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Zum Schluss eine Dusche aus dem Eimer: die Aufsteiger des FC Oberstedten II.

Fußball

Von Gewinnern, Streithähnen und Rückziehern

Wenn Kinder zum Zähneputzen bewegt werden sollen, eignet sich die Geschichte von Karius und Baktus wunderbar. Die kleinen Zeichentrick-Männchen haben es sich in den Zähnen gemütlich gemacht,

Wenn Kinder zum Zähneputzen bewegt werden sollen, eignet sich die Geschichte von Karius und Baktus wunderbar. Die kleinen Zeichentrick-Männchen haben es sich in den Zähnen gemütlich gemacht, weil der Bub das Putzen vernachlässigte, und sie sind nur schwer wieder zu vertreiben. Beim Namen Karius kommt seit Samstagabend sehr vielen Fußballfans auf der ganzen Welt auch ein junger Torwart des FC Liverpool in den Sinn. Mit zwei Fehlern hat er den Sieg von Real Madrid im Endspiel der Champions League begünstigt. Loris Karius und das verpatzte Finale von Kiew – auf ewig miteinander verbunden?

Gegen Karius und Baktus hilft die Bürste, zur Not der Zahnarzt. Nur schwer (aus dem Gedächtnis) zu vertreiben sind allerdings Ereignisse, die eine sehr große Tragweite haben. Menschen erinnern sich lange an sie, wenn diese für sie persönlich oder aber für ganz viele andere von großer Bedeutung waren.

So gesehen wird der Schatten eines Spielabbruchs wahrscheinlich nicht lange über dem 1. FC Oberursel und FSV Steinbach liegen. Und das ist auch gut so. Dass es nach dem vorzeitigen Ende der B-Liga-Partie am 21. Mai (wegen zu vieler Platzverweise für die Heimelf) zu Rudelbildungen, der Tätlichkeit eines Spielers und obszönen Provokationen eines Steinbacher Anhängers gekommen war, wurde vom Sportgericht des Fußballkreises angemessen bestraft: mit Punktabzug (Oberursel) und Geldstrafen (Oberursel, Steinbach).

Den Verantwortlichen der Vereine war das Fehlverhalten Einzelner absolut bewusst, sie zeigten sich während der Verhandlung in Usingen sehr einsichtig. Das Steinbacher Vereinsmitglied hatte sich vorab per E-Mail für sein Verhalten entschuldigt. Der FC kündigte nun an, sich von Spielern trennen zu wollen, die sich während der Partie nicht im Griff hatten. Für ehrenamtliche Funktionäre sind solche Vorkommnisse, für die sie selbst nichts können, ein Schlag ins Gesicht. Die Vereine können manchmal am allerwenigsten dafür.

Durch den Drei-Punkte-Abzug für Oberursel war nochmals Spannung im Aufstiegsrennen der B-Liga aufgekommen, dass der FC sowie die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach II schließlich hinter Meister SG Hundstadt machte und Steinbach nur der „undankbare vierte Rang“ blieb. Kurioserweise wirkte sich in einer ansonsten recht ruhigen Saison auch in der Kreisliga A ein Sportgerichtsurteil auf die Entscheidung um den Aufstieg aus. Wegen Ausschreitungen der Teams in der Partie vom 15. April waren dem FV Stierstadt II und der SG Eintracht Feldberg drei Punkte abgezogen worden. Weil sich die Eintracht für ein Konfliktseminar des Hessischen Fußball-Verbandes angemeldet hatte, meinte sie, die Bestrafung wieder rückgängig machen zu können. Unklarheiten gab es dabei wegen einer Frist. Einer genaueren Klärung der Sachlage bedarf es wiederum nicht, denn die zum Siegen verdammte SGE verlor ihr „Spiel um Platz drei“ gegen den FC Oberstedten II mit 1:3. Bleibt zu hoffen, dass die SGE dennoch ihr Team zum Seminar schickt.

Der FC Oberstedten gehört wiederum zu den großen Gewinnern dieser Saison im Kreis, ist der kleine Verein aus dem Oberursel Stadtteil doch künftig mit seinen Mannschaften in der Gruppenliga und Kreisoberliga vertreten. Ebenso gab’s hinter der Saalburg gleich zwei gewichtige Gründe zum Feiern: Die SG Wehrheim/Pfaffenwiesbach steigt mit zwei Teams auf – in die KOL (nach 30 Spielen ohne Niederlage) und in die Kreisliga A. Die SG ist nach derzeitigem Stand neben Teutonia Köppern überdies der einzige Fußballvertreter im Hochtaunus mit drei Senioren-Mannschaften. Der FC Neu-Anspach meldet seine „Dritte“ aus der A-Liga ab. Der SV Seulberg und die FSG Niederlauken/Laubach hatten ihre Reserven schon im laufenden Betrieb aus der C-Liga zurückgezogen. Immerhin kündigte der SVS an, wieder eine „Zweite“ zu bilden.

Zur insgesamt bedenklichen Entwicklung des Mannschaftschwundes im Fußball – vielerorts haben Vereine dieses Problem – passt die Nachricht, dass der FC Ay Yildizspor keine Mannschaft mehr für die Saison 2018/19 melden wird. Auch die gescheiterte Spielgemeinschaft des Usinger Vereins, der im Sommer 2017 noch zwei Teams hatte, mit TuS Merzhausen trug dazu bei, dass die finalen Wochen der Saison im Amateurfußball ziemlich bewegt waren. Oder sagen wir es so: Alle Beteiligten haben sich die entspannten Grillfeten während der Weltmeisterschaft in Russland verdient. Über Keeper Karius wird schon bald erst einmal keiner mehr sprechen. Dann schon eher über Manuel Neuer.

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