Enger zusammengerückt sind die Volleyballer der TuS Kriftel nach dieser durch die Corona-Pandemie verursachten außergewöhnlichen Saison in der 2. Bundesliga Süd. foto: Tus kriftel
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Enger zusammengerückt sind die Volleyballer der TuS Kriftel nach dieser durch die Corona-Pandemie verursachten außergewöhnlichen Saison in der 2. Bundesliga Süd.

Volleyball, 2. Bundesliga Tus Kriftel

Glücklich über das Saisonende

  • Volker Hofbur
    vonVolker Hofbur
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Die Corona-Pandemie brachte viele Herausforderungen und Irritationen für die Krifteler mit sich

Kriftel -Vor etwas mehr als zwei Wochen haben die Volleyballer der TuS Kriftel in der 2. Bundesliga Süd ihre Saison beendet. Nun endete die Saison am vergangenen Wochenende. Die Leipziger, die zuletzt nicht weniger als zehn Corona-Fälle hatten, haben sich mit drei der letzten vier Gegner geeinigt, nicht mehr zu spielen. Da aber Karlsruhe noch Meister werden konnte, musste das Team am vergangenen Wochenende ran, verzichtete aber dort auf den Einsatz aller Spieler, die sich infiziert hatten. Und dennoch schlugen sie mit sieben Spielern und nur zwei Stammkräften den Tabellenzweiten in fünf Sätzen. Der TSV Grafing wurde nach einem hart erkämpften 3:0 beim Absteiger TV Bliesen Meister. Alle weiteren Spiele wurden inzwischen für beide Mannschaften jeweils verloren gewertet, so dass die Saison nun auch offiziell abgeschlossen ist.

Die Krifteler ihrerseits haben noch nicht wieder trainiert. "Das war auch gut so nach dieser sehr anstrengenden Saison. Durch die schwankenden Vorgaben musste ich zuvor immer wieder meine Trainingspläne umwerfen", berichtet Trainer Tim Schön, "da kam keine Routine auf. Eher die Frage, ob wir vorsichtig genug mit unseren Hygienemaßnahmen sind. Du hängst in allen Bereichen drin, so auch in beruflicher Hinsicht, wenn du in Quarantäne musst". So hat auch Schön seine Nebentätigkeit als Trainer dem Land Hessen, das Arbeitgeber des Lehrers ist, gemeldet.

Die einheitlichen

Regelungen fehlen

Für den Trainer war diese Saison ein Prozess. "Wir wollten nicht trainieren, weil die Inzidenz so hoch war. Die Regularien des Liga-Verbandes VBL waren abhängig von den Entscheidungen der Behörden. So haben einige Teams vor dem Training nicht getestet", ärgert sich Schön, "das hätte einheitlicher geregelt werden müssen, gerade von einem Verband, der so viel Professionalität vorgibt". Für ihn waren durch "abrupte Minister-Entscheidungen" im November Regelungen getroffen worden, von denen Schön sagt, "dass sie uns nicht gerecht wurden. Sie wurden gemacht, damit gespielt werden konnte und dass andere etwas davon haben". Die Krifteler mussten spielen. Ihnen war vor der Saison nicht klar gewesen, dass sie als Zweitliga-Mannschaft Profis sein würden. Und dann kamen zum Ende der Saison durch die Bundesnotbremse Änderungen, als die Inzidenzwerte halb so hoch waren wie zu Krisenzeiten im Winter.

Keinen Infektionsfall

in der Mannschaft

Stolz ist Tim Schön, dass seine Mannschaft als eine von drei Teams ohne Infektion durchgekommen war: "Wir sind in dieser Zeit supergut durchgekommen, wobei wir so wenig Trainingsaufwand wie keine andere Mannschaft hatten. Von daher bin ich auch stolz darauf, dass wir sportlich nicht abgestiegen sind."

Nach den Irritationen am Saisonende wissen die Krifteler jetzt, dass die Bundesnotbremse für sie nicht greift und die Regeln des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) weiter Bestand haben. Da jetzt einige Spieler geimpft sind, sinkt etwas die Angst vor einem schweren Krankheitsverlauf. "Die Jungs wollen mal wieder eine normale Saison spielen. Wir sind jetzt fertig, und das ist auch gut", macht Schön deutlich.

Wenn er die vergangene Saison sportlich betrachtet, so sah Schön, dass sein Team sich bei dem durch die Tests erhöhten Aufwand stabilisiert hatte. "Dennoch muss ich sagen, dass wir trotz des geringen Trainingsaufwandes drei bis vier Plätze höher hätten landen können", berichtet der Trainer, "wir haben Spiele dominiert, dort aber nicht den Sack zugemacht. Das ist aber keine Kritik, sondern zeigt den Lernprozess, den wir noch bewältigen müssen".

Der Trainer betonte, dass seine Mannschaft gegen keinen Gegner wirklich komplett chancenlos war. Dabei ist sie im November fast ohne Training angetreten. Dabei ist die Mannschaft zusammen einen Weg gegangen, Sie hat akzeptiert, dass Mitspieler nicht weitergespielt haben. "Wir wussten da auch nicht, wie es weitergehen würde. Wir hatten aber ein gutes Mannschaftsgefüge, das noch mehr zusammengewachsen ist. Die Akzeptanz war groß, wenn es ein Mitspieler nicht für sich vertreten konnte, dass er zu einem Auswärtsspiel mitfahren oder trainieren würde. Es war wichtig, dass es intern keinen Groll gab", erklärt Schön, "da haben wir eine ganze Stufe mehr erreicht. Wenn ich es auf mich beziehe, wurde mir klar, dass ich viel kommunizieren und eigene Befindlichkeiten zurückstellen musste. Ich konnte nicht erwarten, dass jeder es vertreten konnte, zu spielen oder trainieren".

Der Trainer macht deutlich, dass er in einer anderen Position war, da er immer Distanz zu Spielern und Gegnern hatte. Eine Mammutaufgabe war, Helfer zu finden. "Was weggebrochen ist, wurde von anderen aufgefangen. Eltern haben ihre Kinder nicht mehr als Balljungen zur Verfügung gestellt. Da gilt unser Dank den Eltern und Lebensgefährten der Spieler, die eingesprungen sind, denn auch andere Mannschaften waren nicht mehr als Helfer da", berichtet Schön und macht deutlich: "Wir waren der einzige Verein, der bei den Spielen die Helfer getestet hat. Das haben wir aber auch für uns gemacht, um uns sicher zu fühlen." Schon das macht deutlich, wie problematisch die Bedingungen waren, unter denen die Mannschaft spielen musste. Und gleichzeitig zeigt es, wie sehr sich nicht nur die Krifteler nach Normalität sehnen. Volker Hofbur

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