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Auf Spielszenen wie diese freuen sie sich alle: Bis es aber wieder auf dem Grün zur Sache gehen wird, steht für die Spieler des TuS Waldernbach (in Blau)  - hier im Spiel gegen den FC Waldbrunn - eigenständiges Laufen und Fithalten auf dem Plan. Von dem erlaubten Individualtraining mit maximal zwei Personen auf dem Platz hält TuS-Trainer Florian Dempewolf (links) nichts.

Fußball

Fußball zu zweit - nicht wirklich prickelnd

Anfang November hatte die Hessische Landesregierung die Einschränkungen noch strenger verfasst. Es galt unter anderem, dass die Fußballer auch nicht zu zweit oder mit Mitgliedern des eigenen Hausstandes auf Sportplätzen kicken dürfen. Diese Regelungen wurden allerdings am 6. November rückgängig gemacht. Doch was bedeutet das für die aktuelle Trainingsgestaltung?

Bei vielen hessischen Vereine stellt sich die Frage, ob es erlaubt ist, wieder ein Mannschaftstraining anzubieten auf einem Sportplatz, der in viele Einzelfelder aufgeteilt ist, und mehreren Spielern, die getrennt voneinander agieren.

Bezüglich dieser Frage hat Frank Illing, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Qualifizierung und Vereinsentwicklung im Hessischen Fußball-Verband (HFV), mit dem hessischen Ministerium des Innern und für Sport, Rücksprache gehalten unddie aktuell gültigen Trainingsmöglichkeiten in Hessen klargestellt: Amateursport kann auf Sportanlagen im Freien oder in Sporthallen lediglich allein, zu zweit oder mit dem eigenen Hausstand stattfinden. Weitläufige Sportanlagen dürfen gleichzeitig von mehreren individualsportlich aktiven Personen genutzt werden.

Die Durchführung von Individualtraining ist möglich. Das bedeutet, der Trainer dürfe lediglich einzeln mit einem Spieler arbeiten. Gruppentraining hingegen ist explizit verboten. Ebenso ist ein "verkapptes" Gruppentraining in Form von mehreren gleichzeitig stattfindenden Individualtrainings nicht zulässig. Der Hessische Fußball-Verband empfiehlt daher ausdrücklich eine Beschränkung auf maximal eine Trainingsgruppe à zwei Personen oder eine Gruppe mit Sportlern, die aus einem Hausstand stammen, pro Platzhälfte.

Zwei Spieler (ohne Trainer) dürfen auch Eins-gegen-Eins-Situationen im Vollkontakt trainieren, sofern es sich um einen festen Partner handelt, der nicht gewechselt wird. Es muss in jedem Fall gewährleistet sein, dass keine Durchmischung der einzelnen Personengruppen erfolgt, also beispielsweise mit wechselnden Partnern trainiert wird. Voraussetzung hierfür ist, dass sich die unterschiedlichen Personengruppen keine Umkleiden und Sanitäreinrichtungen teilen und sich auch ansonsten nicht begegnen, so dass die Abstandsregeln in jedem Falle eingehalten werden.

So weit die Theorie: Doch wie sieht es in der Praxis aus? Für Florian Dempewolf kommt das Training in einer solchen Form nicht infrage. "Das kann man gerade in den unteren Klassen vergessen", sagt er. Der ehemalige Coach des SV Rot-Weiß Hadamar und des TuS Dietkirchen, heute Spielertrainer des Kreisoberligisten TuS Waldernbach, hält nichts von den Überlegungen, Individualtrainingseinheiten anzubieten, dafür sei auch der Aufwand viel zu hoch. "Die Jungs sollen jetzt erstmal vier Wochen pausieren. Wir haben einen kleinen Kader, da waren die vergangenen Monate mit den vielen englischen Wochen ohnehin hart genug", so Dempewolf. "Anschließend werde ich meinen Spielern einige Lauf- und Fitnessaufgaben stellen, die sie selbstständig absolvieren können." 

Auch er weiß aber natürlich, dass nicht alle seiner Spieler das Individualtraining fern des Fußballplatzes gleich ernst nehmen. Dennoch: "Es ist wichtig, dass sich jeder selbstständig einigermaßen fit hält, damit gewisse Grundlagen vorhanden sind, sobald wir wissen, wann es wieder los geht. Dann sehen wir uns irgendwann wieder auf dem Platz", erklärt der Coach des Tabellenvorletzten der Kreisoberliga.

Schon nach der ersten Unterbrechung des Spiel- und Trainingsbetriebs im Frühjahr 2020 waren die Meinungen zur Sinnhaftigkeit solcher Trainingseinheiten weit auseinander gegangen. Zu hoch war der Aufwand, zu gering der Ertrag für viele Vereine. Eine der ersten Mannschaften im Kreis Limburg-Weilburg, die im Frühjahr das Vorbereitungstraining für die Saison 2020/2021 aufgenommen hatte, war die TSG Oberbrechen. Konform zu allen Abstandsregelungen und Hygienekonzepten arbeitete Spielertrainer Alexander Schraut Trainingseinheiten mit vielen Lauf-, Pass- und Schussübungen aus. Der Spaß und das gemeinsame Sporttreiben standen dabei zunächst im Mittelpunkt des Geschehens. Allerdings: Damals durften bis zu 20 Personen gemeinsam Fußball spielen, sofern sie sich an die geltenden Abstände hielten.

Individualtraining wird jetzt aber auch Schraut nicht anbieten: "Ich habe mir kurz darüber Gedanken gemacht. In meinem Augen macht es aber wenig Sinn, mit nur einem Spieler auf den Platz zu gehen", sagt er. Anders sehe das aber bei den Torhütern aus. Dort könne ein Torwarttrainer mit einem Keeper sehr wohl eine sinnhafte Einheit absolvieren. Für die Feldspieler vertraut der Spielertrainer stattdessen auf eine Lauf-App, die den Schwarz-Gelben bereits im Frühjahr einen guten Dienst erwiesen hat. "Damit sind wir beim letzten Lockdown sehr gut gefahren, wir waren trotz der langen Pause auf den Punkt topfit", so Schraut. Tatsächlich: Der Aufsteiger etablierte sich nicht nur in der Kreisoberliga, sondern schaffte es sogar an die Tabellenspitze. Insbesondere der Fitnesszustand und die Moral der Mannschaft, die gleich mehrere Spiele nach Rückständen noch gewinnen konnte, waren dabei bemerkenswert.

"Die App hilft uns dabei, je nach Leistungsstand einzelner Spieler individuell an der Grundlagen-Ausdauer zu arbeiten", sagt Schraut. "Ich als Trainer habe damit sogar die Möglichkeit, zu sehen, wer von meinen Spielern wie oft, wie weit und wie schnell laufen geht." Außerdem bringe die Nutzung der App einen weiteren wichtigen Aspekt mit sich: "Wir bleiben dadurch in Kontakt und können uns gegenseitig antreiben, um unsere Laufleistungen stetig zu verbessern", so Schraut. red/yw

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