+
Konzentriert im Geviert: Anna Nolte und Pentimento.

Hessenmeisterin Anna Nolte

Gelungene Premiere

  • schließen

Groß war die Nervosität bei Anna Nolte vor ihrer Premiere in der Festhalle. Danach gab es Lob von der Bundestrainerin.

Als Anna Nolte ihr Pferd vor ihrer Premiere beim Frankfurter Festhallen-Turnier verbal vorstellte, ahnte sie nicht, wie nahe sie an die Realität herankommen würde. „Wenn ich es richtig mache, macht Pentimento auch alles richtig. Ihn kann ich mitten in der Nacht wecken und er wird den Grand Prix reiten“, sagte die Hessenmeisterin aus Dreieich bei der Pressekonferenz am Dienstag.

Dass es tatsächlich so kommen würde, ahnte sie nicht. Bereits um 5 Uhr früh übte das Paar gestern Morgen in der Festhalle. „Da die Prüfungen schon um 6.30 Uhr begannen, gab es keine andere Möglichkeit, um das Pferd an die Atmosphäre zu gewöhnen.“

Die Teilnahme sei ihr Jahresziel gewesen. „Ich war sehr nervös, das Pferd war nervös. Aber ich habe es trotzdem genossen“, beschrieb Anna Nolte ihren gestrigen Ritt in der Festhalle. Auf ihrem elfjährigen Hannoveraner Wallach Pentimento belegte sie im Grand Prix Platz 13. „Wir lagen auf Kurs 70 Prozent, womit ich unter den besten Acht gewesen wäre. Dann machte Pentimento zu viele Einerwechsel. Auch bei einer Pirouette merkte ich, dass sich meine Nervosität auch auf ihn übertrug. Das hat uns drei Prozente gekostet“, beschrieb die gebürtige Kasachin ihren Ritt. „Anna hat sich sehr gut geschlagen, für sie war es ein guter Einstieg in den internationalen Sport. Das Paar wirkte harmonisch. Pentimento ist ein schönes, leichtfüßiges Pferd“, lobte Bundestrainerin Monica Theodorescu.

Nach Deutschland kam Anna 1993 als Neunjährige. Pferde waren damals noch kein Thema. „Ich habe in Kasachstan Rhythmische Sportgymnastik gemacht. In der Gegend von Aschaffenburg, wo wir gewohnt haben, gab es aber keinen Verein.“ Also probierte sie es zunächst mit Geräteturnen, doch es gab eine Mitschülerin, die ständig vom Reiten schwärmte. Und so ging sie mit ihr, nahm Unterricht auf Schulpferden. Während der Pubertät hörte sie aber wieder auf.

2006 lernte sie ihren Ehemann Hans Nolte kennen, der sie in ihrem Faible für das Reiten bestärkte. Bald saß Anna stolz auf einem eigenen Pferd. Ein gutmütiger Schecke, für den Sport aber ungeeignet. Die sportliche Karriere verdankt sie ihrem heutigen Trainer Carl Cuypers. Der ehemalige belgische WM-Reiter weilte auf der Reitanlage Kirchborn in Dreieich. Anna, die mit ihrer Familie inzwischen in Dreieich lebte, war Vereinsmitglied, hatte ein Dressurpferd, das aber nicht zu ihr passte. Dennoch fiel die blonde Reiterin dem Pferdewirtschaftsmeister positiv auf. „Er fragte mich, warum ich keine Turniere reite, riet mir, ein Silber-Reiterabzeichen zu machen, um auf Kandare reiten zu können.“ Sie folgte ihm, hatte bald schon erste Erfolge in der M-Dressur. „Carl hat mir das Reiten erst richtig erklärt. Erst da wurde aus der Freizeitreiterin eine Turnierreiterin“, bekennt Anna Nolte.

Der Durchbruch gelang ihr im vergangenen Jahr – mit 30. Da baute ihr Mann Hans Nolte, ein Dreieicher Unternehmer, der seit Jahren in der Sportförderung engagiert ist, mit dem Hofgut Rosenau eine der beeindruckendsten Reitanlagen in Deutschland. Nur fünf Minuten von der Wohnung entfernt. Und Anna feierte 2014 die ersten Erfolge. Auf dem Peterhof in Perl belegte sie auf Sir Arthur bei ihrer ersten internationalen Prüfung Rang drei.

Seit Januar 2015 trainiert sie auf der neuen Anlage, die an das Villenviertel von Buchschlag angrenzt. Fünf Stunden täglich verbringt sie mit den fünf Pferden, die sie mittlerweile besitzt. Ihr erstes Pferd ist mittlerweile Pentimento. Den Wallach sah sie in der Festhalle erstmals 2013. Damals, noch als Hengst, ging er im Louisdor Preis unter der US-Amerikanerin Casey Nielsen. „Ich war sofort Feuer und Flamme und fragte, ob das Pferd zu verkaufen wäre und holte mir eine Absage.“ Ein Jahr später rief Nielsen an und fragte, ob die Noltes noch interessiert seien. Sie waren es. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, so Anna. Das Paar gewann in Darmstadt die Hessenmeisterschaft, siegte auf der Wintermühle in Neu-Anspach im Grand Prix wie auch im Grand Prix Special vor den Olympia-Reiterinnen Dorothee Schneider und Fabienne Lütkemeier. „Der Special mit den vielen Passagen-Touren liegt ihm besonders“, meint die Reiterin, die heute die Gelegenheit bekommt, dies wieder unter Beweis zu stellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare