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Manöverkritik während der Partie in Eddersheim: Lilla Orban und Spielertrainerin Lena Riedel.

Handball

Gerhard Döll wirft bei der TSG Ober-Eschbach hin

Vor siebeneinhalb Jahren stieg Gerhard Döll bei der TSG Ober-Eschbach ein. Jetzt endete die Schaffenszeit des Damenhandball-Machers abrupt.

Nachdem am vergangenen Wochenende bereits Marc Langenbach als Trainer der TSG Ober-Eschbach zurückgetreten war, verlieren die „Pirates“ nun auch überraschend den langjährigen Steuermann: Gerhard Döll legte Ende dieser Woche sein Amt als Manager beim Drittligisten mit sofortiger Wirkung nieder. Eigentlich war vorgesehen, dass er am Sonntag bei der Partie gegen die TSG Eddersheim als Interimstrainer auf der Bank Platz nimmt, doch an genau diesem Punkt kam es offenbar zum Bruch mit der Mannschaft.

Am vergangenen Montag sollten sich die Spielerinnen in Abwesenheit von Döll untereinander über den weiteren Verlauf der Spielzeit einig werden. Nach einer abermaligen Aussprache am Donnerstag, so Döll, sei er von zwei Spielerinnen vor die Wahl gestellt worden sein: Entweder das Team übernimmt die Verantwortung oder Abgänge seien zu befürchten. Konkret nennt Döll Kapitänin Lena Riedel und Lisa Lichtlein, die mit ihrem Weggang gedroht hätten. „Sie haben dem Verein die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagt Döll, „da ich pragmatisch veranlagt bin, habe ich dem Wunsch Folge geleistet.“ Er verzichtete auf den Posten als Interimstrainer und gab den Posten des Managers gleich mit ab.

Pikanterweise bestand eine seiner letzten Amtshandlungen zuvor darin, Riedel für das Spiel in Eddersheim zu suspendieren, da sie sich „wiederholt nicht an Absprachen gehalten“ habe. Gestern Nachmittag war Riedel, die für unsere Redaktion telefonisch nicht erreichbar war, dann doch dabei und dirigierte die „Pirates“ als Spielertrainerin zumeist von der Bank aus, allerdings mit wenig Erfolg. Das Spiel ging mit 22:31 verloren. Als offizieller Mannschaftsbetreuer fungierte Stefan Schenkelberg.

Gefehlt hatte neben Gerhard Döll auch Routinier Juliane Grauer. Auch künftig wird die wurfgewaltige Rückraumspielerin nicht mehr im Trikot der TSG auflaufen, wie sie der Taunus Zeitung am Sonntagmittag bestätigte.

„Ich habe persönlich nichts gegen die Mädels“, betont Grauer, „aber ich habe sehr wohl etwas gegen die getroffene Entscheidung.“ Besonders das von den Mitspielerinnen gestellte Ultimatum könne sie weder verstehen noch mittragen. „Friss oder stirb, das gibt es mit mir nicht“, sagt Grauer, „ich bin überzeugt, dass man im Gespräch immer eine Lösung findet.“

Das Problem: Als die Mannschaft am Donnerstag den Entschluss traf, wurde Grauer nicht miteinbezogen. Als berufstätige Mutter trainiert sie nur jede zweite Woche voll mit, ansonsten ist sie einmal pro Woche im Training. Just am vergangenen Donnerstag war war sie bei besagter Besprechung nicht vor Ort und erfuhr am Telefon von Döll von den Vorkommnissen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, berichtet sie, „auch ich war nicht immer mit Gerhard einer Meinung, aber das es nun so kommt, dafür gab es keine Anzeichen.“ Bereits im 2017 dachte Grauer übers Aufhören nach, ließ sich aber nochmals für eine letzte Saison begeistern. Dass ihre aktive Laufbahn nach 130 Spielen und 740 Toren für Ober-Eschbach zu so einem Ende kommt, bedauert die 29-Jährige. „Es ist traurig, wie es jetzt gekommen ist“, sagt sie.

Gerhard Döll wirkt im Gespräch dagegen sehr aufgeräumt. Dabei war er siebeneinhalb Jahre im Amt. Nur kurz ließ er durchblicken, dass ihn dieser unrühmliche Abschluss emotional berührt. „Ich kann nicht sagen, dass die Pirates mein Baby waren, denn geboren hat das Projekt jemand anderes“, gesteht er, „aber ich habe es wie ein Adoptivkind groß gezogen.“ Nun muss es ohne den Ziehvater seine nächsten Schritte machen. Es liegt in den Händen der Spielerinnen, ob es bei der TSG mit Damenhandball weitergeht. Aber sie alleine, können den Spielbetrieb nicht stemmen.

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