Hessischer Handball-Verband

Gut gearbeitet – und dann gefeuert

  • Volker Hofbur
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Der Hessische Handball-Verband kommt nicht zur Ruhe. Nach dem erzwungenen Rücktritt von Schiedsrichterwart Peter Striebl aus Kiedrich, der vor zehn Jahren vom Bezirk Wiesbaden in den Hessischen Handball-Verband (HHV) wechselte, traten auch sein Stellvertreter Engin Akbag (Kassel), Rocco Finger (Großwallstadt) als Verantwortlicher für die Nachwuchsförderung und Sally Kulemann (Oberursel) als Verantwortliche für die Neulingsausbildung zurück.

Dabei blieb es nicht. In einer Pressemitteilung des HHV-Präsidiums wurde mitgeteilt, dass die Mitglieder des Schiedsrichterausschusses mit ihrem Rücktritt nur einem Verfahren wegen verbandsschädigenden Verhaltens zuvorgekommen seien, dass ihren Ausschluss zur Folge gehabt hätte. Eckarts Aussagen zu Folge war dieses Verfahren nur gegen Striebl und Finger eingereicht worden. Doch es ging noch weiter. In einem weiteren Präsidiumsprotokoll steht, dass Frank Sattler, der in den vergangenen Monaten im Bereich des Beobachterwesens mitgearbeitet hat und Konzepte für die Zukunft ausgearbeitet hat, von seinen Aufgaben suspendiert wurde.

Klarer Blick

Die bis dato in der Verantwortung standen, wollten für einen sauberen Blick auf die Geschehnisse sorgen, auch angesichts der Aussagen, die HHV-Präsident Gunter Eckart im Zusammenhang mit dem Rücktritt Striebls tätigte. Neben Sattler hörte auch der Hattersheimer Stefan Ludwig auf. Und auch Andreas Laible fühlte sich nicht mehr an die Vereinbarung mit Eckart gebunden, Stillschweigen über die Gründe seines Rücktritts und seiner Abberufung zu bewahren.

Tatenloser Vizepräsident

Laible, Sattler und Ludwig schilderten die Geschehnisse aus ihrer Sicht, die sich erheblich von der des HHV-Präsidiums unterscheidet. Die Diskrepanzen hatten mit einem Derby in der Oberliga zwischen der SG Bruchköbel und der HSG Hanau begonnen. Die Halle war überfüllt, die Zuschauer standen direkt an den Bänken der beiden Mannschaften. Der Vizepräsident Spieltechnik, Tobias Weyrauch, war als technischer Delegierter und Frank Sattler als Beobachter der Schiedsrichter eingesetzt. „Weyrauch hat die Schiedsrichter im Stich gelassen und nicht eingegriffen, um normale Zustände an den Bänken zu gewährleisten. In der Halbzeit bin ich zu ihm gegangen und habe ihn aufgefordert, die Schiedsrichter zu unterstützen“, berichtete Sattler, „ich habe dies auch in meinem Bericht geäußert, auch in Hessen müssen die Schiedsrichter besser unterstützt werden wie es beim Deutschen Handball-Bund erfolgt“.

Nach weiteren Gesprächen bekamen Laible und Striebl beim Handballtag in Sprendlingen von Weyrauch den Auftrag, ein Konzept zu erarbeiten und eine Schulung für Technische Delegierte zu organisieren. Laible stellte das Konzept auf, nannte einen Personenkreis, den er mit dem Verantwortlichen, dem Vizepräsidenten Weyrauch im Präsidium abgestimmt hatte. Eine Gruppe von namhaften Schiedsrichtern oder ehemaligen Schiedsrichtern, die für dieses Amt geeignet sein, weil sie regelsicher seien und die dafür notwendigen Qualifikationen mitbringen.

Nach Ablehnung Rücktritt

Damit hatte gerüchteweise HHV-Geschäftsführer Günther Dörr Probleme, da Funktionäre wie Manfred Leber oder Gunter Eckart in der Liste fehlten. Laible bot als Kompromiss an, dass die Nicht-Schiedsrichter und Funktionäre Eckart und Leber eine Prüfung ablegen sollten. Dieser Kompromissvorschlag ging ins Leere. Am 6. September 2016 erklärte Weyrauch Laible, dass sein Konzept abgelehnt sei. Das Präsidium hätte sich für Eckart, Striebl, Leber und Weyrauch als technische Delegierte entschieden. Weyrauch, der Laible zum Erstellen des Konzepts aufgefordert hatte, ging auf Distanz zu ihm. Dieser trat am gleichen Tag als Verantwortlicher für das Lehrwesen im HHV zurück, blieb aber als Beobachter-Chef im Amt. „Wir haben etliche Gespanne für die oberen Ligen ausgebildet und geformt“, berichtete Sattler. Laible nahm mit den Verantwortlichen des Präsidiums Kontakt auf, schilderte ihnen, dass er von Weyrauch den Auftrag für dieses Konzept bekommen hatte. Auch Sattler versuchte dies: „Ich habe Weyrauch angesprochen, ohne Erfolg. Wir wollten Strukturen schaffen, dass der Spielbetrieb ordnungsgemäß und für die Schiedsrichter einfacher über die Bühne geht. Dafür kämpfen wir weiterhin.“

Abberufung vor Aussagen

Nach weiteren Mails zwischen Laible und den Verantwortlichen wurde Laible am 2. November als Beobachter-Chef abberufen, damit er auf der Sitzung des Arbeitskreises Schiedsrichter sich nicht mehr äußern konnte.

Der HHV-Beauftragte für die Spitzenförderung der Schiedsrichter, Benny Sirker, trat zurück, weil er mit den Umgangsformen des Präsidiums nicht einverstanden war. „Es war eine schwierige Situation“, berichtete Sattler, „wir sind dem Sport und den Vereinen sowie den Schiedsrichtern verpflichtet. Demgegenüber stand die Vorgehensweise, wie mit verdienten Mitgliedern umgegangen wurde“. Nach einer letzten Sitzung mit dem Präsidium war für Laible das Maß voll: „Ich kam mir wie ein Schwerverbrecher vor und war mit Striebl zwei Mal kurz davor, den Raum zu verlassen. Ich war nicht mehr bereit, unter Weyrauch zu arbeiten“, berichtete Laible, „das Präsidium wollte sich das Heft des Handelns nicht aus der Hand nehmen lassen, so lautete die Begründung für meine Abberufung“.

Reaktionen folgen

Laible unterstützte die Schiedsrichter, die auf dem Weg in die höheren Klassen waren, trotzdem weiter. Auch Sattler hinterfragte die Gründe für die Abberufung Laibles, ohne eine Reaktion zu erhalten. „Wir haben zwei junge Gespanne in die 2. Bundesliga gebracht. Die Geschehnisse haben hohe Wellen im Schiedsrichter- und Beobachterwesen geschlagen“, berichtete Frank Sattler. So waren die Beobachter zur neuen Saison nur noch bei Gespannen aktiv, die für einen Aufstieg in die 3. Liga in Frage kamen. Auch in den Bezirken gab es Turbulenzen, als Weyrauch das Misstrauen ausgesprochen worden war, was später zurückgenommen wurde.

Suche nach Lösungen

Frank Sattler und Stefan Ludwig wollten einen Weg aus diesem unhaltbaren Zustand finden. „Ich habe im Auftrag der Beobachter das Gespräch mit dem Präsidium gesucht, um unter Vorsitz eines Mediatoren Lösungen zu finden, da auch von Gunter Eckart im Mai 2017 eingeräumt wurde, dass die Situation so nicht mehr tragbar sei. Man wollte Laible beim HHV halten, der aber ein Angebot des DHB annahm und Coach in der Jugend-Bundesliga wurde. Man entschied sich für Matthias Sattler als Mediator, den Bruder von Frank, der gemeinsam mit ihm in der 2. Liga gepfiffen hatte und der Beobachter beim DHB ist. Die Gebrüder Sattler, Stefan Ludwig und Gunter Eckart saßen in Reinheim zusammen. „Wir hatten versucht, einen Kompromiss-Vorschlag zu erörtern und zu finden. Eckart meinte, dass würde schwer, aber nicht unmöglich werden“, so Sattler. Doch eine endgültige Lösung blieb aus.

„Wir haben dann die erste Halbserie kommissarisch gearbeitet, hatten aber keine verantwortlichen Personen in den Gremien mehr“, erklärte Sattler. Dennoch stellten Striebl, Akdag, Kulemann und Finger Lehrgänge auf die Beine, so dass es weiterlief. Diesem einen Gespräch folgte – entgegen der Aussage von Eckart – kein weiteres mehr. „Wir waren unabhängig von der Personalie Laible bereit anzupacken und zu helfen. Für uns war die Voraussetzung, das Konzept des technischen Delegierten zu realisieren“, berichteten Sattler und Ludwig. Das Konzept, wie es der Deutsche Handball-Bund in der Jugend-Bundesliga umsetzt, wurde abgelehnt. „Wir hatten dargestellt, wie das Lehr-und Beobachterwesen optimiert werden sollte. Wir haben versucht, den Laden am Laufen zu halten, aber es gab keinen Austausch. Das ist kein Stil, wie man im Ehrenamt miteinander umgeht“, erklärte Sattler.

Keine klaren Aussagen

Andreas Laible fügte hinzu: „Alle, die mit mir Kontakt halten, sind verbrannt. Dabei weiß ich immer noch nicht, was ich verbrochen habe.“ Sattler geht es ähnlich: „Ich soll suspendiert worden sein, habe von den Herren aber nichts gehört. Ich bin mir keiner Schuld bewusst, werde aber angeklagt und verurteilt, ohne gehört zu werden.“

„Wollten Qualität“

Bedauernswert ist dies für ihn, denn mit Stefan Ludwig hätte man einen zweiten Schiedsrichter aus der 2. Liga im Amt gehabt: „Wir wollten an Qualität gewinnen, denn wir brauchen die Spitze, um an Breite zu gewinnen.“

Die Frage, wie ein Verband funktionieren kann, der keine anderen Meinungen duldet, will keiner beantworten. „Wenn einer der größten Verbände keine Vertreter beim DHB hat, ist das erschreckend“, so Sattler, „man kann hier nicht mehr miteinander reden, nur noch übereinander schreiben. Ich bin einfach nur enttäuscht, wünsche den Neuen aber viel Glück. Sie werden es nicht leicht haben, denn alle haben Diskussionen im Schiedsrichter-Wesen auf Landesebene vernommen. „Die Entrüstung ist groß, Gespanne wollen in andere Landesverbände. Wir haben die Schiedsrichter ermuntert, weiter zu pfeifen, denn die Vereine sind die Leidtragenden. Und die können nichts dafür“, so Sattler.

Das zurückgetretene Team unter Führung von Peter Striebl stand und steht für eine strukturierte und zukunftsorientierte Ausrichtung des Schieds- und Beobachterwesens in Hessen. Die ausgestreckten Hände derjenigen, die dafür verantwortlich waren, gingen aber ins Leere.

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