können. Der Verein weist zudem auf die Maskenpflicht hin, die besteht, wenn ein Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Die Zuschauer aus Königstein werden gebeten, ohne Auto zum Spiel zu kommen. Einzelne Parkplätze für Heim-Fans gibt es nur am HdB/Pater-Werenfried-Platz. Der Eingang zum Kunstrasenplatz am Kreisel erfolgt für alle Zuschauer und OFC-Fans direkt vom Tor am Kreisel/Ecke Wolfsweg aus.

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