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David Lademann (links) und Pablo Giménez, die beiden Talente der EG Diez-Limburg.

Serie: Supertaltente aus dem NNP-Land

Giménez und Lademann: Dicke Freunde im Hörsaal und auf dem Eis

Sie sind die vielversprechendsten Nachwuchssportler der Region. Doch was steckt hinter ihren Top-Leistungen? Wie viel Aufwand müssen die jungen Athleten betreiben? In unserer Serie "Supertalente aus dem NNP-Land" blicken wir auf den Alltag der Sportler und fragen nach. Heute beschäftigen wir uns mit den Eishockeyspielern David Lademann und Pablo Giménez von der EG Diez-Limburg.

Nur die Krönung stand nach einer beinahe perfekten Spielzeit in der Eishockey-Regionalliga West noch aus. Nach Platz eins in der Hauptrunde und dem souveränen Einzug in das Traumfinale gegen den EHC Neuwied entpuppte sich die Corona-Pandemie als großer Spielverderber und funkte den "Rockets" der EG Diez-Limburg gewaltig dazwischen. Die Eishockey-Saison 2019/2020 wurde unmittelbar vor dem Beginn der Finalserie jäh beendet, der Traum vom Titelgewinn war ausgeträumt.

Abbruch kurz vor dem Ziel hat weh getan

Auch zum Leidwesen der beiden großen Nachwuchshoffnungen im Trikot der "Raketen", David Lademann und Pablo Giménez. Beide zählten während der gesamten Spielzeit zum Stammpersonal des scheidenden EGDL-Coaches Frank Petrozza. Lademann brachte es auf insgesamt 43 Einsätze (zehn Tore und zwölf Assists) in Liga und Inter-Regio-Cup, Giménez auf deren 42 (drei Vorlagen). "Klar waren wir alle total enttäuscht von der Absage. Wir haben viel dafür gearbeitet, so weit zu kommen. Man lebt die Play-off-Mentalität und freut sich auf diese Alles-oder-Nichts-Spiele, gerade gegen Neuwied. Wir wollten uns den Titel holen", berichtet Giménez. "Das tut natürlich weh, leider kann man da nichts machen."

Dass die beiden befreundeten Offensivspieler, die sich in Diez pudelwohl fühlen und auch in der nächsten Saison gerne zusammen für die EG Diez-Limburg auf Torejagd gehen wollen, das gleiche Trikot tragen, ist angesichts ihres jeweiligen sportlichen und persönlichen Werdegangs etwas Besonderes.

Der 20-jährige Pablo Giménez kam im spanischen Palma de Mallorca zur Welt, wuchs in der katalanischen Großstadt Barcelona auf und wurde aus langjähriger Familientradition bereits früh mit dem Eishockeysport vertraut. "Mein Vater und sein Cousin waren mit dabei, als beim FC Barcelona eine Eishalle aufgebaut und ein Eishockey-Team gegründet wurde. Seither ist der Sport Familiensache", erzählt er über die Anfänge.

Mit der Rückennummer zwölf auf dem Trikot führt Pablo Giménez auch eine weitere Familientradition fort. "Seit 50 Jahren tragen die Spieler meiner Familie die Zwölf. Ich finde es cool, das fortzusetzen", so der 20-Jährige, der über die Stationen Iserlohner EC, ESC "Moskitos" Essen und EC Bad Nauheim nach Diez kam und auf eine erfolgreiche Zeit in Spaniens Junioren-Nationalteams zurückblickt. In der U18 dekorierte er sich gleich zweimal mit der Silbermedaille bei den Weltmeisterschaften der Division 2B. In der U20 folgte dann sogar der Gewinn der Goldmedaille und der damit verbundene Aufstieg in die Division 1. Der Klassenerhalt im Folgejahr sei laut Giménez sogar noch höher einzuordnen.

Erstmals kreuzten sich die Wege der beiden EGDL-Juwele bei einem Junioren-Derby des EC Bad Nauheim, damals mit Pablo Giménez, gegen die Frankfurter "Löwen" mit David Lademann. "Die Rivalität der Vereine bei den Erwachsenen ist bekanntermaßen riesig. Das wird dann auch an den Nachwuchs weitergegeben. Man mag sich nicht", erklärt Lademann, der genau wie Giménez in Frankfurt wohnt. "Auf dem Papier waren wir mit Nauheim klar favorisiert. Aber schon in der Drittelpause ist unser Trainer völlig eskaliert, weil wir David nicht in den Griff bekamen" erinnert sich Pablo Giménez. Das Resultat: 5:3 für die Frankfurter, bei denen David Lademann mit drei Treffern zum Mann des Spiels avancierte. "Ja, zugegeben: Er war gar nicht so schlecht", witzelt Giménez. Daraus, dass sich die beiden als Gegner auf dem Eis zunächst überhaupt nicht mochten, machen sie kein Geheimnis. "Nach dem Spiel, in der Handshake-Line hatten wir uns noch einiges zu sagen", erklärt Giménez. "Und das, was gesagt wurde, war definitiv nicht positiv."

Heute können die beiden guten Kumpel darüber aber lachen. Auch weil beide zu diesem Zeitpunkt schon wussten, dass sie jeweils kurz darauf ihr Jura-Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt antreten würden. "Eine Woche nach dem Spiel haben wir miteinander auf Instagram geschrieben und uns über das Studium ausgetauscht und uns gut verstanden", so Lademann über die Anfänge ihrer Freundschaft.

In der Zeit, in denen die beiden nicht gemeinsam in der Eishalle am Diezer Heckenweg trainieren können, sind die sportlichen Prioritäten unterschiedlich. Während sich Pablo Giménez in den Sommermonaten mit Krafttraining und Laufeinheiten fit hält, spielt Lademann für die "Mainprimaten" Frankfurt Inline-Hockey. Mit Erfolg: 2017 und 2019 gewann er mit dem Team des Frankfurter Roll- und Eissportclubs die Hessische Meisterschaft. In diesem Jahr sieht die Realität allerdings etwas anders aus: Der Spielbetrieb der eigentlich Anfang Mai startenden Runde wird aufgrund der Corona-Pandemie bis Ende Juni ausgesetzt. Auch das Training findet trotz der Lockerungen seitens der Politik unter der Woche vorerst nicht statt.

Jura-Studium hat höchste Priorität

Trotz der Erfolge auf der Rollbahn liegt das sportliche Augenmerk des in Luxemburg geborenen und nahe der Eishockey-Hochburg Schwenningen im Schwarzwald aufgewachsenen David Lademann ganz klar auf dem Eis. Schließlich ist die Motivation nach dem corona-bedingten Ausfall der Finalserie für die kommende Spielzeit umso höher. "Der sportliche Wert war trotz der eigentlich guten Saison am Ende gering", so Lademann. Ab September, dann soll im Normalfall die Vorbereitung auf die neue Spielzeit starten, richtet sich der Fokus des 21-Jährigen wieder auf die EGDL und die Meisterschaft in der Regionalliga West.

Auch der Aufstieg in die Oberliga Nord sei für beide "auf jeden Fall" ein Thema. "Natürlich sucht man die größtmögliche Herausforderung.", sagt Pablo Giménez. Allerdings stünden dann auch Auswärtsfahrten nach Hamburg, Leipzig oder Rostock auf dem Plan. "Es ist schwer vorstellbar, wie das vom zeitlichen Aufwand her funktionieren soll. Reizvoll ist das natürlich." Oberste Priorität habe für beide aber ohnehin das Jura-Studium.

YANNICK WENIG

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