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Eine tolle Begegnung: Cedric Montimurro (11) trifft Nationalspieler Patrick Franziska, der früher ebenfalls das Trikot des TTC Elz getragen hat.

Serie: Supertalente im NNP-Land

Der in der Garage trainiert: Cedric Montimurro

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie "Supertalente aus dem NNP-Land" blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit Tischtennis-Spieler Cedric Montimurro vom TTC Elz.

Not macht bekanntlich erfinderisch: Familie Montimurro in Diez hat nach der Absage des Trainingsbetriebes und der Absetzung sämtlicher Tischtennis-Wettkämpfe in Folge der Ausbreitung des Coronavirus kräftig die Garage umgeräumt. Was eigentlich als Unterstellplatz für das Autos dient, wurde durch das Aufstellen der eigenen Tischtennisplatte so zu einem kleinen Trainingsraum für Cedric Montimurro, dem großen Talent des TTC Elz.

"Einen Trainingspartner hat er ja auch zu Hause ", sagt Vater Adrian Montimurro. Gemeint ist Cedrics älterer Bruder Noel (13), der ebenfalls in Elz Tischtennis spielt und mit dem Cedric nun viel Zeit beim Üben in der Garage verbringen wird. "Auch sein Trainer wird ab und zu mal vorbeikommen, damit Cedric nicht aus seinem Rhythmus kommt", erzählt der Vater. "Drei bis vier Wochen gar nichts zu machen, ist für die Tischtennis-Spieler fatal."

Im Normalfall absolviert der Diezer fünf Trainingseinheiten in der Woche; viermal im Leistungs-Stützpunkt des Hessischen Tischtennis-Verbandes (HTV) in der Frankfurter Sportschule an der Otto-Fleck-Schneise, einmal "daheim" beim TTC Elz. Hinzu kommen Wettkämpfe, Punktspiele und Lehrgänge. Auch für die Eltern ist das natürlich ein großer Aufwand. "Gerade was das Fahren angeht, teilen meine Frau und ich das ganz gut auf", erklärt der Papa. "Fahrgemeinschaften haben wir inzwischen keine mehr. Wir haben einen anderen Rhythmus als andere Eltern." Das liegt natürlich auch daran, dass Cedric Montimurro häufiger und umfangreicher trainiert als Gleichaltrige. Das muss er aber auch: Schließlich möchte das große Talent des TTC Elz auch in diesem Jahr wieder an seine zurückliegenden Erfolge anknüpfen. 

Mit Platz zwei in der hessischen Endrangliste der Schüler C 2018 und seinen starken Auftritten sowohl im Einzel als auch mit dem Team beim Fünf-Länder-Vergleichskampf im bayerischen Oberhaching 2019 hat sich Cedric auch in den Fokus des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) gespielt. So durchlief er im letzten Jahr die verschiedenen Sichtungsstufen des DTTB in Frankfurt, Düsseldorf und im thüringischen Bad Blankenberg, was ihm schließlich auch die Nominierung für die DTTB-Talentkader-Lehrgänge im Januar und März 2020 in Heidelberg einbrachte, wo er sich mit den besten Nachwuchsspielern seines Alters messen durfte. 

Mit Erfolg: Die Entscheidung seitens des DTTB ließ zwar lange auf sich warten, Ende März kam jedoch die Bestätigung. "Cedric gehört nun offiziell dem Talentkader des DTTB an", freut sich auch Adrian Montimurro über die Berufung seines Sohnes.

Für den Tischtennis-Sport investiert der Schüler des Sophie-Hedwig-Gymnasiums in Diez einen Großteil seiner Freizeit. "Leider bleibt da nicht mehr viel Zeit, um sich mit Freunden zu verabreden. Er versucht es aber so oft es irgendwie geht", so der Papa. Viele Stunden verbringt der Elfjährige vor seiner eigenen Dartscheibe. "Darts liegt ihm. Er ist wirklich gut", sieht der Vater das breitgefächerte Talent bei seinem Filius. Wie beim Tischtennis, zeichnet ihn dabei ein hohes Maß an Fleiß und Ehrgeiz aus. "Er übt viel. Das ist typisch für ihn."

Stehen Lehrgänge seitens des Tischtennis-Verbandes an, wird Cedric Montimurro von der Schule freigestellt. "Das kommt zwei- bis dreimal im Jahr vor. Die Schule unterstützt das und beurlaubt ihn dafür", so Adrian Montimurro. "Er hat schulisch allerdings auch keinerlei Probleme." Anfangs, das erzählt der Vater, habe man die Lehrgangstermine nicht frühzeitig genug eingeplant. "Letztes Jahr waren wir in Spanien im Urlaub, meine Frau musste dann mit Cedric vier Tage früher abreisen, um ihn nach Düsseldorf zum Sichtungslehrgang zu fahren." Ein Fehler in der Planung, der den Montimurros so wohl nicht mehr unterlaufen wird. "Daraus haben wir gelernt", sagt er mit einem Lächeln.

Etwas Gutes hatte der Aufwand dann aber doch noch: Bei eben jenem Lehrgang in Düsseldorf traf Cedric Montimurro im August auf sein großes Idol Timo Boll. "Bei den Lehrgängen läuft man einigen Größen des Sports über den Weg, die auch dort trainieren", erzählt Adrian Montimurro. Der ehemalige Weltranglisten-Erste Timo Boll habe der Trainingsgruppe seines Sohnes beim Training zugeschaut und anschließend mit ihnen Bilder gemacht. "Viele essen dort auch gemeinsam mit dem Nachwuchs in der Kantine. Man begegnet sich."

Ebenfalls dabei ist auch Patrick Franziska, der von 2007 bis 2009 für den TTC Elz gespielt hat, inzwischen fest zum Nationalkader gehört und in der Tischtennis-Bundesliga beim 1. FC Saarbrücken spielt. Der Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaft 2018 im spanischen Alicante kennt die Familie und hatte sie sogar einmal zu einem Bundesliga-Spiel nach Saarbrücken eingeladen. Ob Cedric Montimurro irgendwann in seine Fußstapfen treten kann, steht in den Sternen. In dieser Saison durfte der Elfjährige immerhin erste Erfahrungen im Seniorenbereich sammeln. Bei seinen drei Einsätzen in der Bezirksoberliga-Mannschaft des TTC Elz steht er in der Bilanz mit fünf Siegen und nur einer Niederlage.

Noch beeindruckender ist seine Statistik in der Hessenliga der Jungen 18 (Jahrgang 2002 und jünger), wo 14 Erfolgen lediglich zwei Niederlagen gegenüberstehen. Klar, dass er für die kommende Spielzeit als Stammspieler in der Bezirksoberliga eingesetzt werden soll. "Der Verein unterstützt ihn, wo er nur kann und steht voll hinter ihm", spricht Adrian Montimurro dem TTC ein Kompliment aus. "Elz ist in allen Bereichen wirklich sehr gut aufgestellt."

YANNICK WENIG

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