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Geteiltes Echo auf den Punktrunden-Abbruch

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Von: Volker Hofbur

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Der Ball ruht in den hessischen Tischtennis-Ligen - wegen Corona. Nicht alle Vereine können das verstehen. FOTO: imago images
Der Ball ruht in den hessischen Tischtennis-Ligen - wegen Corona. Nicht alle Vereine können das verstehen. © imago images/Eibner

Es gibt Befürworter, aber auch die Angst vor dem Verlust von Mitgliedern

Main-Taunus -Der Hessische Tischtennis-Verband (HTTV) hat die Punktrunde abgebrochen, während in den höheren Ligen ab der Oberliga weitergespielt wird. Eine Wertung erfolgt nach den Ergebnissen der Vorrunde, wer auf dem Relegationsrang steht, kann das Aufstiegsrecht wahrnehmen. Pokalspiele sollen noch stattfinden, ebenso Turniere nach den Corona-Bedingungen. Auch soll das Training weiterlaufen. Grund genug, bei den heimischen Vereinen nachzufragen, wie sie die Entscheidungen beurteilen.

Sascha Röhr als Mannschaftsführer des Oberliga-Aufsteigers TuS Hornau findet die Entscheidung gut: "Sicher gibt es jeweils tausend Gründe, die dafür oder dagegen sprechen. Wir sind alle Familienväter und durch die Infektionen der Kinder gefühlt alle zwei Wochen mit Fällen im nächsten Umfeld konfrontiert. Zuletzt hatten wir immer mehr Fälle, so dass die Runde immer mehr auseinandergezogen wird. Auf freiwilliger Basis haben wir kaum trainiert, und haben jetzt mehr Zeit." Nicht so gut gefällt ihm, dass jetzt aus der Sechser-Mannschaft ein Vierer-Team wird. "In der 3. Liga spielen sie mit drei Leuten, in der Oberliga mit vier und in der Hessenliga mit sechs Leuten. Es gibt keine Sportart, wo in verschiedenen Klassen so viele verschiedene Regelungen getroffen wurden", erklärt Röhr.

Tobias Laible ist Mannschaftsführer des Hessenliga-Aufsteigers TSG Eddersheim und bezieht klar Stellung: "Für mich war es die einzig logische Konsequenz. Es wäre kein fairer Wettbewerb geworden. Wir haben es zu spüren bekommen, wenn wir nicht komplett antreten konnten. Die ganze Rückrunde wäre verzerrt worden." Er sieht auch den gesellschaftlichen Aspekt. In seinen Augen hätte man die Runde nicht beliebig nach hinten legen können. "Es ist leider der einzig richtige und nachvollziehbare Weg", sagt er, "wir werden aber weiter trainieren, haben aber jetzt sieben Monate Pause bis zum nächsten Spiel. Immerhin können wir in unserer Vereinshalle aber durchgängig trainieren. Der Verband muss aber darüber nachdenken, vielleicht zwei Wochen früher zu beginnen, denn die Infektionswellen werden im Herbst und Winter wieder kommen". Laible freut sich über den Aufstieg seines Teams: "Den haben wir uns verdient, und wir haben Lust, uns dieser Herausforderung zu stellen."

Auch Vanessa Völzke als Mannschaftsführerin des Verbandsligisten Spvgg. Hochheim befürwortet die Entscheidung: "Wir sind froh, dass die Hinrunde stattfinden konnte. Jetzt ist uns das Risiko zu groß geworden. Die Entscheidung ist richtig. Wir trainieren auch nicht, haben es erst einmal ausgesetzt." Als Zweite könnte die Spvgg. Hochheim in die Hessenliga aufsteigen. "Wir werden darüber noch einmal reden. Ich weiß nicht, ob wir dieses Recht wahrnehmen werden."

Christian Beul als Mannschaftsführer des Verbandsliga-Absteigers TV Wallau sieht die Entscheidung mit gemischten Gefühlen und sieht auch unterschiedliche Reaktionen im Verein. "Ich will es auch nicht entscheiden, muss es akzeptieren. Die jüngeren Spieler waren enttäuscht, bei den älteren habe ich Erleichterung gesehen. Ich hatte gehofft, dass der Verband noch zwei oder drei Wochen wartet. Es war zu befürchten, dass der HTTV aber so handelt. Aber gerade in der Jugend sehe ich, dass es immer schwieriger wird, die Kinder und Jugendlichen bei der Stange zu halten", erklärt Beul. Für seine Mannschaft geht es runter in die Bezirksoberliga. "Wir hätten noch auf den Relegationsrang kommen können, hatten es aber selbst in der Hand", blickt er zurück und ist optimistisch, dass der Verein nach zwei Jahren Pause Pfingsten sein traditionelles Turnier ausrichten kann. "Bisher sind die Verluste überschaubar", macht Beul deutlich, "aber wie viele Leute verlieren wir noch für den Vereinssport?"

Martin Schlicht , der in der Hessenliga Mannschaftsführer der TuS Kriftel II ist, kann diese Entscheidung nicht ganz nachvollziehen. "Ich finde es sehr schade, dass es abgebrochen wird. Ich hatte gehofft, dass es weitergeht. Da wir auf dem Relegationsplatz als Achter stehen, bleiben wir in der Hessenliga. Wir hätten nun wieder unsere beste Besetzung gehabt und trainieren auch weiter. Wenn mich die Oberliga-Mannschaft braucht, bin ich da. Es ist schon komisch, dass sie weiterspielen und wir aufhören müssen."

Doris Grieshaber ist Mannschaftsführerin des Hessenligisten SG Kelkheim: "Wir sind nicht begeistert, akzeptieren aber die Entscheidung. Wir haben gehofft, dass es weitergeht. In der Vorrunde war eine Teamkollegin nach nur einem Spiel ausgefallen, sie hätte jetzt wieder spielen können. Wir sind enttäuscht, weil wir gerne spielen. Das Training ist weiter zugelassen, aber spielen sollen wir nicht. Die Frage ist für uns, was dann in der nächsten Saison passiert." Sie befürchtet durch diese Absage Auswirkungen für den Breitensport - vor allem im Nachwuchsbereich. Kurios kann es für die Kelkheimerinnen in der kommenden Saison werden. "Da wir aus der Hessenliga abgestiegen sind, unsere Zweite Mannschaft dort drinbleibt und unsere Dritte Mannschaft aus der Bezirksoberliga aufgestiegen ist, hätten wir das Recht, mit drei Mannschaften in der Verbandsliga zu spielen. Mal sehen, wie das geregelt wird", erläutert Grieshaber.

Auch für Mehmet Mihmat als Mannschaftsführer des Verbandsliga-Aufsteigers TG Unterliederbach ist es eine schlechte Entscheidung: "Wir freuen uns nicht. Es ist ein komischer Aufstieg. Es fühlt sich nicht gut an." Für ihn ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar: "Wir haben uns in den letzten eineinhalb Jahren an die Maßnahmen gewöhnt. Ich bin Sportlehrer, da findet der Unterricht ohne Masken statt. Das Training soll auch weiterlaufen, obwohl viele Kinder ungeimpft sind. Wir können normal trainieren." Er sieht, dass das Training gut abgelaufen ist: "Wir sind in die Halle gekommen und haben die Masken abgenommen, wenn wir am Tisch waren. Es ist eine unbefriedigende Situation. Die Entscheidung kommt nicht überraschend für uns. Es hätte anders und plausibler dargestellt werden müssen. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen es den Vereinen und den Eltern erklären können. Uns hat keiner gefragt. Es gab nie eine Kontaktaufnahme mit uns. Denn wir müssen aufpassen, dass uns der Nachwuchsbereich nicht wegbricht." Volker Hofbur

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