Als dem „Gackes“ das Herz in die Hose rutschte

Sportereignisse, über die im Taunus immer wieder gerne gesprochen wird, und die Frage, was aus den Protagonisten von einst geworden ist, stehen im Zentrum unserer Rubrik. Wir berichten in loser Reihenfolge.

Von Wolfgang Kullmann

Schon als Bub war der kleine Wilfried mit seinem Opa auf dem Sportplatz der SGK Bad Homburg als Zuschauer unterwegs, und er erklärt, wie es zu seinem Namenszusatz „Gackes“ kam: „Bei aufregenden Szenen auf dem Spielfeld lachte ich ungefähr so wie ein Huhn gackert. Das meinte zumindest mein Opa und nannte mich ,Gackes’, einen Namen, den ich nie mehr loswurde.“

Bald schnürte Wilfried Fritsch selbst die Fußballschuhe und durchlief alle Jugenden bei der SGK. Mit 18 „lockte“ ihn ein „Köpperner Mädchen“, seine heutige Ehefrau Monika, mit der er nun seit 42 Jahren verheiratet ist, zur Teutonia nach Köppern. Die beiden haben Sohn und Tochter und inzwischen vier Enkelkinder, und auch für den Sportverein aus dem Friedrichsdorfer Stadtteil war der Zugang von „Gackes“ ein Glücksfall. 14 Jahre lang war Wilfried Fritsch für den Verein am Ball, davon sieben als Mannschaftskapitän. Der schnelle, trickreiche Linksfuß – Vorbild war Nationalspieler „Schorsch“ Volkert (HSV und 1.FC Nürnberg) – stieg mit seinem Verein mehrfach auf bis in die Bezirksoberliga (heute Gruppenliga).

Sein größter Lehrmeister war der hier bestens bekannte Karl Loweg (Bundesliga-Torhüter bei Werder Bremen und Schalke und Deutscher Amateurmeister mit der SpVgg 05 Bad Homburg), von dem Wilfried Fritsch sagt: „Er war in jeder Hinsicht ein Vorbild, sowohl als Trainer, als auch im menschlichen Bereich außerhalb des Sportgeschehens. Ich habe von ihm viel gelernt, er hat mich ermutigt, selbst Trainer zu werden.“

Angebote von Oberligisten lehnte Fritsch ab. Er blieb bodenständig und wurde zu einer festen Größe im Hochtaunuskreis, wo er immer wieder in Auswahlmannschaften eingesetzt wurde. So spielte er großartig auf bei Freundschaftsspielen zum Beispiel gegen Eintracht Frankfurt bei der Sportplatzeinweihung in Seulberg oder gegen den 1. FC Nürnberg.

Bei einem Freundschaftsspiel gegen den 1. FC Köln vor 2 800 Zuschauern in Burgholzhausen, Ehrengast war Alt-Bundestrainer Helmut Schön, wäre ihm fast ein Tor für die Geschichtsbücher gelungen. Er erinnert sich: „Ich hatte Nationalspieler Gerd Strack ausgespielt, war allein vor Nationaltorhüter „Toni“ Schumacher, als mir vor lauter Ehrfurcht das Herz in die Hose rutschte. Das Tor wurde immer kleiner und ich traf nicht. So blieb es beim 0:9 und es gab kein Ehrentor.“

Bei einem Prominenten-Benefizspiel in der Nähe von Aschaffenburg im Juni 1983 hatte ihn Loweg mitgenommen und stellte ihn auf neben Größen wie Siggi Held, Bernd Hölzenbein, Friedel Lutz oder Helmut Kremers. Er lief jedoch weder als Wilfried Fritsch noch als Gackes, sondern als „Addi Mock“ auf, und die Zuschauer fragten sich, wo sie diesen Phantasienamen schon einmal gehört haben. Er wurde angekündigt als internationaler Star mit null Länderspielen, ein Spaß, über den sich die Eingeweihten köstlich amüsierten.

Fritsch war dann lange noch als Trainer erfolgreich, ab 1985 trainierte er den TSV Grävenwiesbach, FC Ober-Rosbach, Teutonia Köppern und insgesamt neun Jahre von 1994 bis 1998 und von 2005 bis 2009 den TV Burgholzhausen.

Der gelernte Konditor hat sich inzwischen aus dem Fußballgeschehen zurückgezogen und ist nach 45 Berufsjahren im Ruhestand. Nach wie vor ist er interessierter Zuschauer bei der Teutonia.

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