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Johannes Herrmann klatscht in die Hände. Der 6:1-Sieg gegen Saarbrücken war ein Heimspiel ganz nach dem Geschmack des Ober-Erlenbacher Teammanagers.

Tischtennis

TTC OE: 6:1 gewonnen, aber zum Aufstieg fehlt noch einiges

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Der TTC OE Bad Homburg kann in der 2. Tischtennis-Bundesliga auch ohne Spitzenspieler Rares Sipos gewinnen. Und Kapitän Dominik Scheja gelingt eine weitere Saisonpremiere.

Einen Matchball musste er abwehren, dann nutzte Harald Andersson seinen ersten zum hauchdünnen Fünfsatzsieg über Patryk Zatowka. Kaum zu fassen, Tischtennis-Zweitligist TTC OE Bad Homburg besiegte in seinem letzten Hinrundenspiel die zweite Auswahl des 1. FC Saarbrücken 6:1 – bis auf das Doppel eins hätte jedes Spiel aber auch in die andere Richtung pendeln können. „Wir waren mental einen Tick stärker als unser Gegner“, brachte Kapitän Dominik Scheja den Unterschied auf den Punkt.

Dazu trug auch der 22-Jährige bei. Im ersten Satz hatte Scheja gegen Andrey Semenov nichts ausrichten können, ehe er zusehends die Balance fand. Als im Entscheidungssatz der Russe nach Time-out einen Rückhandspin über den Tisch setzte, schüttelte er resignierend mit dem Kopf. Scheja hatte den Jungprofi geknackt, ließ später noch ein paar Matchbälle aus, ehe er die Führung seines Teams auf 5:1 ausbaute.

„Letztes Jahr habe ich auch schon gegen Semenov gewonnen“, erinnerte er sich an die damalige Aufholjagd nach 0:2-Satzrückstand, die dem TTC OE noch ein Unentschieden gebracht hatte. Für Scheja war es der ersehnte erste Einzel-Sieg der Zweitliga-Saison. Auch Bad Homburgs Nummer zwei Nandor Ecseki musste sich auf Zatowka erst einmal einstellen. Dass zwischen dem Ungarn Ecseki und dem Polen in der Weltrangliste 201 Plätze liegen, war nicht zu erkennen. Nach dem knapp verlorenen dritten Satz zeigte Ecseki weiter mehr Initiative und auch Siegeswillen, was sich auch im Endresultat niederschlug. Nicht ganz so überzeugend agierte Andersson im Skandinavien-Duell mit dem Dänen Tobias Rasmussen. Aber nach mehrfacher Ballonabwehr und sich dann bietender Angriffschance aus der Distanz gelang dem Schweden der vielleicht schönste Ballgewinn des Abends. Nicht ganz an seine Leistungsgrenze heran gehen, musste derweil für den TTC OE der Slowake Alexander Valuch, um den Belgier Florian Cnudde zu bezwingen.

Nach der recht schnellen Führung dank Ecseki/Valuch war auch eine 2:0-Bilanz in den Doppeln möglich. Andersson/Scheja hatten im finalen Durchgang zwei Matchbälle, die sie durch einfache Fehler vergaben gegen Zatowka/Cnudde. Doch dies geriet letztlich zu einem Randaspekt für die etwas mehr als 200 Zuschauer – und auch für Teammanager Johannes Herrmann. „Die Jungs sind gut aufeinander abgestimmt, die Stimmung passt, es ist ein sehr homogenes Team“, drückte er seine Zufriedenheit aus.

Der überzeugende Erfolg über den Titelverteidiger sei „ein wichtiges Signal“ gewesen. Denn der TTC OE kann auch punkten, wenn Spitzenspieler Rares Sipos nicht aufschlägt. Das war nicht unbedingt in dieser Manier zu erwarten, hatte es doch eine Woche zuvor ohne den Rumänen eine überraschend klare Niederlage in Celle gegeben. Auch die zahlreichen Zuschauer trugen in der Wingert-Sporthalle mit guter Unterstützung dazu bei, dass sich die Mannschaft für das 3:6 in Niedersachsen rehabilitierte nach zuvor 9:1 Punkten in Serie. Und die makellose Heimbilanz wurde zugleich ausgebaut auf 8:0. Die Lust auf Tischtennissport auf sehr hohem Niveau ist in Bad Homburg vorhanden. Doch wann der nächste und zugleich auch letzte Schritt auf der nationalen Erfolgsleiter folgt, ist weiter offen. „Strukturell sind wir auf einem guten Weg“, sagte Herrmann. Doch auf finanzieller Ebene müsse noch zugelegt werden. „Wir brauchen noch mindestens 50 000 Euro mehr“, betonte er, um das Abenteuer Bundesliga angehen zu können. „200 000 Euro sind die Basis.“

Noch mehr Partner müssten ins Boot und die bisherigen Sponsoren vielleicht ein bisschen nachlegen. „Wir setzen uns aber nicht unter Druck, alles braucht seine Zeit. Als ich vor fünf Jahren hier angefangen habe, gab es kein großes Sponsoring“, führte „Jo“ Herrmann aus. Wie schwer es ist, sich in der Bundesliga zu behaupten, zeigt das Beispiel Jülich. Der Traditionsverein war sieben Jahre in Folge in der 2. Bundesliga Meister oder „Vize“, verzichtete aber auf den Aufstieg. 2017/18 spielte der Club aus der Nähe von Aachen gegen den Abstieg – und nahm dann die sich bietende Aufstiegsoption wahr, da alle anderen Zweitligisten auf den Sprung in die Beletage verzichteten. Das Zwischenzeugnis: In der Bundesliga-Hinrunde verlor Jülich alle zehn Partien.

TTC OE Erlenbach – 1. FC Saarbrücken II 6:1: Ecseki/Valuch – Rasmussen/Semenov 3:1, Andersson/ Scheja – Zatowka/Cnudde 2:3, Andersson – Rasmussen 3:1, Ecseki – Zatowka 3:2, Valuch – Cnudde 3:1, Scheja – Semenov 3:2, Andersson – Zatowka 3:2.

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